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- Jochen Kauper - Redakteur

Volkswirt: „Volatilität an den Märkten wird hoch bleiben“

Fed-Chef Ben Bernanke wird den Leitzins für mindestens zwei weitere Jahre niedrig halten. Die Börsen atmen vorerst auf. Getragen von den Aussagen des Notenbankchefs legte der Dow Jones am Mittwoch rund fünf Prozent zu. Auch an der Börse Frankfurt hat sich die Lage vorerst entspannt.

DER AKTIONÄR sprach mit Dr. Jochen Felsenheimer von Assenagon Credit Management über die aktuelle Situation an den Märkten.

DER AKTIONÄR: Die amerikanische Notenbank Fed hat den Leitzins in der Spanne von Null bis 0,25 Prozent belassen. Sie kündigte an, dass dieser noch mindestens bis Mitte 2013 auf diesem historisch niedrigen Niveau bleiben werde. Damit legt sich die Notenbank erstmals in ihrer Geschichte auf ein Datum für ihre Zinsschritte fest. Wie bewerten Sie diesen Schritt?

Jochen Felsenheimer: Die Fed versucht erneut, das aktuelle Problem mit denselben Methoden zu bekämpfen, durch die es mit verursacht wurde: nämlich die exzessive Versorgung der Märkte mit Liquidität. Das kann kurzfristig zur Beruhigung der Märkte beitragen, bekämpft aber letztlich nicht die wirklichen Ursachen der Krisen der vergangenen Jahre. Hierbei handelt es sich nicht nur um ökonomische Probleme, sondern vor allem auch um politische, wie die letzten Wochen gezeigt haben.

Gleichzeitig senkte die Fed ihre Wachstumsprognosen für die amerikanische Wirtschaft. Wie hoch ist Ihrer Meinung nach die Wahrscheinlichkeit, dass die USA erneut in eine Rezession abgleiten? Wie steht es vor diesem Hintergrund um Europa und vor allem auch um Deutschland?

Die USA stehen vor der schier unlösbaren Aufgabe, mit einer restriktiven Fiskalpolitik zusätzliches Wachstum zu generieren. Und das vor dem Hintergrund, dass die geldpolitischen Impulse der Fed keine große Wirkung entfalten werden, da die Politik bereits extrem expansiv ist. Alles andere als ein Wachstumsrückgang wäre folglich eine Überraschung. Davon wird sich auch Europa nicht vollständig abkoppeln können und auch Deutschland wird betroffen sein. Auch wenn sich Deutschland realwirtschaftlich immer mehr von den USA abkoppeln kann, kommen Ansteckungseffekte vor allem über die globalen Finanzmärkte zustande.

 

Fed-Chef Ben Bernanke ließ offen, ob und gegebenenfalls wann er mit einem neuen Anleihekaufprogramm weitere Milliarden in die Wirtschaft pumpen könnte. Was halten Sie von solchen Maßnahmen?

Wenn die Zentralbank eines Landes die Anleihen des eigenen Staates aufkauft, dann muss man sich die Frage stellen, welchen Wert eine solche Währung dann eigentlich hat. Diese Maßnahme setzt man nur ein, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht. Sie kann fatale Folgen nicht nur für die USA, sondern für die Glaubwürdigkeit des gesamten Finanzsystems haben.

Worauf müssen sich die Anleger nach dem jüngsten Absturz an den Aktienmärkten in den kommenden Wochen und Monaten einstellen?

Die Volatilität an den Märkten wird extrem hoch bleiben, da alle in Europa und den USA umgesetzten Krisenmaßnahmen nur sehr temporär positive Impulse setzen können. Klassische Portfolio-Strategien werden auch weiterhin versagen, während vor allem Arbitrage-Strategien von solchen Marktphasen profitieren.

Vielen Dank Dr. Jochen Felsenheimer

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| Thomas Bergmann | 0 Kommentare

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