Wirecard
- Nikolas Kessler - Redakteur

Wirecard +10 Prozent: Ist das die Trendwende? – UPDATE: FT reagiert auf Vorwürfe

Die Aktie von Wirecard legt am Donnerstagvormittag in der Spitze zehn Prozent zu und ist damit der Top-Gewinner im DAX. Hintergrund ist unter anderem ein Medienbericht, wonach zumindest ein Leerverkäufer im Vorfeld von der Veröffentlichung der brisanten Financial-Times-Artikel gewusst haben will. Das wirft neue Fragen auf.

UPDATE: Am Mittag hat sich die Financial Times zu dem Vorwurf geäußert. Eine Sprecherin der Zeitung erklärte, dass der im FAZ-Artikel genannte Zeuge nicht von Journalisten oder Mitarbeitern der Financial Times informiert wurde. "Alle Anschuldigungen bezüglich Marktmanipulation gegen die FT oder ihre Reporter oder Mitarbeiter sind unwahr und sollen die schweren Anschuldigungen bezüglich des Bilanzbetrugs durch Wirecard-Mitarbeiter in Singapur verschleiern“, heißt es in einem Statement, das Bloomberg vorliegt.

Wie die FAZ am Mittwochabend meldete, soll ein Zeuge gegenüber der ermittelnden Staatsanwaltschaft München I eingeräumt haben, vorab darüber informiert worden zu sein, wann die Financial Times über Wirecard berichten würde. Seitdem stellt sich die Frage, ob weitere Shortseller eingeweiht waren und vom heftigen Kursrutsch profitiert haben.

Der Blick auf die Entwicklung der Short-Interest-Quote bestätigt diese Vermutung nur bedingt. Zwar ist diese in der Woche vor dem ersten kritischen FT-Artikel um rund einen Prozentpunkt gestiegen, mit Blick auf die längerfristige Entwicklung bei Wirecard war das aber kein außergewöhnlicher Anstieg. Ein kräftiger Anstieg der Short-Interest-Quote war nach Daten von Bloomberg erst nach Veröffentlichung des Artikels zu verzeichnen, als der Kursrutsch der Aktie bereits in vollem Gange war.

Quelle: Bloomberg

Auch die im Bundesanzeiger offengelegten Leerverkaufspositionen zeigen: Der Londoner Hedgefonds Odey Asset Management hat erst am 30. Januar, als der erste belastenden Artikel veröffentlicht wurde, um 0,16 Prozent aufgestockt. Zuvor hatte die Shortposition von Odey gut zweieinhalb Jahre unverändert bei 0,40 Prozent gelegen.

Quelle: Bundesanzeiger

Liegt der eigentliche Skandal bei der FT?

Sollte sich der FAZ-Bericht bestätigen und Personen aus dem Umfeld der Financial Times daran beteiligt gewesen sein, wäre das ein massiver Ansehensverlust für das traditionsreiche Blatt, zudem drohen dann womöglich juristische Konsequenzen.

Die neue Wendung ändert aber nichts daran, dass es bei Wirecard in Singapur im vergangenen Jahr Entwicklungen gab, die das interne Compliance-Team und später die Kanzlei Rajah & Tann auf den Plan gerufen haben. Wirecard selbst hat die laufenden Untersuchungen mehrfach bestätigt und einen baldigen Abschluss sowie die Veröffentlichung der Ergebnisse in Aussicht gestellt. Solange diese nicht vorliegen, dürfte die Lage volatil bleiben.

Trendwende oder Bullenfalle

Die Erholung der Wirecard-Aktie gewinnt am Donnerstag trotzdem deutlich an Dynamik. Im Laufe des Vormittags ist die Aktie um bis zu zehn Prozent nach oben geklettert. Dennoch bleibt das Risiko erneuter Rückschläge hoch. Um nicht in eine mögliche Bullenfalle zu treten, sollten Anleger bis zur endgültigen Aufklärung die Füße stillhalten.

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