Linde
- DER AKTIONÄR

Traumhochzeit

Jetzt ist es amtlich: Nach der Zustimmung der BOC-Hauptversammlung übernimmt Linde die britische BOC-Group und steigt zur Nummer 1 auf dem Weltmarkt für Industriegase auf. Dabei bringt der Titel des frischgebackenen Branchenprimus nicht nur Prestige mit sich, ergänzen sich doch Linde und BOC hervorragend. Darüber hinaus winken dem Konzern Sondereinnahmen aus dem Verkauf von nicht zum Kerngeschäftsfeld gehörenden Unternehmensteilen.

Der Wandel vom Mischkonzern zu einem Spezialisten für Industriegase hat der Linde-Aktie in den vergangenen drei Jahren ein Kursplus von über 90 Prozent beschert. Die Aktie hat aber noch immer Potenzial.

Jetzt ist es amtlich: Nach der Zustimmung der BOC-Hauptversammlung übernimmt Linde die britische BOC-Group und steigt zur Nummer 1 auf dem Weltmarkt für Industriegase auf. Dabei bringt der Titel des frischgebackenen Branchenprimus nicht nur Prestige mit sich, ergänzen sich doch Linde und BOC hervorragend.

BOC-Coup

Zwar ließ sich der Wiesbadener Konzern die „Hochzeit“ mit BOC einiges kosten – inklusive Schuldenübernahme 15 Milliarden Euro –, doch bewerten Analysten den Deal als geschickten Schachzug von Linde-Chef Wolfgang Reitzle. So ergänzen sich die Geschäftsfelder der beiden Konzerne hervorragend: Während Linde in den Regionen Kontinental- und Mittelosteuropa breit aufgestellt ist, baute sich BOC insbesondere auf dem asiatischen Markt eine starke Position. Darüber hinaus erweitert Linde sein Produktportfolio durch den Merger äußerst sinnvoll. BOC bringt Elektronikgase in den Konzern mit ein, Linde steuert Industriegase sowie die Anlagen zu deren Herstellung bei. Mit der Strategie, sich auf das hochmargige Gasgeschäft zu konzentrieren, scheint Konzernlenker Reitzle goldrichtig zu liegen: Da die wichtigen Kunden der Öl-, Stahl- und Chemiebranche wohl auch weiterhin Hochkonjunktur haben, kann sich Linde auf eine anhaltend hohe Nachfrage freuen. Zwar werden die Kosten der Akquisition das Nettoergebnis 2007 – laut Schätzungen der HypoVereinsbank rund 556 Millionen Euro – noch erheblich belasten. Doch bereits ab 2008 soll sich die Akquisition positiv auf das Ergebnis auswirken und spätestens 2009 ihre volle Wirkung entfalten. Dann nämlich will Linde jährliche Synergien in Höhe von 250 Millionen Euro realisieren. Darüber hinaus winken dem Konzern Sondereinnahmen aus dem Verkauf von nicht zum Kerngeschäftsfeld gehörenden Unternehmensteilen.

Aufs Wesentliche konzentriert

In diesem Zusammenhang gilt die Anlagensparte von BOC Edwards als heißer Verkaufskandidat, der rund eine Milliarde Euro einbringen würde. Daneben suchen die Wiesbadener weiterhin nach einer Lösung für die Gabelstaplersparte, die im Falle eines Verkaufs oder Börsenganges etwa 3,2 Milliarden Euro in die Linde-Kasse spülen dürfte.

Langfristig attraktiv

Linde hat seine Hausaufgaben gemacht. Mit der Ausrichtung auf das profitable Geschäft mit Industriegasen baute Reitzle einen weniger konjunkturanfälligen Global Player auf, der weiterhin stattliche Gewinne erzielen wird. Bei einem geschätzten 2007er-KGV von 15 ist die Aktie attraktiv bewertet. Insbesondere langfristig orientierte Anleger sollten sich ein paar Linde-Aktien ins Depot legen.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 35/2006.

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