Autobytel
- DER AKTIONÄR

Trio Infernale

Fulminante Erfolgsstories wie die von Google, deren Kurs sich in den letz-ten 24 Monaten auf 480 Dollar mehr als vervierfacht hat, täuschen darüber hinweg, dass man mit Internetaktien in der gleichen Zeit auch viel Geld verlieren konnte. Anleger, die ihr Erspartes beispielsweise in Autobytel, Looksmart und Redenvelope gesteckt haben, verloren im Schnitt 50 Prozent des Kapitals.

Autobytel, Looksmart und Redenvelope wurden lange Zeit von den Investoren gemieden. Jetzt geben die Internetaktien Gas. Kein Wunder, gelten doch alle drei als heiße Kandidaten auf einen Turnaround.

Fulminante Erfolgsstories wie die von Google, deren Kurs sich in den letz-ten 24 Monaten auf 480 Dollar mehr als vervierfacht hat, täuschen darüber hinweg, dass man mit Internetaktien in der gleichen Zeit auch viel Geld verlieren konnte. Anleger, die ihr Erspartes beispielsweise in Autobytel, Looksmart und Redenvelope gesteckt haben, verloren im Schnitt 50 Prozent des Kapitals. Was deren Papiere aber nun so spannend macht, ist die Chance auf den Turnaround und damit auf hohe Gewinne.

Autobytel und Looksmart

Das Management des Autovermittlers Autobytel hat, um es einfach auszudrücken, auf das falsche Pferd gesetzt. Die Firma, zu der populäre US-Internetseiten wie cars.com gehören, erzielt Umsätze durch das Zusammenführen von Kaufinteressenten und Händlern. Eigentlich keine schlechte Idee. Autobytel hat in den vergangenen Jahren ein halbes Dutzend Internetseiten hinzugekauft, um seine Kundenbasis zu vergrößern. Auch keine schlechte Idee, denn mehr Nutzer führen – so zumindest der Gedanke – zu mehr Vermittlungen und damit zu höheren Umsätzen. In der Realität erwies sich diese Konstruktion als Flop und Autobytel musste sich die Kundendaten von Drittanbietern hinzukaufen. Gerüchten zufolge sollen diese Zukäufe bis zu 80 Prozent der gesamten Vermittlungen ausgemacht haben. Jetzt aber könnte sich der Wind drehen. Autobytel hat das Managementteam ausgewechselt und verfügt mit Jim Riesenbach, früher AOL, über einen Vorstandschef, der große Erfahrung im Online-Geschäft, mitbringt. Neben Riesenbach verpflichtet die Firma zudem zwei weitere ehemalige AOL-Manager. Gemeinsam wollen sie Autobytel zur führenden Automotive-Seite im Internet umbauen, über die nach wie vor Kunden und Händler zusammengeführt werden, die den Geschäftskunden aber gleichzeitig umfassende Marketingmöglichkeiten bietet. Auch wenn es noch einige Quartale dauern dürfte, bis sich der Firmenumbau positiv in der Bilanz niederschlägt, hat sich der Einkauf von Riesenbach schon ausgezahlt: Am 9. November meldete Autobytel eine exklusive Kooperation mit AOL.

Die Online-Werbung boomt und insbesondere mit Pay-per-Click und bezahlten Links verdienen sich Anbieter wie Google eine goldene Nase. Pech nur, wenn man vor zwei Jahren statt auf den Marktführer auf den Nischenplayer Looksmart gesetzt hat. Dabei war es letztgenannte Firma, die Mitte 2003 als erste die Milliarden-Marke bei Pay-per-Clicks hinter sich ließ. Im Oktober 2003 kündigte Microsofts Internetsparte MSN den Kooperationsvertrag mit Looksmart – der Konzern arbeitete bis dato mit der Werbe-Technologie von Looksmart und steuerte so zwei Drittel zum Gesamtumsatz bei – und gab damit den Startschuss für den Sell-off der Aktien. Wie verheerend sich der Wegfall von MSN als Hauptkunde auswirkte, zeigt folgender Vergleich: Betrugen die Umsätze 2003 noch 156 Millionen Dollar, so waren es (ohne MSN) 2004 nur noch 77 und 2005 sogar nur noch 41 Millionen Dollar. Allerdings geben die jüngsten Geschäftszahlen Anlass zur Hoffnung: Die Quartalserlöse im dritten Quartal legten um sequenziell neun Prozent auf 12,2 Millionen Dollar zu, gleichzeitig ging der Fehlbetrag auf 3,9 Millionen Dollar zurück. Das Unternehmen erwirtschaftet seine Erlöse mittlerweile in drei Sparten: 1) Online-Werbung, 2) Technologie und 3) Content. Und alle Sparten zeigen Stärke. Aus diesem Grund hat Firmenchef David Hills die Prognosen für das Gesamtjahr kräftig erhöht. Er rechnet nun für das vierte Quartal mit einem sequenziellen Umsatzanstieg von 26 bis 28 Prozent und einem positiven Vorsteuerergebnis.

Redenvelope - falsche Zielgruppe

Sich im Umfeld von Amazon als Online-Retailer zu behaupten, ist schon eine Herausforderung an sich. Richtig anstrengend wird die Sache, wenn man es allen recht machen will und darüber die eigentlichen Ziele aus den Augen verliert. So geschehen bei Redenvelope. Die Geschenk-Boutique ist dabei an und für sich ganz pfiffig: Geschenke muss schließlich jeder einmal kaufen und der Versand über das Internet ist heutzutage kein Problem mehr. Da Redenvelope nicht einfach nur Großhandelsware an die Kunden vermittelt, sondern eine ganze Reihe von Möglichkeiten bietet, wie der Kunde den Geschenken einen persönlichen Touch verleihen kann, beispielsweise durch Gravuren, verfügt das Unternehmen über einen Wettbewerbsvorteil. Dennoch produziert die Firma seit Jahren hohe Verluste – trotz steigender Umsätze. Redenvelopes Chef Ken Constable will den „Fehler im System“ aber gefunden haben: „Wir wollten es allen Kunden recht machen“. Eine zu große Auswahl für eine zu große Zielgruppe hätte schließlich die Kosten in die Höhe getrieben. Constable will sich vor allem auf seine weibliche Kundschaft konzentrieren und dadurch die Kosten senken. „Wir sind zuversichtlich, mit diesem engen Fokus eine bessere Produktstrategie umsetzen zu können.“ Im aktuellen Weihnachtsquartal wird sich zeigen, ob die Maßnahmen den gewünschten Erfolg bringen.

Drei potenzielle Verdoppler

Autobytel, Looksmart und Redenvelope haben den Grundstein für den Turnaround gelegt. Gelingt die Trendwende, dann hat jede Aktie auf Sicht von 12 bis 18 Monaten das Zeug zum Kursverdoppler.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 48/2006.

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