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- DER AKTIONÄR

Turbulenzen

Es tut sich zurzeit einiges in der Airline-Branche. So wurde jüngst die Liberalisierung des Luftverkehrs beschlossen: Die Verkehrsminister der 27 EU-Staaten stimmten in Brüssel einem Luftfahrtabkommen mit den USA zu, das Fluggesellschaften die freie Flughafen-Wahl in Europa und den Staaten erlaubt. Experten rechnen nun mit einer zunehmenden Konsolidierung und einer Verschärfung der Konkurrenzsituation in diesem Markt.

Die Liberalisierung im Luftverkehr sorgt in der Branche für Bewegung – aber auch für Chancen am Aktienmarkt.

Es tut sich zurzeit einiges in der Airline-Branche. So wurde jüngst die Liberalisierung des Luftverkehrs beschlossen: Die Verkehrsminister der 27 EU-Staaten stimmten in Brüssel einem Luftfahrtabkommen mit den USA zu, das Fluggesellschaften die freie Flughafen-Wahl in Europa und den Staaten erlaubt. Experten rechnen nun mit einer zunehmenden Konsolidierung und einer Verschärfung der Konkurrenzsituation in diesem Markt. Prompt gab Air Berlin die Übernahme des Ferienfliegers LTU bekannt.

Der Wunsch der Kunden

Indem die hinter der Lufthansa zweitgrößte deutsche Fluglinie die LTU für 140 Millionen Euro kauft, reagiert sie nach eigenen Angaben auf die Wünsche des Marktes. „Viele unserer Kunden, die vor allem unseren Service schätzen, fordern schon seit Jahren, dass wir auch Langstrecken anbieten. Das können wir jetzt tun, weil wir mit unseren europäischen und unseren innerdeutschen Verbindungen über das erforderliche Zubringer- Netz verfügen“, sagte Air- Berlin-Chef Joachim Hunold im Zuge der Bekanntgabe der Übernahme.

Auch Iberia ist vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklung in die Schlagzeilen geraten. Allerdings nicht als Käufer, sondern als mögliches Übernahmeopfer: Um die angeschlagene spanische Airline (siehe DER AKTIONÄR 15/07) buhlen derzeit mehrere Parteien, darunter die US-amerikanische Private- Equity-Gesellschaft Texas Pacific Group (TPG) und die British Airways, die mit zehn Prozent der Anteile bereits Iberia- Großaktionär ist. Doch auch die deutsche Nummer 1, die Lufthansa, können sich viele Marktbeobachter als Interessenten vorstellen. Das jüngste Angebot von TGP für Iberia beläuft sich auf insgesamt 3,4 Milliarden Euro – das entspricht 3,60 Euro pro Iberia-Aktie – und liegt damit noch recht deutlich unter dem aktuellen Kurs von rund vier Euro. Da TPG als amerikanischer Investor nur 49 Prozent der Anteile übernehmen dürfte, ohne dass der Status der Iberia als spanische Fluglinie gefährdet wäre, sucht die Gesellschaft derzeit nach einem spanischen Partner, mit dem gemeinsam auch eine Mehrheitsübernahme möglich ist. Dabei ist Iberia nicht das einzige Unternehmen im Visier von TPG; die Firma soll derzeit auch an der australischen Qantas und an der italienischen Alitalia interessiert sein.

Reizvoller Kauf

Dass traditionelle Fluggesellschaften wie Iberia überhaupt zum Übernahmeziel werden, könnte dank der Liberalisierung künftig des Öfteren vorkommen. Denn die Konkurrenz durch Billigairlines wie Ryanair und Easyjet macht Iberia jetzt schon zu schaffen. Die Tiefpreisflieger drücken mit einer aggressiven Preispolitik auf die Gewinne der Alteingesessenen. Und expandieren immer weiter. Das ist in Europa nicht anders als in Südamerika: Gol, eine brasilianische Billigairline, hat in der vorvergangenen Woche Interesse am heimischen Wettbewerber Varig bekundet. Der Kaufpreis soll bei 320 Millionen Dollar liegen. Was für Gol der reizvollste Aspekt an Varig sein dürfte, sind die Lizenzen für Flüge in die USA und nach Europa. Damit könnte Gol sein Angebot an internationalen Strecken erweitern. Da diese Flüge weiterhin unter dem Markennamen „Varig“ angeboten werden sollen, will Gol die Größe der Varig- Flugzeugflotte nun verdoppeln.

Für jeden etwas

Die Konsolidierung in der Airline- Branche ist in vollem Gange. Anleger können davon in mehrerlei Hinsicht profitieren. So könnte ein Bieterkampf um Iberia – auch wenn einige Analysten eine solche „Schlacht“ für unwahrscheinlich halten – den Aktienkurs in die Höhe schrauben. Wer eine solche kurzfristige Spekulation nicht eingehen, sondern eher langfristig investieren will, dem bietet sich ein Engagement in Air Berlin an. Deren strategische Maßnahmen wie die Übernahme der LTU dürften sich auf lange Sicht auszahlen. Ähnliches gilt für die südamerikanische Gol und ihre Expansionsstrategie. Vor dem Hintergrund des etwas spekulativeren brasilianischen Marktes ist diese Aktie aber eher etwas für risikobereite Investoren.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 16/2007.

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