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- Andreas Deutsch - Redakteur

Thomas Gebert: Bald kommt die große Hausse

Nach neun Jahren Hausse fragen sich die Anleger: War’s das jetzt? Ist die Zeit der großen Kurssteigerungen an den Aktienmärkten vorbei? Müssen wir uns sogar vor einem Crash fürchten? Thomas Gebert, Erfinder des legendären Gebert-Indikators, hat gute Argumente, warum die Aktienmärkte immer noch Potenzial haben.

DER AKTIONÄR: Herr Gebert, Ihr bisher sehr zuverlässiger Indikator gibt bald ein Kaufsignal. Stehen wir also vor einer Jahresendrallye?

THOMAS GEBERT: Ich vermute, die große Hausse kommt erst im nächsten Jahr. Trotzdem scheint mir jetzt schon ein recht günstiger Zeitpunkt zum Kauf zu sein. In der Spitze hat der DAX von 13.600 Punkten bis knapp 11.000 Punkte beinahe 20 Prozent verloren. Ohne dass tatsächlich eine Rezession folgt, verliert er in der Regel nicht mehr.

Ihr Indikator springt aufgrund der Saisonalität auf „Kaufen“. Wie stark ist das Kaufsignal abhängig davon, wie sich der Ölpreis und damit die Inflation entwickelt oder anders gefragt, könnte ein weiterhin hoher Ölpreis und damit eine höhere Inflation das Kaufsignal zeitnah negieren oder zumindest abschwächen?

Der Auslöser für das Kaufsignal ist tatsächlich die Jahreszeit. Da die in den nächsten sechs Monaten positiv bleibt und auch vermutlich keine Zinserhöhung kommt, kann das nächste Verkaufssignal erst in sechs Monaten auftreten.

Die Zinsen in den USA haben spürbar angezogen. Im historischen Vergleich: Sind US-Bonds gegenüber Dividendentiteln oder generell Aktien eine vielleicht sicherere Alternative?

US-Anleihen sind immer eine sichere Alternative. In den letzten 200 Jahren erzielten Aktien und Anleihen über einen Zeitraum von jeweils 30 Jahren mit wenigen Ausnahmen das gleiche Ergebnis. So hat man zum Beispiel in den letzten 30 Jahren sowohl mit Anleihen als auch mit Aktien real 7,5 Prozent verdient. Allerdings unterliegt man dem Dollarrisiko. Das kann aber auch ein Vorteil sein, wenn etwas mit dem Euro passiert.

Die Berichtssaison in den USA hat ihren Höhepunkt überschritten, in Summe waren die Quartalsergebnisse nach Ansicht des AKTIONÄR sehr gut. Wie sehen Sie die fundamentale Lage, spricht diese wie Ihr Börsenindikator ebenfalls für steigende Kurse?

Durch die starken Unternehmensgewinne in den USA und den Kursrückgang ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 mit den geschätzten Gewinnen der nächsten zwölf Monate auf knapp über 15 gesunken. So niedrig war es zuletzt während der Chinakrise Anfang des Jahres 2016. In den folgenden zwei Jahren ging es 50 Prozent nach oben mit den US-Aktien.

Wo investieren Sie, welche Länder, Branchen, Aktien favorisieren Sie?

Ich mische. Für die Hälfte des anzulegenden Betrages nehme ich konjunktursensible Aktien, die stärker steigen, wenn es nach oben geht, aber auch in einer Baisse deutlicher fallen. Die andere Hälfte lege ich in defensivere Werte aus der Pharma- oder Nahrungsmittelbrache an. Die sind in einer Hausse nicht die Renner, aber bei einer Baisse relativ sicher. Ich weiß, niemand mag die Autohersteller, weil die uns so betuppt haben. Aber ich bin ein Fan der deutschen Autos. Ich habe jetzt Porsche gekauft, nicht das Auto, das ist mit zu schnell, die Aktie. Porsche ist eine Holding, die die Mehrheit der VW-Stammaktien hält. Mit Porsche kauft man die VW-Aktie mit 20 Prozent Rabatt, hat dafür aber das Prozessrisiko wegen der Wiedeking-Nummer. Ungünstigstenfalls macht dieses Risiko gerade diese 20 Prozent aus.

Vielen Dank für das Interview.

 

Mehr Informationen zu Thomas Gebert erfahren Sie unter www.gebertbrief.de

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