MAN
- DER AKTIONÄR

Trau dich!

Mit einer Firmenhistorie, die bis ins Jahr 1758 zurückreicht, zählt die MAN AG zu den traditionsreichsten Konzernen Deutschlands. Auf ihre alten Tage wollen sich die Münchener nun verheiraten. Wunschpartner ist die schwedische Scania, die sich allerdings (noch) ziert. Derweil fragen sich die Börsianer: Was bringt der Coup für MAN?

In der „Brummi“-Branche geht es derzeit hoch her. Jüngster Paukenschlag: MAN will sich mit Scania verbünden. Noch lehnen die Schweden ab.

Mit einer Firmenhistorie, die bis ins Jahr 1758 zurückreicht, zählt die MAN AG zu den traditionsreichsten Konzernen Deutschlands. Auf ihre alten Tage wollen sich die Münchener nun verheiraten. Wunschpartner ist die schwedische Scania, die sich allerdings (noch) ziert. Derweil fragen sich die Börsianer: Was bringt der Coup für MAN?

Neue Traumehe?

„Eine ganze Menge positiver Effekte“, meint Gregor Claussen, Analyst bei der SEB-Bank. „Es würde bestimmt eine sehr gute Ehe sein, in der die Zeichen klar auf Wachstum stünden.“ Zum Beispiel könnte MAN dank Scania laut dem Experten sein Asiengeschäft stark verbessern. „Allein werden es die Münchener hier langfristig nämlich nicht leicht haben“, so Claussen. „Außerdem würde MAN seinen Marktanteil in Westeuropa deutlich ausbauen. Mit fast 30 Prozent wäre man hier neuer Marktführer.“ Claussen verweist auch auf das enorme Sparpotenzial, das eine Fusion brächte. „Bereits in den ersten drei Jahren könnten die beiden Unternehmen 500 Millionen Euro sparen. Danach dürfte es noch deutlich mehr werden.“ Ein Kinderspiel wird die Fusion für MAN aber nicht. Scania wehrt sich vehement und will – Gerüchten zufolge – eine Gegenofferte für die Münchener abgeben. Für MAN gilt es jetzt, die beiden Scania-Großaktionäre – die Familie Wallenberg und Volkswagen – von den Vorzügen eines Zusammenschlusses zu überzeugen. VW scheint zur Zustimmung bereit zu sein, wenn die Wolfsburger wesentlichen Einfluss auf das neue Unternehmen bekommen. Das Okay der Wallenbergs dürfte wohl nur eine Frage des Preises sein. Derzeit bietet MAN rund 9,6 Milliarden Euro für Scania. „Die Schmerzgrenze für MAN liegt wohl bei elf Milliarden Euro“, sagt Gregor Claussen. „Ich denke aber, dass sich die Parteien auf eine Summe einigen werden, die nur wenig über dem aktuellen Angebot liegt.“

Das Werben von MAN um Scania ist nicht das Einzige, was die Nutzfahrzeugbranche bewegt. Nach glänzenden Verkaufszahlen in den letzten Jahren droht im nächsten Jahr Ungemach. „Im stark zyklischen Lkw-Geschäft muss spätestens ab 2007 mit einer abflauenden Konjunktur gerechnet werden“, meint Wolfgang Krenz, Nutzfahrzeugexperte bei der Unternehmensberatung Mercer Management. Langfristig sieht es allerdings gut aus für die Branche. Laut einer Studie von PricewaterhouseCoopers liegt dies vor allem am hohen Wirtschaftswachstum in Schwellenländern wie China und Indien. Logische Konsequenz: Die Nachfrage nach Transportkapazitäten steigt hier enorm.

Branche vor Übernahmewelle?

Experten zufolge wird die MAN/Scania-Fusion – sollte sie zustande kommen – nicht der letzte Zusammenschluss in der Branche sein. Als Übernahmekandidat gilt etwa Navistar. Die US-Gesellschaft ist mit 5,9 Prozent der weltweit sechstgrößte Hersteller von mittleren und schweren Lkws. Über eine Kooperation mit MAN ist Navistar der Eintritt in den wichtigen indischen Markt gelungen. Branchenkenner halten es für nicht unwahrscheinlich, dass sich der neue MAN/Scania-Konzern Navistar einverleibt. Im wichtigen US-Markt haben sowohl die Deutschen als auch die Schweden eine Menge nachzuholen.

Ein besonderes Augenmerk haben die Börsianer derzeit auch auf Volvo. Der Hedgefonds Cevian Capital hat vor kurzem fünf Prozent der Stimmrechte des schwedischen Lkw-Herstellers erworben und drängt nun auf „einschneidende Maßnahmen“. Nach Meinung des Private-Equity-Investors Christer Gardell, dem Cevian Capital gehört, ist Volvo aktuell deutlich unterbewertet. Zudem fordert Gardell höhere Ausschüttungen an die Aktionäre. Immerhin sitzt der Konzern auf 2,2 Milliarden Euro Cash.

MAN Favorit

Für MAN brächte die Fusion mit Scania jede Menge Vorteile. Sollte der Coup wider Erwarten nicht klappen, dürfte der DAXKonzern selbst wieder zum Übernahmeziel werden. Die MAN-Aktie ist nicht teuer und bleibt ein Kauf. Wer indes bei Scania auf eine deutlich höhere Abfindung setzt, könnte enttäuscht werden. Volvo und Navistar bieten interessante Stories. Anleger sollten mit einem Engagement aber warten, bis die beiden Aktien etwas zurückgekommen sind.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 40/2006.

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