Lenovo Group
- DER AKTIONÄR

Vier gewinnt

Im Duell um Platz 3 in der PC-Branche hat die taiwanesische Acer den Wettbewerber Lenovo überholt. Dies ist aber nicht allzu tragisch, denn für die Aktie der Chinesen sprechen eine Reihe anderer gute Argumente.

Im Kampf um den weltweiten PC-Markt stehen sich nicht nur die Branchengiganten Hewlett-Packard (HP) und Dell gegenüber. Auch um die Ränge dahinter wird gekämpft. Nachdem der taiwanesische Konzern Acer vor wenigen Wochen den dritten Platz an den chinesischen Konkurrenten Lenovo verloren hatte, eroberte er ihn jetzt zurück: Nach den Akquisitionen der kleineren Wettbewerber Gateway (USA) und Packard Bell (Frankreich) ist Acer wieder die globale Nummer 3 im Computermarkt. Acer bezahlt für Gateway 710 Millionen Dollar, also einen Aufschlag von über 50 Prozent auf den Aktienkurs der Kalifornier. In den Augen von Analysten und Anlegern ein zu hoher Preis; im Anschluss an die Meldung hagelte es negative Kommentare - und Kursabschläge an der Börse.

Nummer 4 - na und?

Bei Lenovo, nun Nummer 4 in der Rangliste, besteht allerdings kein Grund zur Schadenfreude. Mit seinem eigenen Aktienkurs kann der chinesische Computerproduzent nicht zufrieden sein. Nach sagenhaften Kurszuwächsen in den Boomjahren von 1998 bis 2000 - die Notierung verfünfzigfachte sich in diesem Zeitraum - stürzte sie anschließend ebenso deutlich wieder ab und bewegt sich seitdem seitwärts.
Im Gegensatz zu Acer ist aber das Wachstum Lenovos nicht teuer erkauft, sondern organisch: Im zweiten Quartal konnte der Konzern einen Zuwachs von 22 Prozent vorweisen, für den Analysten auch die hohe Nachfrage im Heimatland verantwortlich machen. Vor dem Hintergrund, dass Experten Chinas PC-Markt auch in den kommenden Jahren ein jährliches Wachstum von 25 Prozent zutrauen, sind die Prognosen für Lenovo - etwa ein Gewinnplus von 24 Prozent von diesem auf das nächste Jahr - nicht zu hoch gegriffen.

"Grüne" Früchte

Zumal Lenovo auch so etwas wie die "Microsoft der Volksrepublik" ist: 1984 von Mitgliedern der Akademie der Wissenschaften in Peking gegründet betrug das Startkapital damals 25.000 US-Dollar - mittlerweile ist Lenovo an der Börse mit rund 6,4 Milliarden Dollar bewertet. Größter Coup war die Übernahme der PC-Sparte des US-Konzerns IBM für 1,75 Milliarden Dollar im Jahr 2004, ein Schachzug, durch den auch die westliche Öffentlichkeit auf Lenovo aufmerksam wurde. Kritiker der Fusion hatten damals bezweifelt, dass die unterschiedlichen Kulturen beider Unternehmen zueinander passen würden. Doch die Zusammenarbeit trägt Früchte, die auch im Westen Zuspruch finden dürften: Lenovo hat jüngst den ersten PC vorgestellt, der sich zu 90 Prozent recyceln lässt.

Fazit

Auch wenn Acer Lenovo den dritten Rang im weltweiten PC-Ranking wieder abgenommen hat - im eigenen Land ist der Konzern die unangefochtene Nummer 1. Für ein ausgewogenens IT-Depot ist Lenovo eine gute China-Beimischung.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 41/2007.

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| Jonas Groß | 0 Kommentare

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