- DER AKTIONÄR

Unschuldig in Sippenhaft

Die unsichere Rechtslage bei privaten Sportwetten hat sämtliche Unternehmen, die auch nur annähernd mit dem Thema zu tun haben, stark unter Druck gebracht. Die Aktien von Bwin, Bet-at-home.com & Co sind daher in einen Abwärtsstrudel geraten, der auch Unternehmen erfasst hat, die von den juristischen Urteilen nicht unmittelbar betroffen sind. Dazu gehört zum Beispiel die Hamburger Tipp24 AG.

Die rechtlichen Unsicherheiten bei den Sportwettenbetreibern hat auch Tipp24 in Mitleidenschaft gezogen – zum großen Teil zu Unrecht.

Die unsichere Rechtslage bei privaten Sportwetten hat sämtliche Unternehmen, die auch nur annähernd mit dem Thema zu tun haben, stark unter Druck gebracht. Die Aktien von Bwin, Bet-at-home.com & Co sind daher in einen Abwärtsstrudel geraten, der auch Unternehmen erfasst hat, die von den juristischen Urteilen nicht unmittelbar betroffen sind. Dazu gehört zum Beispiel die Hamburger Tipp24 AG.

Hilfreicher Kundenstamm

Tipp24 ist als gewerblicher Spielvermittler für sämtliche Glücksspiele der staatlichen Lotterien tätig. Die staatlichen Spielveranstalter zahlen Tipp24 dafür Provisionen. Bei Lotto, Oddset und der ARD-Fernsehlotterie etwa beträgt die Marge durchschnittlich acht bis elf Prozent. Bei so genannten Premium-Produkten wie Lotto-Spielgemeinschaften und Klassenlotterien betragen die Margen sogar bis zu 35 Prozent. In Anbetracht von knapp 1,5 Millionen Kunden ist Tipp24 ein überaus hilfreicher Partner für die staatlichen Lotteriegesellschaften, die ebenso wie die Finanzministerien der Bundesländer ein großes Interesse an hohen Einnahmen haben. Das einzige Risiko, das derzeit vom Entscheid des Bundesverfassungsgerichts zum Thema Sportwetten für Tipp24 ausgeht, ist die mögliche Einschränkung von Werbemaßnahmen.

Jackpots fehlen

Einen größeren Einfluss auf das Geschäft von Tipp24 hat die Anzahl der Jackpot-Ausspielungen. Im zweiten Quartal etwa gab es keine hohen Jackpots. Daher verlief die Kundengewinnung bei Tipp24 eher schleppend. Lediglich 52.000 Kunden konnten neu gewonnen werden, während es in den ersten drei Monaten 112.000 waren. Bezogen auf das erste Halbjahr konnte sich Tipp24 gegenüber dem Vorjahr jedoch weiter steigern: Das Transaktionsvolumen kletterte um 19 Prozent auf 117 Millionen Euro, woraus sich ein um 26 Prozent höherer Nettoumsatz von 15,3 Millionen Euro ergab. Das Nettoergebnis stieg deutlich von 1,48 auf 4,21 Millionen Euro. Am Ausblick für das Gesamtjahr hält das Management fest, so dass ein Gewinn von 5,5 Millionen Euro zu erwarten ist. Für weiteres Wachstum besteht genügend Spielraum. Derzeit werden in Deutschland nur rund 5,5 Prozent des gesamten Lottovolumens online abgewickelt. Der Markt wächst jedoch um über 20 Prozent jährlich. Zudem will Tipp24 in neue Geschäftsbereiche wie Online-Geschicklichkeitsspiele mit Geldeinsatz vorstoßen sowie ins Ausland expandieren.

Die Wette gilt

Von der bisherigen Rechtsprechung ist Tipp24 wenig betroffen, so dass sich für risikobereite Anleger ein Spielchen lohnen könnte – die Aktie ist mit einem 2007er-KGV von 11 in Anbetracht der Wachstumschancen günstig bewertet. Knapp die Hälfte der Marktkapitalisierung ist zudem mit Cash unterfüttert. Da charttechnisch noch keine Entwarnung gegeben werden kann, sollte die Position unbedingt mit einem Stopp bei 11,50 Euro versehen werden!

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 35/2006.

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