- DER AKTIONÄR

Übernahmefieber - der Nächste, bitte!

Firmenübernahmen sind wieder en vogue. Dabei lassen sich kräftige Kursgewinne erzielen. Welche Aktien könnten die nächsten Kandidaten sein? Potenzielle Übernahmeziele sind vor allem finanziell gesunde Firmen mit guten Wachstumsraten. Wer möchte auch schon ein kränkelndes Unternehmen kaufen?

Firmenübernahmen sind wieder en vogue. Dabei lassen sich kräftige Kursgewinne erzielen. Welche Aktien könnten die nächsten Kandidaten sein?

Von Alfred Maydorn

Nachdem schon im letzten Jahr eine verstärkte Aktivität bei Firmenübernahmen zu beobachten war, geht es 2005 so richtig rund. Allein am vorvergangenen Montag wurden in den USA Übernahmen im Gegenwert von 17 Milliarden Dollar angekündigt - viele davon im Technologiesektor. Auch der umtriebige Chef des Internetkonglomerats Interactive Corp, Barry Diller, hat wieder zugeschlagen: Für rund 1,8 Milliarden Dollar will er sich den Internetsuchdienst Ask Jeeves einverleiben. Das Angebot lag knapp 20 Prozent über dem aktuellen Kursniveau von Ask Jeeves. Einige Marktbeobachter erwarten jedoch, dass für die Aktionäre von Ask Jeeves sogar noch mehr drin ist. So könnte ein weiterer Bieter auftauchen und die Offerte von Diller toppen - hier kämen unter anderem die Medienkonzerne Disney und Viacom oder auch der weltweit führende Suchdienst Google in Frage.

Der Kampf um Retek

Es könnte also bei Ask Jeeves zu einem ähnlichen Übernahmekampf kommen, wie er in den letzten Wochen schon beim amerikanischen Softwareunternehmen Retek zu beobachten war. Hier hatten sich die deutsche SAP und Oracle aus den USA mehrfach gegenseitig überboten und den Kurs der Retek-Aktie damit um fast 100 Prozent in die Höhe getrieben. Den Auftakt des Bieterreigens machte SAP, die Ende Februar 8,50 Dollar für eine Retek-Aktie bezahlen wollten. Wenig später überbot Oracle die SAP-Offerte um 50 Cents. SAP zog nach und erhöhte auf elf Dollar als "letztes und bestes" Angebot. Da legte der clevere Oracle-Chef Larry Ellison einfach noch 0,25 Dollar drauf und gewann damit schließlich den Kampf um Retek. Für die Retek-Aktionäre hat sich die Sache jedenfalls gelohnt: Mit aktuell 11,20 Dollar notiert der Kurs fast 90 Prozent höher als vor der Übernahmeschlacht.

Die Jagd hat begonnen

Aber auch andere Aktien profitierten vom Gerangel um Retek. So rückten die Titel der Software-Unternehmen JDA Software und Retailix als potenzielle Übernahmeziele in den Fokus und legten teilweise kräftig im Kurs zu. Vor allem in den Bereichen Software und Internet hat die Jagd auf neue potenzielle Übernahmeziele begonnen. Kein Wunder bei möglichen Kurssteigerungen von fast 100 Prozent wie im Falle Retek. Aber wie findet man die "Opfer" der Zukunft?

Wer suchet, der findet

Potenzielle Übernahmeziele sind vor allem finanziell gesunde Firmen mit guten Wachstumsraten. Wer möchte auch schon ein kränkelndes Unternehmen kaufen? Dann suchen sich die Aufkäufer natürlich besonders gerne Firmen aus, mit denen sie ohnehin schon zusammenarbeiten, etwa Zulieferer. Natürlich bleiben selbst nach Anwendung dieser Kriterien noch immer hunderte potenzieller Kandidaten über. Es muss also spekuliert werden und es bedarf einer ordentlichen Portion Glück. Aber selbst wenn es nicht zu einer Übernahme kommt, hat man zumindest die Aktie eines guten Unternehmens im Depot.

E-Loan

 

ISIN US26861P1075
Kurs am 05.04.2005 2,06€
Empfehlungskurs 2,20€
Ziel 5,00 €
Stopp 1,70€
KGV 05e 33
Chance/Risiko 5/4

 

Wer sind die Nächsten?

Zwei Aktien von Firmen, die als Übernahmeziele in Betracht kommen, aber auch sonst viel Potenzial aufweisen, sind die von E-Loan und PortalPlayer. E-Loan ist ein Vermittler von Krediten über das Internet und PortalPlayer entwickelt und verkauft Festplatten-Technologie, die vor allem in digitalen Musik-Playern verwendet wird. Als mögliche Aufkäufer für E-Loan kämen etwa die Citigroup oder die Bank of America in Frage. Die beiden Banken könnten mit der Internet-Plattform von E-Loan ihre Vertriebskanäle auf einen Schlag deutlich erweitern. An PortalPlayer ist Gerüchten zufolge schon seit einiger Zeit Apple interessiert. PortalPlayer macht über 80 Prozent seiner Umsätze mit Apple und liefert mit der Festplatten-Technik praktisch das Herzstück zu Apples Kassenschlager iPod, dem meistverkauften digitalen Musikplayer.

Ideale Kombination

Sowohl E-Loan als auch PortalPlayer sind nicht nur potenzielle Übernahmekandidaten, sondern überzeugen auch mit strammen Wachstumsraten und günstigen Bewertungen. Die ideale Kombination für Anleger und Aufkäufer.

Auf zum fröhlichen Jagen

Portal Player

 

ISIN US7361872044
Kurs am 05.04.2005 17,99€
Empfehlungskurs 17,82€
Ziel 38,00 €
Stopp 12,80€
KGV 05e 24
Chance/Risiko 5/3

 

Dieser Artikel ist in Ausgabe #14/05 von DER AKTIONÄR erschienen.

 

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