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Unschönes Jubiläum

Das ifo Institut hat heute die Wachstumsprognose für Deutschland 2005 von 0,7 auf 0,8 Prozent erhöht. Grund zur Freude ist dies jedoch nicht, denn nach Ansicht der Wirtschafts- experten wird Deutschland 2006 zum fünften Mal in Folge den Stabilitäts- und Wachstumspakt verletzten.

Das ifo Institut hat heute die Wachstumsprognose für Deutschland 2005 von 0,7 auf 0,8 Prozent erhöht. Grund zur Freude ist dies jedoch nicht, denn nach Ansicht der Wirtschaftsexperten wird Deutschland 2006 zum fünften Mal in Folge den Stabilitäts- und Wachstumspakt verletzten.

Von Stefan Eichner

Im vergangenen Jahr ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch um 1,6 Prozent gewachsen. Im Frühjahrsgutachten waren die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute - zu denen auch das ifo Institut gehört - von einer Wachstumsrate von 0,7 Prozent für 2005 und 1,5 Prozent für 2006 ausgegangen.

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn begründete die Revidierung der Prognose mit der sich abschwächenden globalen Wachstumsdynamik. Dabei stellte Sinn der Binnenwirtschaft ein Armutszeugnis aus: Die binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte würden "fast vollständig" fehlen, so der Wirtschaftsforscher.

Konsum und Produktion weiterhin schwach

Vor allem die Nachfrage nach privaten Investitionsgütern blieb schwach. Eigentlich hätte diese angesichts des stürmischen Aufschwungs der Weltwirtschaft im vergangenen Jahr stark steigen müssen - das Gegenteil war jedoch der Fall. Zudem sei das Produktionspotenzial in Deutschland mit aktuell einem Prozent nur halb so hoch wie im restlichen Euroraum.

Steigerung auf niedrigem Niveau

Obwohl Deutschland nach wie vor der weltwirtschaftlichen Entwicklung hinterherhinkt, bleibt Grund zur Hoffnung: Einerseits werde die Inflationsrate trotz des Ölpreisschubs im Durchschnitt des Prognosezeitraums unter der Zwei-Prozent-Marke bleiben, so die Experten. Darüber hinaus dürfte sich 2006 das Wachstumstempo parallel zur Besserung der Weltkonjunktur wieder leicht beschleunigen. Konkret rechnet das ifo-Institut mit einem BIP-Wachstum von 1,2 Prozent. Immerhin eine Steigerung, aber im Vergleich zum erwarteten Wachstum der Weltwirtschaft - im nächsten Jahr werden hier 4,4 Prozent erwartet - noch immer unter "ferner liefen".

"Instabiles" Deutschland

Nach Einschätzung des ifo Instituts wird Deutschland im nächsten Jahr zum fünften Mal in Folge den Stabilitäts- und Wachstumspakt verletzen. "Trotz des deutlichen Zuwachses der Einnahmen und des moderaten Ausgabenanstiegs ist auch 2006 die Einhaltung des Maastricht-Defizitkriteriums nicht gesichert", hieß es. Bestenfalls 3,1 Prozent wird die Defizitquote aller Voraussicht nach betragen. Der Stabilitätspakt sieht eine Obergrenze von drei Prozent vor.

 

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