ThyssenKrupp
- Markus Bußler - Redakteur

ThyssenKrupp: Hoher Verlust? Zu wenig Bieter? Oder doch eine Nachkaufchance?

Die Aktie des Stahl- und Technologiekonzerns ThyssenKrupp ist in der jüngsten Korrektur gehörig unter die Räder gekommen. Es ist offensichtlich die Sorge vor den Zahlen, die die Anleger in Atem hält. Zudem herrscht Unsicherheit über den angestrebten Verkauf von Steel Americas. Was also sollen Anleger tun?

Zunächst eine Kurzübersicht: Die Investmentbank J.P. Morgan Cazenove hat in ihrer jüngsten Einschätzung zwar das Anlagevotum „Overweight" bestätigt. Dennoch dürfte das, was Analyst Alessandro Abate geschrieben hat, den Anlegern nicht besonders schmecken. Der Experte geht davon aus, dass ThyssenKrupp einen geringeren Gewinn im Europageschäft erzielen wird, dafür aber einen höheren Verlust in der Sparte Steel Americas. Das dürfte sich negativ auf das bereinigte EBIT auswirken.

Was wird aus Steel Americas?

Und Steel Americas bereitet den Anlegern ohnehin Kopfschmerzen: Die beiden Werke in Brasilien und Alabama/USA sollten dem Konzern eigentlich neuen Glanz verleihen. Doch seit Inbetriebnahme glänzen sie vor allem mit hohen Verlusten. Sperrte sich der Vorstand zunächst noch vor einem Verkauf, ist das mittlerweile die bevorzugte Lösung. Doch wer soll die beiden Werke kaufen? Zunächst gab es eine ganze Heerschar an Interessenten. Doch für die zweite Runde, in der verbindliche Angebote abgegeben werden sollen, sind nur noch eine Handvoll Bieter übrig. Darunter sollen US Steel, Nucor, Nippon Steel, JFE und der brasilianische Konzern CSN sein. Ob auch ArcelorMittal mit im Rennen ist, bleibt unklar.

Dass Konzernchef Heinrich Hiesinger den angestrebten Preis von sieben Milliarden Euro für die beiden Werke erzielen kann, scheint mehr als unwahrscheinlich. Doch damit rechnet der Markt ohnehin nicht. Analysten hatten eine Summe von drei bis vier Milliarden Euro als wahrscheinlich erachtet. Selbst damit könnte ThyssenKrupp einen Großteil der Schulden abbauen und Investitionen in die Technologiesparte voran treiben.

Was bleibt für Anleger zu tun? Charttechnisch präsentiert sich die Aktie derzeit angeschlagen, weshalb vor allem konservative Anleger an der Seitenlinie bleiben. Aber für konservative Anleger ist das Papier derzeit ohnehin weniger geeignet. Zwar dürfte das Thema Dividende nach wie vor auf der Tagesordnung bleiben, da die Krupp-Stiftung als Großaktionär auf die Einkünfte angewiesen ist. Dennoch dürfte diese bis auf weiteres wohl eher gering ausfallen. Spekulativ orientierte Anleger können jedoch ein Engagement ins Auge fassen und auf einen erfolgreichen Verkauf der beiden Übersee-Werke spekulieren. Gelingt dieser zu einem Preis von vier Milliarden Euro, wäre der Weg für die Aktie Richtung 20,00 Euro frei.

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