DAX
- Jochen Kauper - Redakteur

Volkswirt: Wahrscheinlichkeit einer US-Rezession liegt bei 30 Prozent

Die Unsicherheit an den Börsen bleibt. Auch wenn die US-amerikanische Notenbank Fed noch weitere zwei Jahren an ihrer Niedrigzinspolitik festhalten wird. Das Vertrauen der Anleger in die Schuldenpolitik der Politiker sowie der weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft ist momentan geschwunden.

Im Hintergrundgespräch mit dem AKTIONÄR erklärt David Kohl, Chefvolkswirt Deutschland bei Julius Bär, wie er die aktuelle Entwicklung an den Finanzmärkten bewertet und worauf sich Anleger in den kommenden Wochen und Monaten einstellen müssen.

DER AKTIONÄR: Herr Kohl, die amerikanische Notenbank Fed hat den Leitzins in der Spanne von Null bis 0,25 Prozent belassen. Sie kündigte an, dass dieser noch mindestens bis Mitte 2013 auf diesem historisch niedrigen Niveau bleiben werde. Damit legt sich die Notenbank erstmals in ihrer Geschichte auf ein Datum für ihre Zinsschritte fest. Wie bewerten Sie diesen Schritt?  

DAVID KOHL: Die Fed hatte diese als ein Möglichkeit für eine weitere Lockerung bereits vorher erwähnt. Die Logik ist hier, das die Unsicherheit bezüglich der Veränderung des Leitzins gesunken ist und damit auch die Zinsen mit längeren Laufzeiten nach unten kommen. Das is ceteris paribus eine stimulativere Geldpolitik. Nach unserer Einschätzung passt diese zusätzliche Stimulierung zum eingetrübten Wachstumsausblick und hat weniger unerwünschte Nebenwirkungen als ein Ankauf von Staatsanleihen. 

Ist QE3 der letzte Strohhalm, an den sich FED sowie Börsianer klammern können? 

Neben einem weiteren Ankaufprogramm hat die Fed noch die Möglichkeit die Zinsen zu senken, die sie den Banken für die Reserven bei der Zentralbank zahlt. Der Zins beträgt derzeit 0.25Prozent. Eine Absenkung würde mehr Liquidität ins System bringen und damit die Wirtschaft stimulieren. Ähnlich wie beim Ankaufprogram für Staatsanleihen (QE) geht die Stimulierung allerdings teilweise an der US Wirtschaft vorbei und befeuert auch (oder stattdessen) auch die Rohstoffmärkte bzw. andere Ökonomien (in Asien z.B.), die mit Überhitzungstendenzen zu kämpfen haben. Die Nebenwirkungen sind also höhere. Daher erwarten wir einen solchen Schritt erst, wenn eine Rezession in den USA noch wahrscheinlicher wird. 

Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass die USA erneut in eine Rezession abdriften? 

Nicht höher als 30 Prozent. 

Werden die Börsen jetzt, als ob nichts gewesen wäre, wieder zur Tagesordnung übergehen? 

Die Börsen müssen sich an ein schwächeres Wachstumsszenario anpassen, dabei ist derzeit die Unsicherheit hoch, wie schwach 2012 sein wird. Die Findung eines neuen Konsens oder Gleichgewicht wird die Börsen auch in den nächsten Wochen aber nicht Monaten noch weiter beschäftigen, zu erhöhter Volatilität, Risikoaversion und eher schwachen Märkten führen.

Herr Kohl, vielen Dank für das Interview!

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