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Viva Las Vegas!

Der Markt für Glücksspiele boomt. Damit das so bleibt, investieren die Casinos Milliardenbeträge in innovative Spielsysteme. DER AKTIONÄR stellt Ihnen die interessantesten Titel vor.

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Von Martin Weiß

Benjamin "Bugsy" Siegel war zwar ein Gangster, aber er soll auch ein Visionär gewesen sein. Dem Mythos zufolge träumte der Mafia-Killer Anfang der Vierzigerjahre des vorigen Jahrhunderts von einem Glücksspiel-Mekka und der US-Bundesstaat Nevada bot mit der Wüstenstadt Las Vegas nahezu perfekte Rahmenbedingungen. Unglücklicherweise finanzierte Siegel sein Casino "Flamingo" mit Mafia-Geldern. Als der wirtschaftliche Erfolg ausblieb und Siegel zudem in Verdacht geriet, seine Geschäftspartner beklaut zu haben, war sein Schicksal besiegelt - 1947 wurde Siegel von Auftragskillern erschossen. Die Ironie: Nur wenige Jahre nach dem Attentat erlebte Las Vegas einen ungeahnten wirtschaftlichen Aufschwung - ausgelöst durch das Glücksspiel -, der bis heute anhält. 2004 verzeichnete die Stadt mehr als 37 Millionen Besucher, die für einen Umsatz von knapp 40 Milliarden Dollar sorgten. Rund 13 Milliarden Dollar davon entfielen auf die unzähligen Shows, weitere 4,5 Milliarden Dollar wurden in den Casinos umgesetzt.

Die Profiteure des Innovationszwangs

Die neuen Herrscher in Las Vegas sind Geschäftsleute wie Steve Wynn, der Erbauer des legendären Mirage und des neuen und superteuren Wynn Hotels (Baukosten circa 2,7 Milliarden Dollar), oder multinationale Konzerne wie MGM. Wynn und andere Hotel- und Casinobetreiber wissen, dass sie die Wachstumsraten der letzten Jahren nur dann aufrechterhalten können, wenn sie ständig in neue Technologien und Konzepte investieren. Von diesem Innovationszwang profitieren verschiedene Zuliefererfirmen, darunter auch Progressive Gaming. Der mit einer Marktkapitalisierung von 268 Millionen Dollar vergleichsweise kleine Casinoausrüster hat sich auf die Entwicklung von innovativen Spieleinhalten, vernetzten Glücksspielgeräten und Auswertungssystemen spezialisiert. Flaggschiff des Unternehmens ist TableLink, ein System, mit dem sich Statistiken für Spieltische (17+4, Poker) in Echtzeit erstellen lassen. Während TableLink in der Grundfunktion eher allgemeine Daten auswertet (unter anderem Spieleranzahl, Verweildauer), sind mit den Ausbaustufen sehr genaue Einblicke möglich. Spezielle, mit RFID-Chips ausgestattete Jetons geben beispielsweise Aufschluss über den Einsatzverlauf in jedem einzelnen Spiel und lassen damit Rückschlüsse auf das Können des Spielers zu. Die Jetons können zudem jederzeit lokalisiert werden. Steve Wynn soll bereits Interesse an den Chips bekundet haben. Aktuell sind etwa 1.700 Spieltische mit TableLink ausgestattet, in den kommenden fünf Jahren soll die Zahl auf über 10.000 steigen. Das Ziel ist ambitioniert, erscheint aber erreichbar, denn TableLink bietet den Betreibern eine Reihe strategischer Vorteile. Durch die automatische Erfassung der Spiele entfällt beispielsweise der "Papierkram" - das Personal am Tisch hat jetzt mehr Zeit für den Kundenservice. Daneben lassen sich die Tische miteinander vernetzen und bieten den Betreibern somit ständig einen Gesamtüberblick. Allein seit Jahresbeginn hat Progressive Gaming weltweit über 200 TableLink-Systeme verkauft.

Starkes Wachstum

Das anziehende Momentum bei der Vermarktung hat sich im ersten Quartal bereits auf die Bilanz ausgewirkt. So erzielte Progressive Gaming einen Gewinn von einer Million Dollar oder 0,04 Dollar pro Aktie nach einem Verlust von 2,4 Millionen Dollar im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Der Umsatz verbesserte sich um acht Prozent auf 22,5 Millionen Dollar. Insgesamt will die Firma im laufenden Jahr 88 Millionen Dollar umsetzen und dabei 0,29 Dollar pro Aktie verdienen, für 2006 erwarten Analysten einen weiteren Anstieg auf knapp 100 Millionen Dollar, oder 0,58 Dollar pro Aktie. Vor dem Hintergrund des starken Wachstums erscheinen die Aktien ausgesprochen günstig bewertet. Mit einem Gewinnvielfachen von 17 auf Basis der für 2006 geschätzten Erträge sind die Titel von International Game Technology (IGT) ebenfalls noch nicht zu teuer. IGT ist mit einem Börsenwert von rund zehn Milliarden Dollar der unangefochtene Marktführer bei "Einarmigen Banditen". 2004 hat der Konzern rund 170.000 Automaten weltweit verkauft und damit seine Vormachtstellung ausgebaut. Rückläufige Gewinne führten allerdings dazu, dass die IGT-Aktie ab Mai 2004 in den Sinkflug überging, der erst vor rund sechs Wochen bei 24,20 Dollar ein Ende fand. Auslöser für die Trendwende - der Titel hat seit Erreichen des Tiefs rund 20 Prozent an Wert gewonnen - war die Nachricht, dass IGT für den Boommarkt Macao mit einem Marktanteil von knapp 30 Prozent rechnet. Die ehemalige portugiesische Kolonie, die seit 1999 zu China gehört, ist der einzige Ort in der Volksrepublik, in der das Glücksspiel legal ist. Im vergangenen Jahr zählte Macao knapp 2.700 Spielgeräte, bereits in fünf Jahren soll sich ihre Anzahl auf 20.000 rund versiebenfacht haben. Kein Wunder, dass die Anleger elektrisiert sind, wenn sie "Macao" hören. Einen weiteren Kursschub bei IGT verursachte eine Meldung Mitte Juni, wonach der Branchenführer zukünftig mit Shuffle Master (unter anderem elektronische Kartenmischer) und Progressive Gaming kooperiert. Zweck der Partnerschaft ist die Entwicklung einer gemeinsamen Casino-Lösung. Marktexperten rechnen damit, dass die "Alles-aus-einer-Hand"-Lösung zu Kosteneinsparungen führt und sich daher gut verkaufen wird.

Auf den Marktführer setzen

Wer in den Gaming-Bereich investiert, sollte unbedingt den Marktführer IGT ins Auge fassen. Die Durststrecke bei den Erträgen scheint überstanden, ebenso die Talfahrt beim Aktienkurs. Die Kooperation mit den Konkurrenten sollte weitere Impulse liefern, ebenso die Expansion in Macao. Unter langfristigen Gesichtspunkten ist die Aktie ein klarer Kauf.

 

Aus DER AKTIONÄR Ausgabe 27/05

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