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Univision - Y viva España!

Das US-amerikanische Medien-Unternehmen Univision setzt auf leichte TV-Kost. Das Programm spricht vor allem den spanischsprachigen Teil der Bevölkerung an.

Das US-amerikanische Medien-Unternehmen Univision setzt auf leichte TV-Kost. Das Programm spricht vor allem den spanischsprachigen Teil der Bevölkerung an.

Von Sascha Grundmann

Wenn man den Fernseher anschaltet und dort küsst gerade Juan seine Geliebte Mariana, die eigentlich mit Pedro liiert ist, der wiederum gerade mit Patricia anbandelt, dann kann es gut sein, dass man in einer Telenovela gelandet ist.

Dass sich eine kitschige Handlung im Fernsehen gut verkaufen lässt, ist nichts Neues. Diesen Trend haben auch deutsche TV-Sender längst erkannt. So sind Telenovelas wie "Julia - Wege zum Glück" (ZDF) und "Verliebt in Berlin" (Sat.1) hierzulande gerade groß in Mode.

Telenovelas sind wie Seifenopern Serien mit einem überschaubaren intellektuellen Anspruch, laufen aber im Gegensatz zu Soaps wie "Verbotene Liebe" (ARD) und "Unter uns" (RTL) nicht endlos, sondern nur über eine bestimmte Anzahl von Folgen. Das Sendeformat ist in Deutschland nicht neu, die ersten Telenovelas gab es bereits vor rund 15 Jahren in der ARD mit brasilianischen Produktionen wie "Die Sklavin Isaura".

Número Uno

In Südamerika sind Telenovelas seit jeher der Renner. Das hat sich auch der US-Medienkonzern Univision zunutze gemacht. Angesichts eines wachsenden spanisch sprechenden Bevölkerungsanteils, dessen Wurzeln in Mittel- und Südamerika liegen, hat Univision sein Programm auf Telenovelas ausgerichtet. Mit Erfolg: Univision ist mit einer Zuschauerzahl von durchschnittlich 1,4 Millionen mittlerweile der größte spanischsprachige Sender in den Staaten.

Insgesamt erreicht das Univision-Imperium nach Experteneinschätzung mit TV, Radio, Internet und mehreren Plattenfirmen 98 Prozent der spanischsprachigen Bevölkerung, also etwa 40 Millionen Menschen. Damit hat Univision 2004 einen Umsatz von rund 1,8 Milliarden Dollar erzielt.

Vor allem für 2006 erwarten die Analysten einen gewaltigen Umsatzschub. Immerhin überträgt Univision im Sommer die Spiele der Fußball-WM, ein Ereignis, an dem die hispanische Bevölkerung großes Interesse hat. Bereits jetzt lässt die WM bei Univision die Nachfrage nach Werbezeiten anspringen.

Kursplus mit Kitsch

Nach enttäuschenden Zahlen für das zweite Quartal fiel der Aktienkurs von Univision Anfang August deutlich. Grund dafür war vor allem ein Quartalsgewinn, der aufgrund der Abschreibung auf eine Beteiligung am Wettbewerber Entravision um fast 60 Prozent zurückgegangen war. Das derzeitige Kursniveau bietet Anlegern jedoch die Chance, langfristig auf das Univision-Programm zu setzen. Denn Kitsch und Fußball verkaufen sich immer.

Artikel aus DER AKTIONÄR (43/05).

 

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