LONGS DRUG STRS DL-,50
- DER AKTIONÄR

Übernahmeschlacht an Wall Street

Es vergeht an der Wall Street kaum ein Tag ohne eine neue Übernahmemeldung. Auf der Käuferseite stehen reihenweise Finanzinvestoren mit randvollen Kriegskassen. Die Akquisitionen treiben den Dow Jones auf immer neue Höhen. Selbst bis aufs Blut verfeindete Konkurrenten versuchen, sich gegenseitig zu übernehmen. DER AKTIONÄR nimmt drei potenzielle Übernahmeobjekte unter die Lupe.

Kaum eine Firma an der Wall Street ist mehr sicher vor einer Übernahme. Besonders kaufwütig sind derzeit Hedgefonds. DER AKTIONÄR stellt drei potenzielle Akquisitionskandidaten vor.

Es vergeht an der Wall Street kaum ein Tag ohne eine neue Übernahmemeldung. Auf der Käuferseite stehen reihenweise Finanzinvestoren mit randvollen Kriegskassen. Die Akquisitionen treiben den Dow Jones auf immer neue Höhen. Selbst bis aufs Blut verfeindete Konkurrenten versuchen, sich gegenseitig zu übernehmen. DER AKTIONÄR nimmt drei potenzielle Übernahmeobjekte unter die Lupe. Alle haben gemeinsam, dass in namhaften Medien wie dem Wall Street Journal in jüngster Zeit über bevorstehende Transaktionen spekuliert wurde. Zwar muss dabei keineswegs zwingend ein Deal in trockene Tücher kommen. Doch haben die Gesellschaften allesamt eine interessante Story zu bieten.

Neue Aufstellung

Die 1882 gegründete Mediengruppe Journal Communications verlegt eine Tageszeitung: das Milwaukee Journal Sentinel. Zu dem Imperium gehören ferner mehr als 75 regionale Zeitungen, zahllose Werbezeitschriften, Nischenpublikationen sowie zehn Fernsehstationen und 35 Hörfunksender in zwölf Bundesstaaten. Nicht zu vergessen die unzähligen Internetseiten wie MilwaukeeMarketplace. com. Darüber hinaus stellt der Konzern Druckerzeugnisse für Dritte her und bietet Direktmarketingdienstleistungen an. Die Börsenwaage zeigt 880 Millionen Dollar an. Dem steht ein Umsatz und operativer Gewinn im vergangenen Jahr von 672 Millionen beziehungsweise 107,8 Millionen Dollar gegenüber. Netto sprangen zuletzt 64,3 Millionen Dollar heraus. Zugegeben, das Geschäft mit Tageszeitungen und Druckerzeugnissen ist in Zeiten der Neuen Medien kein Zuckerschlecken. In den zurückliegenden Jahren litten sowohl Umsatz als auch Ertrag unter einer leichten Schwindsucht. Dennoch besteht kein Grund zur Sorge, dramatische Einbrüche sind keine in Sicht. Im Gegenteil: Vorstandschef Steven J. Smith verkaufte in den zurückliegenden Wochen Printprodukte an Wettbewerber. Er setzt den Schwerpunkt zunehmend auf digitale Medien und schnell wachsende Geschäftsfelder. Insofern ist davon auszugehen, dass er Akquisitionen mit viel Zukunftsfantasie vorbereitet. Im laufenden und nächsten Jahr sollte ein Gewinn je Aktie von 0,69 und 0,84 Dollar drin sein. Somit beträgt das 2008- er KGV 15. Die Mediengruppe könnte im Zuge der Branchenkonsolidierung selbst in das Visier eines Aufkäufers geraten. Besonders attraktiv für einen Investor wäre der freie Kapitalzufluss, der sich im vorigen Jahr auf üppige 75,6 Millionen Dollar summierte. Insofern könnte eine Heuschrecke den Kaufpreis in gut elf Jahren aus den Cashrückflüssen refinanzieren.

Gesunde Zahlen

Das kalifornische Unternehmen Longs Drug Stores betreibt mehr als 500 Drogeriemärkte an der US-Westküste und auf Hawaii. Zur Angebotspalette zählen Bluttests, beispielsweise die Messung von Blutzucker- oder Cholesterinwerten. Daneben setzt der Einzelhändler jede Menge Medikamente, Kosmetika, Nahrungsmittel und Fotodienstleistungen ab. Für das laufende Fiskaljahr, das im Januar 2008 endet, stellt Vorstandslenker Warren Bryant ein Ergebnis je Aktie von 2,46 bis 2,56 Dollar aus dem fortgeführten Geschäft in Aussicht. Gewiss ist das KGV mit 21 kein Kind von Traurigkeit. Jedoch könnte der Konzern prima zu einem Drogeriemarktgiganten wie Walgreen passen. Im Falle einer Integration ließen sich ohne Weiteres millionenschwere Synergien heben. Voriges Jahr setzte Longs Drug Stores gut fünf Milliarden US-Dollar um. Unterm Strich blieben 74,4 Millionen Dollar. Der Börsenwert beläuft sich auf zwei Milliarden Dollar.

Ob Kugelschreiber oder Schnellkochtöpfe, ob Parfüm oder Lampen – der Einzelhändler Fred’s offeriert mit 11.000 Artikeln eine breite Palette an Dingen des täglichen Bedarfs. Hauptsache, die Waren sind billig, so die Firmenphilosophie des Discounters. 1947 wurde das erste Geschäft eröffnet, mittlerweile erstreckt sich Fred’s Imperium auf mehr als 700 Filialen. In den zurückliegenden Jahren weitete Fred’s den Umsatz stetig aus. 2006 klingelten über 1,7 Milliarden Dollar in der Kasse, jedoch stagniert das Ergebnis nach Steuern seit Jahren in der Bandbreite zwischen 26 und 28 Millionen Dollar. Kein Wunder, dass gegenüber dem Höchstkurs Ende 2003 das Papier inzwischen 65 Prozent einbüßte, weil dem Profit der Schwung fehlt. Dank der massiven Kurskorrektur liegt das Warenhaus für einen Aufkäufer wie auf dem Präsentierteller. Die Marktkapitalisierung schrumpfte zuletzt auf nur noch 534 Millionen US-Dollar.

Dreimal ein Kauf

Alle drei Kandidaten sind angesichts des heißen Übernahmemarktes ein spekulativer Kauf. Die Risiken sind durchwegs überschaubar, denn es handelt sich um langjährig bewährte und profitable Geschäftskonzepte.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 27/2007.

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