ThyssenKrupp
- Markus Bußler - Redakteur

ThyssenKrupp: Größerer Rückzug?

Der Ausstieg aus Steel Americas ist bei dem Stahl- und Technologiekonzern ThyssenKrupp beschlossene Sache. Doch offensichtlich könnten noch weitere Teile des Stahlgeschäfts zum Verkauf gestellt werden. Einem Bericht der Rheinischen Post zufolge prüft das Unternehmen einen Teilverkauf des europäischen Stahlgeschäfts.

„Entsprechende Möglichkeiten werden gerade sondiert", heißt es dem Blatt zufolge in Aufsichtsratskreisen des Unternehmens. Ein Konzernsprecher habe sich zu dem Thema auf Anfrage nicht äußern wollen. Am Freitag hatten Spekulationen über einen Einstieg der RAG-Stiftung die ThyssenKrupp-Aktie auf den ersten Platz im Dax gehievt. „Wenn wir von ThyssenKrupp oder von der Politik zu diesem Schritt gebeten werden, denken wir darüber nach", hatte die Süddeutsche Zeitung einen Insider aus dem Umfeld von RAG-Chef Werner Müller zitiert. Beide Seiten hatten dies am Freitag nicht weiter kommentieren wollen. „Es haben keine Gespräche stattgefunden", hatte ein Sprecher der Stiftung gesagt.

Kapitalerhöhung?

Der Essener Traditionskonzern steckt wegen milliardenschwerer Fehlinvestitionen in Übersee in Geldnot. Vorstandschef Heinrich Hiesinger kann daher eine Kapitalerhöhung nicht mehr ausschließen - eigentlich ein Tabuthema für ThyssenKrupp. Denn aller Voraussicht nach könnte dabei der Hauptaktionär, die Krupp-Stiftung, nicht mitziehen und die Sperrminorität von gut 25 Prozent einbüßen. Damit würde der Konzern seinen Schutz vor Übernahmen verlieren.

Deshalb wird immer wieder darüber gesprochen, dass die RAG-Stiftung einspringen könnte. Sie war 2007 vom Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen gegründet worden, um das Ende des Kohlebergbaus zu finanzieren. Zuletzt hatte Stiftungschef Müller ein Interesse an ThyssenKrupp zwar dementiert. Laut Süddeutscher Zeitung könnte dies aber lediglich eine Absage auf Zeit gewesen sein.

Die Aktie ist und bleibt eine Spekulation auf einen erfolgreichen Verkauf der Sparte Steel Americas. Doch selbst im Fall des Verkaufs benötigt das Unternehmen wohl frisches Kapital. Der schrittweise Rückzug aus dem Stahlgeschäft macht dabei durchaus Sinn. Die jüngsten Meldungen zeigen, dass wohl zahlreiche Möglichkeiten ausgelotet werden, um eine Kapitalerhöhung zu umgehen. Mutige Anleger setzen auf eine Rallye bis in den Bereich von 19,00 Euro.

(mit Material von dpa-AFX)

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