Tesla
- Werner Sperber - Redakteur

Tesla Motors: Die Kapitalerhöhung wird wohl kommen

Jeder könnte behaupten, im nächsten Jahr den Weltrekord im 100-Meter-Lauf zu brechen. Elon Musk behauptet, Ende des Jahres 2017 die ersten Wagen des Modell „3“ auszuliefern und im Jahr 2020 insgesamt 500.000 Autos zu bauen. Musk tut sich schwer zu erklären, wie das gehen soll, er weigert sich beharrlich zu antworten. Deshalb folgt eine Rechnung, die Elon Musk nicht gefallen wird.

Schulden
Tesla Motors hat wohl die Fähigkeit 100.000 Automobile zu bauen. Tesla Motors hat aber auch den Zwang zumindest in Fertigungsanlagen zu investieren, wenn schon nicht in die Werkstatt-Betreuung für die Kunden, die tatsächlich ein Tesla-Auto bekommen. Tesla Motors hat allerdings kein Geld: Bei einer Eigenkapitalquote von 13,5 Prozent zum Jahresende 2015 belief sich die Nettoverschuldung auf 1,5 Milliarden Dollar. Um Produktionsanlagen zu kaufen, muss Tesla also wohl noch mehr Schulden machen oder neue Aktien verkaufen. Zum Glück für Tesla ist der Aktienkurs jüngst stark gestiegen.

Drei Milliarden plus Personalkosten
Angenommen Tesla schafft die Produktion von 100.000 Autos im Jahr mit den vorhandenen Fertigungskapazitäten. Dann fehlen bis zu den versprochenen 500.000 Autos im Jahr 2020 noch immer Ressourcen für 400.000 Fahrzeuge pro Jahr beziehungsweise 1.290 Autos pro Tag respektive 54 in der Stunde – wenn außer sonntags rund um die Uhr produziert würde. Eine solche Fabrik, in der vom Kotflügel bis zum fertigen Auto alles hergestellt wird, dürfte in zwei Jahren zu bauen sein und drei Milliarden Dollar kosten. Vom Presswerk bis zur Lackieranlage würden darin wohl mindestens 8.000 Menschen arbeiten. Dann steht dort allerdings nur eine Fabrik, die Autos auf den Hof stellt.

26 Milliarden werden gebraucht
Nathan Weiss vom US-Marktforschungsunternehmen Unit Economics schätzt, damit Tesla bis zum Jahr 2020 eine Kapazität von 200.000 Autos erreicht, müsste das Unternehmen elf Milliarden Dollar investieren. Um von der Produktion bis zum Batteriebau, dem Vertrieb und der Betreuung der Kunden auf die von Musk versprochenen 500.000 Fahrzeuge zu kommen, müsste Tesla knapp 26 Milliarden Dollar ausgeben. Bei einem Kurs von 255 Dollar kostet Tesla 33 Milliarden Dollar an der Börse. Egal wie Tesla die drei Milliarden oder die 26 Milliarden auftreiben möchte, es wird den Kurs belasten: Bei einer Kapitalerhöhung um drei Milliarden Dollar wird das Kapital der Altaktionäre um neun Prozent verwässert. Bei einer solchen im Volumen von 26 Milliarden Dollar würde – ohne Kurssteigerung – die Marktkapitalisierung auf 59 Milliarden Dollar steigen und das KGV für dieses Jahr auf 363. Die Bayerische Motoren Werke AG kommt auf ein KGV von 8, verdient sechs Milliarden Euro bei einem Umsatz von 95 Milliarden Euro und kostet an der Börse 48 Milliarden Euro.

Finger weg
Tesla braucht ein profitables Massenprodukt, um endlich genügend Geld zu verdienen. Die Aktionäre glauben noch daran, wie das KGV von 203 für das laufende Jahr belegt. Doch Elon Musk bleibt die Antworten schuldig, wie er das schaffen möchte. Zudem sind die Schulden des finanzschwachen Unternehmens ohnehin schon hoch – auch ohne die notwendigen Investitionen. Tesla Motors verprellt also die Jünger durch extrem lange Lieferzeiten und kommt nicht auf Masse oder das Unternehmen verschuldet sich weiter beziehungsweise verwässert den Anteil der Alt-Aktionäre durch eine Kapitalerhöhung. Beides spricht für zumindest mittelfristig sinkende Notierungen. Konservative Anleger sollten deshalb weiterhin die Finger von Tesla lassen. Noch mehr zum Thema ist auch in der aktuellen Ausgabe von DER AKTIONÄR zu lesen. 

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