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Trading-Coach Rüdiger Born: Charttechniker mit Leib und Seele

Rüdiger Born ist professioneller Vermögensverwalter und Charttechniker durch und durch. Als Tradingcoach bei nextmarkets.com teilt er seine langjährige Börsenerfahrung mit den Anlegern. Im Interview mit dem AKTIONÄR gibt er Einblick in seien persönlichen Trading-Stil.

◼ DER AKTIONÄR: Herr Born, wie sind Sie zum Trading gekommen?

Rüdiger Born: Bereits gegen Ende meiner Schulzeit fiel mir ein Buch über Geld in die Hände, in dem ein Kapitel dem Thema Aktien gewidmet war. Das hat mich total begeistert und meine ersten Gehversuche folgten auf dem Fuß – und das sogar im Wortsinn, denn damals musste ich noch zur Bank laufen, um meine Orders abzugeben. Immer in der Hoffnung, dass sie tagesgleich ausgeführt wurden. Anfang 1993 bekam ich dann Internetzugang und die Welt des Intraday-Tradings tat sich mir auf, was ich auch umfangreich genutzt habe.

Was war bisher Ihr bester Trade?

Oje, so richtig kann ich das gar nicht sagen. Denn seit 15 Jahren fasse ich Trading nicht mehr als Ausführung einzelner Positionen, sondern als Umsetzung eines Handelsansatzes auf. Entsprechend zählen einzelne Trades nichts, zumal ich deren Ausgang sowieso mehr oder weniger für Zufall halte. Die Leis­tung liegt eher in der konsequenten Umsetzung des Trading-Ansatzes, immer und immer wieder.

Was zeichnet einen Swing-Trader aus?

Zunächst müsste man „Swing-Trader“ erst einmal definieren. Viele gehen davon aus, dass ein Swing-Trader eine Position zwangsweise für mehrere Tage halten muss, doch das sehe ich anders. Es geht darum, einen Bewegungsarm mitzunehmen. Ob der nun einige Stunden oder einige Wochen anhält, ist dabei eigentlich egal. Doch zumindest eins muss ein Swing-Trader mitbringen: die Disziplin, den Trade auch so lange laufen zu lassen, bis die Idee durch ist – im Guten wie im Schlechten.

Wie bewerten Sie das vergangene Jahr aus Trader-Sicht?

Für Trader hatte das vergangene Jahr eine Menge zu bieten. Es gab Bewegung und stabile Verläufe, aber auch immer wieder Überraschungen. Entscheidend ist dabei natürlich der angewendete Handelsansatz. Das Jahr 2015 war natürlich nicht für alle Ansätze gleich gut, aber das ist ja immer so. Umso schöner natürlich, wenn man mit mehreren unabhängigen Handelsideen an den Markt treten kann. Wenn dann ein Ansatz zeitweise nicht gut läuft, freut man sich hoffentlich über den anderen umso mehr.

Wie schätzen Sie die Entwicklung der Märkte 2016 ein?

Der rasante Start lässt zumindest einmal tief blicken. Charttechnisch läuft es wunderbar, was aber nicht heißen soll, dass das Traden immer einfach ist. Jedoch ist schon auffällig, dass sich die Marktteilnehmer selbst in diesen heftigen Bewegungen an den charttechnischen Marken orientiert haben, um mit Testkäufen einmal zu prüfen, ob die Luft rein ist. Was das angeht, war der Verlauf in Teilen durchaus vorhersehbar. Entsprechend rechne ich damit, dass das Jahr 2016 nun viele spannende Trading-Situationen hervorbringen wird. Allerdings kann ich mir auch vorstellen, dass die Märkte in diesem Jahr ganz schön zu kämpfen haben werden.

Welches ist Ihr Fachgebiet beim Trading?

Mein Fachgebiet ist das Produzieren von Gewinnen! Nein, im Ernst: Als Charttechniker liegt mein Fokus seit rund 15 Jahren auf den Elliott-Wellen oder allgemein gesprochen der Trendanalyse, den Fibonaccis, einigen selbst entwickelten Indikatoren, die ich mit einstreue, und der Candlestick-Analyse. Damit bin ich eigentlich immer gut gefahren, jedenfalls im Schnitt.

Auf welchen Regionen und Basiswerten liegt Ihr Schwerpunkt?

Da bin ich eigentlich ganz offen, sofern die entsprechenden Titel eine hohe Liquidität und eine breite Marktteilnehmerschaft haben, denn andernfalls ist Charttechnik unsinnig. Typischerweise ist das natürlich bei den wichtigsten US-Aktien, aber auch bei Währungen der Fall. Da ich mich aktuell mehrheitlich in Japan aufhalte, handle ich gerne auch die japanischen Aktien aus dem Nikkei, die zudem ein tolles Bewegungsverhalten an den Markt legen. Die Indizes aus den USA, Europa und Japan sind natürlich auch an der Tagesordnung, dazu noch einige Commodities – je nach Marktlage.

Orientieren Sie sich bei der Auswahl ihrer Empfehlungen an Fundamentaldaten oder am Chart?

Natürlich hört man mit, welche fundamentalen Argumente für diesen oder jenen Markt kursieren, doch die blende ich für meine Trading-Entscheidungen komplett aus. Ich bin Charttechniker und versuche aus dem Chartbild die Stimmung der Marktteilnehmer herauszulesen. Was nützen gute Zahlen, wenn die potenziellen Käufer ängstlich sind? Tatsächlich kann man an am Chart eine Menge herauslesen, wenn man die Spuren deuten kann.

Auf wie viele Empfehlungen können sich Ihre Follower im Schnitt einstellen? Und wie lange bleiben die Empfehlungen dann durchschnittlich im Depot?

Ich richte mich dabei nach dem Markt. Hat er Flaute, schaue ich zu. Gibt es viele Signale, dann aber ran. Ähnliches gilt für die Haltedauer. Pi mal Daumen kann man aber sagen, dass ich versuche, zehn bis vielleicht sogar 20 Ideen pro Woche zu bringen. Die Dauer ist oft auf mehrere Tage ausgerichtet, sodass man auch Zeit hat, das Ganze in Ruhe mitzuverfolgen. Manchmal kann es aber auch schneller gehen.

Wozu würden Sie Ihrem Kind raten? Zu einem BWL-Studium oder einer Ausbildung zum Trader?

Warum oder? Das ist natürlich eine Typ-Frage. Das BWL-Studium taugt nur etwas, wenn man ökonomisch denken und die Zusammenhänge besser verstehen möchte. Ich hatte in meinem Studium auch börsenrelevante Themen, die für mein Trading aber überhaupt nichts gebracht haben. Wer Trader werden will, braucht nicht notwendigerweise ein Studium. Wenn, ist höchs­tens Statistik ein Thema. Aber auch dafür braucht man kein Mathestudium, denn die vergleichsweise einfache Statistik aus der BWL tut es auch.

Welchen Tipp würden Sie jedem Anleger mit auf den Weg geben?

Natürlich die typischen, die man überall lesen kann. Disziplin und so weiter. Aber aus meiner Sicht kommt noch etwas dazu, was vielfach unterschätzt wird: Der Handelsansatz sollte – nein muss – dem eigenen Trading-Typ angepasst sein. Das ist gar nicht so schwer, aber das Bewusstsein dafür fehlt den meisten. Auch gute Handelsansätze scheitern, weil sie nicht konsequent umgesetzt werden können, wenn man immer gegen sich selbst kämpft. Dann wird Trading zur Qual – sowohl vom Spaßfaktor her als auch finanziell.

Herr Born, vielen Dank für das Interview!

 

Hinweis auf potenzielle Interessenkonflikte: An der nextmarkets GmbH ist die börsennotierte FinLab AG (WKN 121806 / ISIN DE0001218063 / Tickersymbol: A7A) beteiligt. An der FinLab wiederum ist der Herausgeber von DER AKTIONÄR mittelbar wesentlich beteiligt.

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