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- Nikolas Kessler - Volontär

Tradingcoach Bernd Raschkowski: Immer einen Schritt voraus

"Die Börse ist ein großes Haifischbecken", sagt Bernd Raschkowski, selbstständiger Wertpapierhändler und Tradingcoach auf der Plattform nextmarkets.com. Doch mit der richtigen Strategie können sich auch kleine Anleger darin behaupten. Worauf es dabei ankommt und wie Anleger ihr Verlustrisiko begrenzen können, verrät der Börsenprofi im Interview mit dem AKTIONÄR.

DER AKTIONÄR: Herr Raschkowski, wie sind Sie zum Trading gekommen?

Bernd Raschkowski: Wenn ich das noch wüsste! Mich haben die Börsen mit ihrer schonungslosen Effizienz schon seit jeher fasziniert. Es gibt kaum einen Ort, an dem gute Denkansätze so schnell belohnt werden. Obwohl die Börse ein großes Haifischbecken ist, kann man den Investmentbanken und Großinvestoren mit der richtigen Vorgehensweise immer noch einen Schritt voraus sein. Aber natürlich gilt dies auch umgekehrt: Mit dem falschen Denkansatz wirst du gnadenlos kaltgemacht. Die freien Märkte zeigen dir schnell, wie falsch du liegen kannst.

Welcher war Ihr bislang bester Trade?

Vor vielen Jahren hatte ich mit einem klassischen Optionsschein auf Nokia mehrere Tausend Prozent in wenigen Monaten gemacht. Anmerkung für alle jungen Leser: Nokia war mal so etwas wie Apple heutzutage. Aber ich bin kein Freund davon, einzelne Erfolge herauszustellen. Vielmehr kommt es bei einem Trader auf die Vielzahl von kleinen Erfolgen an. Nur eine stetige Performance ist zielführend.

Wie bewerten Sie das vergangene Jahr aus Trader-Sicht?

Das Jahr 2015 war nicht ganz leicht. Die Kurse wurden durch die Notenbanken und politische Aspekte stark beeinflusst. Als Trader konnte man jedoch jede Menge Bewegungen mitnehmen und von den enormen Schwankungen profitieren.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung der Märkte in diesem Jahr ein?

Das Jahr 2016 hat fulminant begonnen – direkt am ersten Handelstag ging es massiv abwärts. Bis in den Februar hinein waren deutliche Kursverluste an der Tagesordnung. Ich war zwar short positioniert, habe die Gewinne aber viel zu früh mitgenommen. Aktuell sehen wir eine ausgeprägte Erholungsbewegung. Insgesamt gesehen bin ich für die weitere Entwicklung des Jahres skeptisch. Neue Jahrestiefstkurse kann ich mir in den kommenden Monaten durchaus vorstellen. Das Gute daran: Trader können auch von fallenden Kursen profitieren.

Welches ist Ihr Fachgebiet beim Trading?

Ich suche Konstellationen, die hohe Eintrittswahrscheinlichkeiten bieten. Beispiel: Wenn eine Aktie nach schwachen Unternehmenszahlen verkauft wird und tagelang fällt, entsteht nach charttechnischen Kriterien irgendwann ein überverkaufter Zustand. Nachdem zahlreiche Anleger und wahrscheinlich alle Fonds ausgestiegen sind, kommt irgendwann die Einsicht, dass es vielleicht doch nicht so schlimm um das Unternehmen bestellt ist. Dies ist dann möglicherweise der Zeitpunkt für meinen Einstieg. Fast immer gibt es anschließend eine technische Gegenbewegung nach oben. Solche Rebound-Trades machen viel Spaß.

Auf welchen Regionen und Produkten liegt Ihr Schwerpunkt dabei?

Ich beschäftige mich hauptsächlich mit deutschen Standardaktien. Die Wertpapiere aus dem DAX und MDAX bieten reichlich Liquidität, sodass man auch mit relativ hohen Beträgen schnell ein- und aussteigen kann. Gleichzeitig ist der Spread, also die Spanne zwischen An- und Verkauf, am geringsten, was zu niedrigen Transaktionskosten führt. TecDAX und SDAX gehören natürlich auch zu meinem Anlageuniversum, hier muss man mit dem Volumen aber manchmal aufpassen. Ansonsten bin ich vereinzelt auch in den europäischen und amerikanischen Blue Chips aktiv.

Orientieren Sie sich bei der Auswahl ihrer Empfehlungen an Fundamentaldaten oder der Charttechnik?

Ich beobachte täglich knapp 500 Unternehmen und deren Entwicklung. Diejenigen Aktien, die ich für fundamental interessant halte, kommen in die engere Auswahl für mein selbst entwickeltes Indikatorensystem, welches auf charttechnischen Kriterien basiert. Ich trade also grundsätzlich nach der Charttechnik, aber nur bei fundamental attraktiven Aktien. Sozusagen das Beste aus beiden Welten.

Auf wie viele Empfehlungen können sich Ihre Follower im Schnitt einstellen? Und wie lange bleiben die Empfehlungen durchschnittlich im Depot?

Meine Vorgehensweise ist bestens für berufstätige Anleger geeignet. Bei meiner Strategie kann man sich gemütlich zurücklehnen und die Trades auch mit einer zeitlichen Verzögerung umsetzen. Ich bin nicht kurzfristig an der Börse aktiv, sondern eher mittelfristig. Pro Woche stelle ich bei nextmarkets.com je nach Börsenphase zwei bis sechs Tradingchancen vor. Manche Titel halte ich über mehrere Wochen.

Was raten Sie Anlegern, um Risiken zu minimieren?

Ein striktes Risiko- und Money-Management ist das A und O an der Börse. Ohne geht es nicht! Setzen Sie niemals alles auf eine Karte, sondern überlegen Sie sich genau, wie viel Verlust Sie pro Trade verkraften können. Riskieren Sie niemals mehr als fünf bis zehn Prozent des Depotvolumens. Zur Risikobegrenzung sind Stopp-Kurse natürlich empfehlenswert.

Wozu würden Sie Ihrem Kind raten? Zu einem BWL-Studium oder einer Ausbildung zum Trader?

Zu beidem! Zum Studium wegen der guten Partys, zur Trader-Ausbildung zum Geldverdienen.

Zum Schluss geht es ans Eingemachte: Wie steht es um Ihren Track Record?

Seit 18 Jahren habe ich jedes Jahr im Plus abgeschlossen – wohlgemerkt auch zu Crash-Zeiten. Aber mein größter Erfolgsbeweis ist eigentlich meine finanzielle Freiheit. Ich bin und bleibe unabhängig.

Herr Raschkowski, vielen Dank für das Interview!

Hinweis auf potenzielle Interessenkonflikte: An der nextmarkets GmbH ist die börsennotierte FinLab AG (WKN 121806 / ISIN DE0001218063 / Tickersymbol: A7A) beteiligt. An der FinLab wiederum ist der Herausgeber von DER AKTIONÄR mittelbar wesentlich beteiligt.

 

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