ThyssenKrupp
- Werner Sperber - Redakteur

ThyssenKrupp steigt um 75 Prozent

Der DAX hat am Freitag rund ein halbes Prozent abgegeben, der Aktienkurs von ThyssenKrupp dagegen verlor achtmal so viel. Momentan lieben die Anleger solidere Aktien als die von Unternehmen, welche in zyklischen Brachen tätig sind.

Die Einschätzungen von Analysten kann man vielleicht noch als persönliche Meinung besonders missliebiger oder besonders blauäugiger Mitarbeiter von Firmen abtun, welche vielleicht eine bestimmte Kursrichtung der eingeschätzten Aktie bevorzugen könnten. Wenn die Kredit-Analysten sich zu Wort melden kann man grundsätzlich auch so argumentieren, doch nach der gerechtfertigten Schelte dieser Berufsgruppe während des ersten Höhepunktes der Schuldenkrise in den Jahren 2008 und 2009 sind diese Analysten vorsichtiger geworden und ihr Wort wieder gewichtiger. Das ist im aktuellen Fall schlecht und wird teuer für ThyssenKrupp, wenn der Konzern über die Ablösung von Krediten verhandelt. Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Note für die Kreditwürdigkeit des Stahl- und Technologiekonzerns aus Essen wegen der hohen Verluste auf dem US-Markt und sinkender Gewinne in Europa von "BB+" auf "BB" gesenkt. Die kurzfristige Bonitätsnote bleibt bei "B" und der Ausblick ist negativ.

"Der Vorstand ist glaubwürdig"

Sven Diermeier, Analyst von Independent Research, kann sich höhere Aktienkurs von ThyssenKrupp nur vorstellen, wenn der Konzern die Edelstahlsparte verkauft und eine dauerhafte Lösung für das amerikanische Stahlgeschäft findet. Vor diesem Hintergrund hat er zwar seine Einstufung mit "Halten" bestätigt, sein Kursziel aber von 16 auf 14 Euro gesenkt.

Alessandro Abate, Analyst von JPMorgan, bezieht sich auf die Abstufung von Standard & Poor's und die Sorgen um den gewünschten Verkauf von Steel Americas. Diesbezüglich ist der Aktienkurs seiner Meinung nach zu stark gesunken, was ein Grund mehr ist, die Anteile jetzt zu kaufen. Da der Vorstand die meisten Ziele aus dem Mai vergangenen Jahres tatsächlich erreicht hat, hat das Management zudem an Glaubwürdigkeit gewonnen. Deshalb bleibt Abate bei seiner Meinung: "Overweight" mit einem Kursziel von 21 Euro.

Niemand hat ThyssenKrupp mehr lieb

Die Analysten haben ihre Ergebnis-Schätzungen für die Ende September ablaufenden Geschäftsjahre 2011/12 bis 2013/14 erneut stark gesenkt. Sie erwarten nun Ergebnisse von minus 0,19 Euro, von 1,41 Euro und von 2,25 Euro je Aktie. Das entspräche Kurs-Gewinn-Vielfachen von 8,5 und von 5. Ab dem nächsten Fiskaljahr ist die Aktie von ThyssenKrupp also wieder günstig bewertet. Allerdings nur, wenn der Stahlkonzern tatsächlich die gewünschten Gewinne erwirtschaftet. Das ist allerdings sehr schwer abzusehen, deshalb sollten Anleger unbedingt abwarten, bis sich ein charttechnisch wirklich tragfähiger Boden ausgebildet hat. Aufgrund der derzeit schwachen Börsenphase, fühlen sich die Anleger nicht zu Aktien aus zyklischen Branchen sondern zu Soliderem hingezogen.

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