Vale
von Thorsten Küfner - Redakteur

Vale: Weltmarktführer fast geschenkt

Trotz der sich aufhellenden Konjunkturdaten ist im Aktienkurs des Bergbauriesen Vale offenbar immer noch eine Rezession für 2012 eingepreist. Langfristig orientierten Anlegern bietet sich damit eine hervorragende Einstiegsgelegenheit.

Schlimmer als nach der Lehman-Pleite, eine mehrere Jahre andau­ern­de Rezession oder gar eine tiefe Depression - die verschiedenen Konjunkturprognosen für das Jahr 2012 waren Ende 2011 wirklich nicht gerade erfreulich. Kein Wunder, dass es an den Börsen weltweit mit nahezu allen Aktienkursen konjunkturabhängiger Unternehmen bergab ging. Mittlerweile hat sich das Umfeld allerdings wieder etwas aufgehellt. Die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA, Deutschland und anderen wichtigen Volkswirtschaften geben Anlass zur Hoffnung. So kühlt die Konjunktur in China zwar etwas ab, erlebt aber wohl alles andere als ein „Hard Landing". Und selbst in Europa scheinen sich die zuvor noch sehr düsteren Prognosen für das Jahr 2012 nicht zu bewahrheiten. Statt einer schweren Rezession dürfte es im laufenden Jahr wohl nur zu einer Wachstumsdelle kommen, wobei für das zweite Halbjahr durchaus Besserung in Sicht ist und die Konjunktur wieder Fahrt aufnehmen könnte. Dies erklärt natürlich den Anstieg vieler Aktienkurse rund um den Globus. 

Hingegen hinkt die Aktie des brasilianischen Rohstoffriesen Vale der Kursentwicklung vieler zyklischer Werte aus den Bereichen Automobil, Chemie oder auch aus dem Rohstoffsektor bislang eher hinterher. Dabei würde dem Bergbauriesen eine robuste Weltkonjunktur erheblich in die Karten spielen.

Asiatische Nachfrage bleibt hoch

So dürfte Vale als weltgrößter Eisenerzförderer erheblich davon profitieren, dass die Stahlnachfrage im laufenden Jahr deutlich stabiler sein dürfte, als vielerorts zunächst angenommen. Da Eisenerz für die Stahlproduktion drin­gend benötigt wird, sollte auch 2012 das Interesse an dem Rohstoff hoch sein. Insbesondere China als oh­ne­hin bereits größter Absatzmarkt für Eisenerz dürfte dabei erneut eine ent­schei­dende Rolle spielen. Im Reich der Mit­te soll es im laufenden Jahr zu einer Re­kordnachfrage nach Eisenerzimporten kommen, so das Ergebnis einer Umfrage von Reuters. In den kommenden Jah­ren braucht China für den Bau von Häu­sern und In­frastruktur enorme Men­gen an Stahl. Schließlich ziehen nach wie vor Millionen von Chinesen vom Land in die Stadt und benötigen des­halb Wohnungen.

Ähnlich sieht es in Indien und vielen Ländern Mittel- und Südamerikas aus. Auch dort er­war­ten Experten im laufenden Jahr ein deutliches Anziehen des Stahlbedarfs. Die gesamte weltweite Nachfrage soll nach Ansicht der World Steel Association 2012 um 5,4 Prozent wachsen. Die Ana­lysten von TD Securities er­­warten des­wegen ein auch deutliches Plus am Eisenerzmarkt. Demnach rechnen sie bis zum Jahr 2015 mit einem jährlichen Zuwachs des globalen Eisenerzmarktes um sieben Prozent.

Vor diesem Hintergrund erscheint es relativ unwahrscheinlich, dass Vales Gewinne im Eisenerzgeschäft im laufenden Jahr stark zurückgehen werden. Zwar dürfte es vorübergehend zu leicht sin­kenden Überschüssen kommen, im Lau­fe des zweiten Halbjahres oder spätes­tens im Jahr 2013 dürfte das Geschäft jedoch wieder anziehen.

Die Aktie gibt es fast geschenkt

In der Bewertung der Vale-Aktie spiegelt sich aber offenbar immer noch die Angst vor einer Rezession mit möglicherweise fatalen Folgen für die Ergebnisentwicklung des Rohstoffriesen wider. Dabei vergessen viele Marktteilnehmer offenbar die Tatsache, dass es Vale selbst nach der Lehman-Pleite gelungen ist, in jedem Quartal schwarze Zahlen zu schreiben.

Dennoch liegt die Marktkapitalisierung Vales aktuell nur in etwa auf der Höhe des ausgewiesenen Buchwertes. Damit gibt es das operative Geschäft des Weltmarktführers an der Börse derzeit quasi geschenkt.

Mehr als nur ein Minenbetreiber

Doch Vale ist nicht nur ein Minenbetreiber. Der Konzern besitzt zudem eigene Bahnstrecken, Züge sowie Häfen und Schiffe. Damit dürfte das Unternehmen auch weiterhin am Boom in Brasilien, der nicht nur mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Spielen 2016 zusammenhängt, partizipieren. Ferner dürfte Vale in den kommenden Jahren durch seine Logistiksparte von der weiter wachsenden Bedeutung Brasiliens als Global Pla­yer im Markt für Agrarrohstoffe - das Land ist einer der größten Produzenten von Zucker, Sojabohnen, Kaffee oder Orangensaft - profitieren. Zumal der Bergbaukonzern auch über eine eigene Dün­gemittelsparte verfügt.

Billiger als die Konkurrenz

Trotz der starken Bilanz und der brei­ten Aufstellung ist die Aktie von Vale immer noch erheblich günstiger be­wertet als die - auch nicht gerade hoch bewerteten - Anteile der großen Konkurrenten Rio Tinto, BHP Billiton, Xstrata oder Anglo American. So verfügt die Vale-Aktie über das deutlich geringere KGV und das niedrigere KBV als die anderen vier großen Bergbaukonzerne. Zudem ist die Dividendenrendite höher. Lediglich gemessen am Kurs-Umsatz-Verhältnis wäre Vale nur Mittelmaß, dies ist allerdings vor allem bedingt durch die höhere Profitabilität der Brasilianer im Vergleich zu den Wettbewerbern. Aufgrund dessen und der enormen Marktmacht im Eisenerzgeschäft wäre allerdings eher ein Bewertungsaufschlag gerechtfertigt.

Greifen Sie zu!

Vale verfügt über eine enorm starke Marktstellung bei strategisch wichtigen Rohstoffen und ist geographisch sehr breit aufgestellt. Die Aktie notiert nicht nur bei einem KGV von gerade einmal 6, sondern auch nahe dem Buchwert. Auch im Vergleich mit den Aktien der größten Wettbewerber ist Vale erste Wahl. Clevere Anleger sollten daher die Chance ergreifen und das günstige Kursniveau zum Einstieg nutzen, zumal der Aktie erst kürzlich der Ausbruch aus dem mittelfristigen Abwärtstrend geglückt ist.

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