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Vive la France!

Klappe, die Nächste! Ein weiterer europäischer Börsengang steht unmittelbar bevor. Der Ex-Monopolist Gaz de France wagt in Paris das größte IPO des Jahres.

Klappe, die Nächste! Ein weiterer europäischer Börsengang steht unmittelbar bevor. Der Ex-Monopolist Gaz de France wagt in Paris das größte IPO des Jahres.

Von Nancy Lanzendörfer

Derzeit ist in Frankreich nicht nur die Tour de France in vollem Gange, auch die Vorbereitungen für den bisher größten Börsengang des Jahres laufen auf Hochtouren. Am 8. Juli wird mit Gaz de France der weltweit viertgrößte Gasversorger an den Start, genauer gesagt an die Börse in Paris, gehen. Lohnt es sich mitzugehen?

GdF hat noch viel vor

Durch den Verkauf von 121 Millionen Aktien oder bis zu 22 Prozent von Gaz de France will die französische Regierung ihre Staatskasse um 2,5 bis 2,9 Milliarden Euro aufbessern. Dem Gasversorger selbst fließen durch die Ausgabe von 81 Millionen Anteilen 1,7 bis 1,9 Milliarden zu. Das Volumen der Emission beläuft sich also auf bis zu 4,8 Milliarden Euro.

Mit dem Geld will Gaz de France (GdF) das weitere Wachstum ankurbeln. So plant die Nummer eins in Frankreich, in den nächsten Jahren 17,5 Milliarden Euro zu investieren, um die Abhängigkeit vom Heimatmarkt, in dem 71 Prozent vom Umsatz generiert werden, zu reduzieren. Zudem wollen sich die Franzosen in der Gasproduktion verstärken und künftig auch als Stromanbieter auftreten.

Starkes Dividendenplus

Wenngleich die Nettoschulden von 4,4 Milliarden Euro einem Cashflow von 3,4 Milliarden beziehungsweise einem Eigenkapital von 10,6 Milliarden Euro gegenüber stehen, kann GdF das Geld also gut gebrauchen. Dennoch protestierten viele der 38.000 Mitarbeiter gegen die Privatisierung. Ihnen bietet GdF 15 Prozent der Aktien zwischen 16,40 und 19,04 Euro zur Zeichnung an und damit günstiger als sonstigen privaten (20,50 bis 23,80 Euro) oder institutionellen Anlegern (20,70 bis 24,00 Euro).

Darüber hinaus lockt Firmenchef Jean-François Cirelli nach einer 30 Prozent höheren Ausschüttung an den Staat von 418 Millionen Euro 2004 mit einer Dividendenanhebung im laufenden Jahr von voraussichtlich 40 Prozent. Für 2007/08 wird sogar eine Verdopplung angestrebt. Der Nettogewinn soll von 1,05 Milliarden Euro 2004 auf 1,5 Milliarden 2005 klettern. Beim Umsatz stellt Cirelli ein Wachstum von fünf bis acht Prozent pro Jahr in Aussicht, nach 18,1 Milliarden Euro 2004.

Kein Schnäppchen

Mit einem geschätzten KUV von 1,1 und einem KGV von fast 15 in der Mitte der Bookbuildingspanne ist GdF für 2005 schon höher bewertet als die meisten Konkurrenten wie etwa E.on. Dennoch scheint der IPO-Zeitpunkt vor dem Hintergrund hoher Rohstoffpreise nicht schlecht gewählt. Außerdem muss die Teilprivatisierung mit Erfolg über die Bühne gehen, da Paris im Herbst bereits die nächste Gesellschaft an die Börse bringen will. Und spätere GdF-Privatisierungstranchen dürften nach einem ungeschriebenen Gesetz der französischen Politik nicht unter dem ersten Preis auf den Markt geworfen werden. Spekulative Anleger nutzen daher Kursschwächen zum Aufbau einer kleinen Position.

Artikel aus DER AKTIONÄR (28/05).

 

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