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Vogelgrippe: Panik treibt die Kurse

Die Angst vor einer Ausweitung der Vogelgrippe zeigt Wirkung am Aktienmarkt. Die Kurse einiger Biotechnologietitel legten zuletzt kräftig zu. DER AKTIONÄR nimmt zwei Unternehmen unter die Lupe. Doch Vorsicht, beide Titel sind hochspekulativ.

Die Angst vor einer Ausweitung der Vogelgrippe zeigt Wirkung am Aktienmarkt. Die Kurse einiger Biotechnologietitel legten zuletzt kräftig zu. DER AKTIONÄR nimmt zwei Unternehmen unter die Lupe.

Von Alfred Maydorn

Dass es sich bei der Vogelgrippe um eine ernsthafte Bedrohung handelt, ist bei Experten schon lange unbestritten. Die wachsende Verbreitung des gefährlichen H5N1-Virus durch Zugvögel lässt die Gefahr aber immer realer werden und teilweise sind bereits die ersten Anzeichen von Panik sichtbar. Insbesondere dann, wenn es um den Schutz vor dem Virus geht. Die Jagd auf Grippe-Impfstoffe und -Medikamente hat begonnen. Vor kurzem wurden bei Ebay 150 Euro für zehn Tabletten des Grippemittels Tamiflu geboten und damit mehr als dreimal soviel wie der handelsübliche Preis, ehe Ebay die Auktion stoppte.

Kassenschlager Tamiflu

Das Medikament Tamiflu wird vom Schweizer Pharmariesen Roche hergestellt und gilt derzeit als wirksamstes verfügbares Medikament gegen die Vogelgrippe. Viele Länder - allen voran die USA - kaufen derzeit große Mengen an Tamiflu, um im Ernstfall ihre Bevölkerung versorgen zu können. Und so entwickelte sich Tamiflu für Roche zu einem echten Kassenschlager. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres trug Tamiflu rund 550 Millionen Dollar zum Gesamtumsatz des Konzerns bei. Die Aktie von Roche wurde bereits mehrfach vom aktionär vorgestellt, zuletzt in Ausgabe 43 vor einer Woche.

Novavax geht neue Wege

Nicht zuletzt der große Erfolg von Tamiflu hat auch einige andere Unternehmen der Branche dazu veranlasst, ihre Forschung nach Grippemedikamenten voranzutreiben. So entwickelt das US-Unternehmen Novavax einen Impfstoff gegen die Vogelgrippe, der in vorklinischen Tests bereits erfolgreich an Tieren getestet wurde. Durch eine neue Produktionstechnologie soll sich der Impfstoff von Novavax besonders schnell an eventuelle Mutationen des Grippevirus anpassen lassen. Denn das Problem von Grippeviren sind ihre häufigen Veränderungen. So kann es passieren, das zuvor geeignete Medikamente nach einer Mutation des Virus ihre Wirksamkeit verlieren.

Verbesserte Wirksamkeit

Während es bei Novavax noch einige Monate dauern kann, bis der neue Impfstoff tatsächlich marktreif ist, ist Hemispherx Biopharma hier schon einen Schritt weiter. Allerdings hat das kleine US-Biotechunternehmen keinen neuen Wirkstoff entwickelt, sondern lediglich herausgefunden, dass sich mit dem eigenen Präparat "Ampligen" die Wirksamkeit von Roches Verkaufsschlagers Tamiflu erhöhen lässt. Eigentlich wurde Ampligen als Wirkstoff gegen chronische Müdigkeit entwickelt.

Kräftige Kurssteigerungen

Bei den Anlegern ist indes keine Müdigkeit festzustellen. Sie haben das vorhandene Potenzial von Novavax und Hemispherx Biopharma erkannt und die Kurse der beiden Papiere zuletzt kräftig in die Höhe getrieben. Die Aktie von Hemispherx stieg in den letzten vier Wochen von 1,50 auf 2,30 Dollar und Novavax hat sich seit Mitte August von einem auf über drei Dollar sogar schon mehr als verdreifacht. Mittlerweile haben beide Papiere Bewertungen von über 100 Millionen Dollar erreicht. Nicht eben wenig, wenn man weiß, das sowohl Novavax als auch Hemispherx noch keine nennenswerten Umsätze vorweisen können. Gelingt allerdings in naher Zukunft die erfolgreiche Produktion eines Vogelgrippe-Impfstoffes, dann sind sogar Milliardenumsätze und entsprechende Bewertungen vorstellbar.

Hochspekulativ - Rücksetzer abwarten

Ein Investment in einen der beiden Werte ist hochspekulativ, wobei die Risiken bei Hemispherx aufgrund des bereits vorhandenen Präparates etwas geringer sind. Auf der anderen Seite bietet Novavax wohl die höheren Chancen. Nach den jüngsten Kurssteigerungen der beiden Titel sollte vor einem Einstieg zunächst ein Rücksetzer abgewartet werden.

Artikel aus Ausgabe 44/2005

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