Thielert AG
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Thielert unter Betrugsverdacht

Es ist nichts bewiesen und so lange gilt die Unschuldsvermutung. In deutschen Gerichtssälen sollte das so sein, auf dem Börsenparkett gilt das nicht. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, kurz SdK, hat am Donnerstag gemeldet, ihr sei eine 72-seitige Strafanzeige gegen Verantwortliche des Flugzeugmotorenbauers Thielert (WKN 605 207) zugegangen, deren Folgerungen schlüssig und begründet seien.

Es ist nichts bewiesen und so lange gilt die Unschuldsvermutung. In deutschen Gerichtssälen sollte das so sein, auf dem Börsenparkett gilt das nicht. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, kurz SdK, hat am Donnerstag gemeldet, ihr sei eine 72-seitige Strafanzeige gegen Verantwortliche des Flugzeugmotorenbauers Thielert (WKN 605 207) zugegangen, deren Folgerungen schlüssig und begründet seien.

Darin wird diesen Personen Urkundenfälschung, Bilanzbetrug sowie Prospekt- und Kapitalanlagebetrug vorgeworfen. Die Strafanzeige dürften auch die Staatsanwaltschaften Hamburg und Chemnitz bekommen. Die SdK bewertet die Aussagen und Schlussfolgerungen der Strafanzeige gegen die Thielert AG als schlüssig und begründet. Die Tatsache, dass das Unternehmen anscheinend große Mühe hat, die Vorwürfe zu entkräften, sich dafür aber um so schneller als Opfer von Hedgefonds identifiziert, erinnert an FJH, Comroad oder MLP. Die Gesellschaften argumentierten ähnlich und mussten später jedoch ihre höchst aggressive und teilweise kriminelle Bilanzierung zugeben. Die SdK hat die Unterlagen zur Prüfung an die Deutsche Prüfstelle für Rechungslegung ("Bilanzpolizei") weitergeleitet.

Der Verfasser der Anzeige dürfte Kreditverträge, Liquiditätsplanungen und vertrauliche Prüfungsunterlagen der BDO Deutsche Warentreuhand AG für Thielert eingesehen haben. Kopien der Originale sollen der Anzeige beiliegen. Thielert-Verantwortliche sollen also Unterlagen frisiert haben, um Geld von Banken zu erhalten. Sie sollen mit erfundenen Umsätzen und aktivierten Forderungen die Firma viel zu positiv dargestellt haben. Konkret werden in der Anzeige zahlreiche Forderungen aufgeführt, die zum 31. Dezember 2004 bilanziert worden sind, aber deren Werthaltigkeit zweifelhaft sein soll. 2005 haben Banken Thielert vor allem mit einem Betriebsmittelkredit über 24 Millionen Euroo finanziert. Dafür hätten die Verantwortlichen den Banken hohe Geld-Zuflüsse versprochen, die dann immer wieder verschoben wurden. Eine im April 2005 durch die kreditgebenden Banken veranlasste „Sonderprüfung der Debitoren und Forderungen“ kam nach Angabe des Anzeigeerstatters am 27. Mai zu dem Zwischenergebnis, dass von 37 angeforderten Saldenbestätigungen lediglich zwei vorgelegt wurden. Von den zu prüfenden 21 Millionen Euroo Forderungsbestand konnten nur 7.366 Euroo durch beantwortete Saldenbestätigungen positiv festgestellt werden. Trotz dieses alarmierenden Ergebnisses wurden von den Sonderprüfern offensichtlich keine weiteren Maßnahmen oder Prüfungen vorgenommen. In der Anzeige wird ausgeführt, dass den Banken bereits vor Abschluss der Forderungssonderprüfung mitgeteilt wurde, dass der Börsengang geplant sei. Nach Ansicht des Anzeigeerstatters haben deshalb die Banken trotz des vernichtenden Ergebnisses nicht eingegriffen.

Im November 2005 ist Thielert an die Börse gegangen und hat die möglicherweise geschönten oder gefälschten Daten für dieses IPO zugrundegelegt. Mit dem Emissionserlös, also dem Geld der Aktionäre, ist schließlich unter anderem der Betriebsmittelkredit getilgt worden. Die SdK meldet weiter, vom Vorstandsvorsitzenden Frank Thielert widersprüchliche und unbefriedigende Antworten zu den Vorwürfen erhalten zu haben. Thielert habe die Vorwürfe als „plump und falsch“ bezeichnet und Hedgefonds hätten die Aktie leerverkauft und wollten jetzt von einem Kurssturz profitieren. Die Thielert AG habe daher inzwischen selbst Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt und die BaFin informiert. Die Sonderprüfung sei angeblich deshalb abgebrochen worden, weil das vorgelegte Zwischenergebnis vom 27. Mai ausreichend Transparenz für die Banken geschaffen habe und man weitere Kosten der Prüfung vermeiden wollte. Thielert behauptet zwar, dass inzwischen ein Großteil der teilweise seit 2003 offenen Forderungen in Millionenhöhe beglichen sei, blieb die konkreten Auskünfte und Belege aber schuldig. Zu zehn Kundenforderungen (Summe: 13 Millionen Euro) aus der Anzeige behauptete Thielert zuerst, dass lediglich 17 Prozent, also 2,2 Millionen, noch offen seien und es bisher noch nicht zu Ausfällen gekommen sei. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass 7,5 Millionen noch offen sind und davon bereits 3,8 Millionen wertberichtigt wurden. Eine Forderung in Höhe von 500.000 Euro wurde komplett abgeschrieben. Obwohl Thielert ohne Zweifel innovative Flugzeugmotoren mit hohem Marktpotenzial herstelle, rät die SdK Anlegern, Abstand von der Aktie zu halten. Die derzeitige Bewertung von knapp 500 Millionen Euro muss auch ohne die „Forderungs-Problematik“ als extrem hoch betrachtet werden.

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