Twitter
- Martin Weiß - stellv. Chefredakteur

Twitter: Startsignal zur Trendwende?

Der 140-Zeichen-Dienst steigerte die Nutzerbasis im ersten Quartal überraschend stark um neun Millionen – doch die Kritik am Unternehmen will einfach nicht abreißen. Was denn nun, ist Twitter ein Kauf, oder droht der endgültige Absturz?

Überzeugende Vorstellung - zumindest teilweise

Aus Sicht des AKTIONÄR bot das am Mittwoch vorgelegte Zahlenwerk (die Q1-Ergebnisse finden Sie hier) mehr Licht als Schatten. Der Kursanstieg am Tag nach der Veröffentlichung um in der Spitze 15 Prozent belegt, dass die Anleger CEO Dorsey eine weitere Chance geben (wollen).

Doch die Anleger sind auch nervös. Verschiedene, kritische Artikel zu den gesunkenen Werbeeinnahmen (trotz Nutzerwachstum), der rückläufige Umsatz und Aussagen des Managements zur schwachen Monetarisierung der Plattform auch im zweiten Quartal, drückten den Kurs wieder nach unten.

Ungeachtet der diversen Baustellen, bot Twitter mit den Q1-Zahlen dennoch etwas, was Anleger lange vermisst hatten: signifikantes Nutzerwachstum. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer (MAU) stieg auf 328 Millionen, jene der täglich aktiven Nutzer (DAU) sogar um 14 Prozent.

Der Wert für die hinzugewonnenen Kunden übertraf mit neun Millionen die Erwartung der Analysten um das fast Vierfache!

Soziale Netzwerke (es lässt sich trefflich darüber streiten, ob Twitter überhaupt dazu zählt) leben von ihrer Popularität, insofern hat Twitter geliefert und es all jenen gezeigt, die schon das Totenglöckchen in der Hand hielten.

Offenbar hat Dorseys Strategie, mehr junge Leute mit Live-Events auf die Plattform zu locken, funktioniert. Im ersten Quartal schauten sich 45 Millionen Nutzer den Content von Bloomberg und Cheddar an. 50 Prozent der Live-Streaming-Nutzer seien dabei unter 25 Jahre, sagte CFO Noto. Wie er BuzzFeed verriet, spielt das Management mit dem Gedanken, Live-Videos 24 Stunden am Tag laufen zu lassen, 365 Tage im Jahr.

Die Aussage ist deshalb spannend, weil der Live-Content mittlerweile der größte Umsatzbringer bei den Werbeieinnahmen darstellt.

Nach Einschätzung des AKTIONÄR hat Dorsey alle Zutaten beisammen, um den angeschossenen Kahn wieder flott zu machen. An der Börse scheint ebenfalls die Hoffnung auf eine Trendwende zu überwiegen. Die Aktie stieg seit der Veröffentlichung der Q1-Zahlen von 15 Dollar auf 17,50 Dollar.

Fazit: Twitter ist wieder da (zumindest etwas). Anleger, die über gute Nerven und einen starken Magen verfügen, können eine Position eingehen. Als Stopp bietet sich die Marke von 15 Dollar an.

 

 


 

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