ThyssenKrupp
- Markus Bußler - Redakteur

ThyssenKrupp: Sell on good news?

Die Nachricht sollte den Kurs der Aktie des Stahl- und Technologiekonzerns ThyssenKrupp eigentlich beflügeln. Doch stattdessen dreht die Aktie nach der Meldung, dass die EU Den Verkauf der Edelstahltochter Inoxum genehmigt hat, ins Minus. Anleger verfahren offensichtlich nach dem Prinzip: Sell on good news.

Die EU gab am Mittwoch nach monatelanger Prüfung grünes Licht für den Verkauf der verlustreichen Edelstahltochter Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu. Damit kann das im Januar ausgehandelte 2,7 Milliarden Euro schwere Geschäft wie geplant noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, teilten die Konzerne mit.

Zugeständnisse

Allerdings musste Outokumpu den Wettbewerbshütern Zugeständnisse machen. So muss das Unternehmen das Inoxum-Werk im italienischen Terni verkaufen. Die EU-Kommission hatte zuvor Bedenken angemeldet, dass das neue Unternehmen eine beherrschende Marktposition erhalten und andere Konkurrenten verdrängen könnte.

Neuer Weltmarktführer

Die Finnen wollen mit Inoxum nach früheren Angaben einen neuen Weltmarktführer im Edelstahlbereich mit rund 18.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund elf Milliarden Euro schmieden. Outokumpu hatte angekündigt, 1.500 Stellen streichen zu wollen, davon 850 Arbeitsplätze in Deutschland. ThyssenKrupp soll als Großaktionär an Outokumpu mit 29,9 Prozent beteiligt werden. Angesichts der schwachen Wirtschaftslage und hoher Überkapazitäten kämpfen die europäischen Edelstahlhersteller seit langem mit Verlusten.

Für ThyssenKrupp ist die weitgehende Trennung vom Edelstahl, exakt 100 Jahre nachdem in seinem Essener Forschungslabor der nichtrostende Stahl entwickelt wurde, ein Befreiungsschlag. "Der Zusammenschluss von Inoxum und Outokumpu markiert für uns einen wichtigen Meilenstein bei der Umsetzung unserer strategischen Weiterentwicklung", sagte ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger. Er verwies darauf, dass mit der Transaktion die Schuldenlast sinke.

Die erste Unsicherheit ist vom Tisch: Der Verkauf kann wie geplant über die Bühne gehen. Damit bleibt eine letzte große Aufgabe für den Vorstand in Sachen Verkäufe: Die beiden Stahlwerke in Übersee. Gelingt es auch noch, die Werke in Brasilien und Alabama/USA zu verkaufen, dann dürfte der Konzernumbau in Sachen Verkäufe so gut wie abgeschlossen sein. Im Gegenzug könnte ThyssenKrupp dann die Technologiesparte stärken. DER AKTIONÄR bleibt bei seiner positiven Einschätzung. Die Meldung ist durchweg positiv zu werten und dürfte den Weg Richtung 20,00 Euro ebnen.

(mit Material von dpa-AFX)

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