VTG
- Werner Sperber - Redakteur

VTG fährt weiter in der Spur

Das Waggonvermietungs- und Schienenlogistikunternehmen VTG hat das Jahr 2009 nach vorläufigen Zahlen besser beendet als erwartet. Im südosteuropäischen Markt gewinnt der Konzern sogar Marktanteile hinzu. Insgesamt gesehen sind die Aussichten weiter positiv.

Die großen Vorteile der in Hamburg ansässigen VTG sind die zahlreichen, in vielen verschiedenen Branchen tätigen Kunden sowie die langfristigen Mietverträge, welche diese Kunden für die Eisenbahnwaggons der VTG abschließen. Zuletzt lag die Zahl der Auftraggeber bei rund 1.000. Die Schwachpunkte sind die hohe Nettoverschuldung von 517 Millionen Euro und die niedrige Eigenkapitalquote von 22,5 Prozent zum 30. September. Allerdings war das für VTG bislang kein Problem und solange das Management die Vorteile des Konzerns ausspielen kann, dürfte es auch keines werden. Dass VTG auch in schwierigen Zeiten stabile Ergebnisse erzielen kann, belegen die vorläufigen Zahlen für 2009, die besser ausgefallen sind, als der Vorstand seit dem ersten Quartal 2009 prognostiziert hat. Damals erwarteten Vorstandsvorsitzender Dr. Heiko Fischer, Finanzvorstand Dr. Kai Kleeberg und Technikvorstand Jürgen Hüllen einen Rückgang des Umsatzes und des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von jeweils höchstens fünf Prozent.

Die Prognosen übertroffen

Tatsächlich verringerten sich die Erlöse im Jahr 2009 um 4,5 Prozent auf 581,5 Millionen Euro. Das EBITDA sank um 3,8 Prozent auf 149,4 Millionen Euro. Dr. Fischer kommentierte: "Wir haben bewiesen, dass unser stabiles Geschäftsmodell, gepaart mit striktem Kostenmanagement und engagierten Mitarbeitern, auch den größten konjunkturellen Herausforderungen Stand hält. Produktionsabläufe plant und sichert man langfristig, daher geben unsere Kunden auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Waggons nicht leichtfertig zurück, sondern sichern sich den Transportraum für die wieder anziehende Konjunktur."

In der Sparte Waggonvermietung vermarktet VTG weltweit rund 49.600 Güterwagen. Dazu kommt die Bewirtschaftung, technische Betreuung, Reparatur, Instandhaltung und Verwaltung fremder Waggonparks sowie der Waggon-Neubau. Die Auslastungsquote der eigenen Waggons verringerte sich von 91,1 auf 87,4 Prozent und der Segmentumsatz um 1,7 Prozent auf 289 Millionen Euro. Tanja Laube, Leiterin Konzernkommunikation, erklärte im Gespräch mit DER AKTIONÄR, dass sich in dieser Sparte der Wettbewerbs- und Preisdruck nicht erhöht habe, sondern der Konzern sogar leichte Preissteigerungen durchsetzen konnte.

In der Sparte Schienenlogistik organisiert VTG europaweit Transporte von Gütern auf der Schiene. Hier legten die Erlöse um ein Prozent auf 179,4 Millionen Euro zu. Tanja Laube verwies vor allem auf das Transportgeschäft nach Südost-Europa, in dem der Konzern Marktanteile gewonnen hat. Durch Zukäufe von Kundenverträgen der Firma LOG-O-RAIL sowie die Übernahme der Bräunert Eisenbahnverkehr GmbH & Co. KG hat das Segment das Geschäft zum Jahresende hin weiter gestärkt.

Die Sparte Tankcontainer-Logistik ist besonders von den Kunden aus der Chemiebranche geprägt. In diesem Segment übernimmt VTG die weltweiten Transport-, Logistik- und Vermietdienstleistungen mit Tankcontainern. Dazu nutzt der Konzern rund 7.600 eigene Flüssigkeiten-Container. Der Umsatz gab aufgrund der Schwäche der Chemiebranche um 17,5 Prozent auf 113,1 Millionen Euro nach. In den Segmenten Schienenlogistik und Tankcontainer-Logistik herrscht nach Angaben von Tanja Laube ein hoher Konkurrenz- und Preisdruck. Allerdings habe VTG im zweiten Quartal 2009 die Talsohle durchschritten und ab dem dritten Quartal eine wieder leicht anziehende Geschäftstätigkeit festgestellt.

Für konservative Langfristanleger

VTG hat die Investitionen gedrosselt, ersetzt aber weiterhin jährlich rund 1.000 alte durch neue Waggons. Der Konzern hat zudem gespart und sich effizienter gemacht. Deshalb und aufgrund der allgemein etwas verbesserten Geschäftslage prognostiziert Konzernchef Dr. Fischer für das Jahr 2010 Stabilität mit Erlösen und einem EBITDA auf dem Niveau von 2009. Die Sparte Tankcontainer-Logistik werde ihre Erholung fortsetzen, das Segment Schienenlogistik wird weiter wachsen und der Bereich Waggonvermietung wird die Auslastung erhöhen - falls die gesamtwirtschaftliche Erholung anhält. Die Hauptversammlung soll am 18. Juni beschließen 0,30 Euro je Aktie als Dividende auszuschütten.

Nachdem es in der Vergangenheit bei Wettbewerbern Probleme mit Radsatzwellen gegeben hat, erwartet Tanja Laube, Leiterin Konzernkommunikation, eine politische Entscheidung auf Europaebene für die Jahresmitte, doch VTG habe schon jeher stärkere Wellen für neue Waggons gekauft, als nötig. Von dieser Seite sind also auch keine größeren Beeinträchtigungen zu erwarten. DER AKTIONÄR geht wie der Durchschnitt der Analysten davon aus, dass VTG den Gewinn ab dem Jahr 2011 wieder steigern kann. Langfristig orientierte Kunden sollten die Aktie für maximal 10,60 Euro kaufen. Das Kursziel beträgt 14 Euro und der Stoppkurs sollte bei 9,40 Euro gesetzt werden.

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