Drillisch
von Werner Sperber - Redakteur

Übernahmekandidat Freenet soll selber kaufen

Seit vielen Monaten beschäftigt sich die Börse mit dem beliebten Thema Fusion zwischen Freenet und Drillisch. Die Aktienkurse der beiden Mobilfunk-Unternehmen profitieren davon. Nun sprechen mit der Sache vertraute Personen, jedoch ergeben die Aussagen wenig Sinn – außer man versteht sie als kleine Hilfe für Freenet.

"Wir wollen in Ruhe gelassen werden, das haben wir immer gesagt." So spricht Paschalis Choulidis und meint den Mobilfunk-Anbieter Drillisch, den er als Vorstandssprecher gemeinsam mit Vertriebsvorstand Vlasios Choulidis führt. Allerdings ist Paschalis Choulidis nicht so ruhebedürftig, wie er sich jetzt im Interview mit dem Nachrichtendienst Reuters gibt. Insider erklären ebenfalls im Gespräch mit Reuters, Drillisch wolle den Anteil am dreimal größeren Konkurrenten Freenet ausbauen. Einen Übernahmeversuch, wie vor vier Jahren mit dem damaligen Partner United Internet, oder auch nur eine Erhöhung des Anteils von derzeit (offiziell) 21,9 Prozent auf mehr als 24,9 Prozent, sei den Insidern zufolge allerdings nicht geplant. Was soll also die die ganze Aufregung?

Freenet soll kaufen

Den Insidern zufolge wollen die Brüder Choulidis, dass Freenet Drillisch kauft, allerdings dann den Choulidis' die Führung des neuen Konzerns überlässt. Der erfolgreiche Freenet-Vorstandsvorsitzende Christoph Vilanek möchte diesen Posten aber behalten. Bereits früher hat er erklärt: "Ich möchte selber den Taktstock in die Hand nehmen und bestimmen, wann ich Dinge tue, Punkt."  Ähnliches wird er wohl auch bei der Hauptversammlung am 9. Mai sagen, bei der Drillisch drei Gefolgsleute in den zwölfköpfigen Aufsichtsrat bringen möchte. Bei der jüngsten Hauptversammlung hatte Drillisch bereits die absolute Mehrheit, da nur wenige andere Aktionäre erschienen sind. Vorzeitiges Getöse dürfte den Choulidis' also schaden, weil sich dann vielleicht mehr Freenet-Anteilseigner auf den Weg machen.

Drillisch hat mehr Luft nach oben

Bei Freenet hat sich auch nach diesen Gerüchten nichts Grundsätzliches an der fundamentalen Lage geändert. Deshalb bleibt es beim Kursziel von 15 Euro und dem Stoppkurs bei 9,50 Euro. Drillisch hat den Widerstand bei neun Euro nachhaltig überwunden und ist günstiger bewertet als der Konkurrent. Das Kursziel lautet hier 11,90 Euro, bei einer Absicherung bei 7,20 Euro.

| Michael Schröder | 0 Kommentare

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