- DER AKTIONÄR

Südzucker - "Zukunftsmarkt mit hohem Potenzial"

Die Südzucker AG hat sich neu formiert - neben Zucker ist man auch in das Geschäft mit "Bio-Sprit" eingestiegen. DER AKTIONÄR sprach mit dem Südzucker-Vorstandssprecher Dr. Theo Spettmann.

Die Südzucker AG hat sich neu formiert - neben Zucker ist man auch in das Geschäft mit "Bio-Sprit" eingestiegen. DER AKTIONÄR sprach mit dem Südzucker-Vorstandssprecher Dr. Theo Spettmann.

Der Aktionär: Herr Dr. Spettmann, der Name Ihres Unternehmens "Südzucker" lässt die meisten Anleger wohl immer noch glauben, dass sie ausschließlich im Zuckergeschäft tätig sind. Doch das ist ja so nicht mehr richtig. In welchen Bereichen ist die Südzucker AG heute aktiv?

Dr. Spettmann: Neben dem traditionellen Zuckersegment, in dem Südzucker in Europa Marktführer ist, wurde ein dynamisch wachsendes Segment Spezialitäten aufgebaut, das Functional Food (Palatinit/ORAFTI), Stärke, Portionsartikel, Backwarenzutaten, Tiefkühlprodukte (Pizza), Fruchtzubereitungen/Fruchtsaftkonzentrate und Bioethanol umfasst. Strategische Zielsetzung ist, die Unternehmensgruppe unter Wahrung solider Bilanz- und Finanzierungsstrukturen auf einem nachhaltigen, profitablen Wachstumspfad zu halten.

Welche Umsätze erzielen Sie in den einzelnen Geschäftsbereichen?

Der Südzucker-Konzern hat 2004/05 einen Konzernumsatz von 4,8 Milliarden Euro erreicht, davon entfallen auf das Zuckersegment 3,5 Milliarden und 1,3 Milliarden Euro auf das Segment Spezialitäten.

Welcher Geschäftsbereich verspricht Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren das größte Wachstumspotenzial für die Südzucker AG?

Wir gehen davon aus, dass das stärkste Wachstum im Segment Spezialitäten stattfindet. So bauen wir im Bereich Functional Food unsere Position auf den Weltmärkten konsequent aus und nutzen den Trend zu qualitativ hochwertigen Wellness-Produkten. Gleiches gilt für den erfolgreichen Aufbau unserer weltum-spannenden Fruchtsparte. Diese wird in den nächsten zwei Jahren mit ihren weltweiten Aktivitäten ein Umsatzvo-lumen von 800 Millionen Euro erreichen.

Der derzeit hohe Ölpreis hat dazu geführt, dass alternative Energieträger wie der sogenannte Bio-Sprit in aller Munde sind. Südzucker ist ja auch in diesem Bereich tätig. Wie wichtig ist die Herstellung von Bio-Sprit für Ihr Unternehmen?

Südzucker hat in diesen Tagen die Bioethanolerzeugung in Zeitz aufgenommen, es handelt sich hier um die größte Anlage dieser Art in Europa. Des Weiteren haben wir beschlossen, eine ähnliche - wenn auch ein wenig kleinere - Anlage in Österreich zu bauen, die Planungen für eine Anlage in Belgien laufen. Mit dem Einstieg in die Produktion von Bioethanol sichern wir uns die Teilhabe an einem Zukunftsmarkt mit hohem Wachstumspotenzial. Allein für die EU rechnen die Fachleute mit einem Marktvolumen für Bioethanol als Kraft-stoffkomponente von acht bis zehn Millionen Kubikmeter.

Für ein größeres Echo in den Medien sorgte Ihr Unternehmen in den vergangenen Wochen, als bekannt wurde, dass Südzucker nach Brasilien expandieren will. Warum will Südzucker nach Lateinamerika? Welche Ziele verfolgen Sie dort? Hat das auch wieder etwas mit dem Thema "Bio-Sprit" zu tun?

Aufgrund der im weltweiten Vergleich günstigen Produktionsvoraussetzung prüfen wir ein Enga-gement in Brasilien. Wir führen derzeit Gespräche mit verschiedenen potenziellen Partnern. Generell ist anzu-merken, dass in Brasilien viele Zuckerfabriken auch die Möglichkeit haben, Bioethanol herzustellen. Je nach der Preissituation für Zucker bzw. Erdöl wird das wirtschaftlich interessantere Produkt hergestellt.

Welche Auslandsmärkte haben Sie noch im Visier?

Mit unseren Produkten aus dem Segment Spezialitäten sind wir weltweit präsent, so produzieren wir beispielsweise im Bereich Frucht weltweit an 37 Produktionsstandorten.

Nun noch eine Frage an Sie als "Zuckerexperten": Wie wird sich Ihrer Ansicht nach die geplante EU-Zuckermarktreform auf den globalen Zuckermarkt auswirken? Wie werden die Folgen für Ihr Unternehmen aussehen?

Bei dem hohen Wachstumspotenzial, das die brasilianische Zuckerindustrie hat, ist davon aus-zugehen, dass der erzwungene Produktionsrückgang in der EU in absehbarer Zeit durch brasilianische Exporte konterkariert wird. Es ist fraglich, in wieweit die AKP-Länder und die LDCs ihre eigene Exportsituation verbessern oder auch nur halten können. Südzucker muss damit rechnen, dass die anstehenden Veränderungen des zu-ckerwirtschaftlichen Umfeldes nicht ohne Auswirkungen auf die Zuckeraktivitäten in der EU bleiben werden. Wir sind jedoch überzeugt, die sich hieraus ergebenen Belastungen durch unsere gute strategische Positionierung und durch die in den anderen Bereichen des Konzerns angelegten Chancen und Potenziale mehr als ausglei-chen zu können.

Macht die EU-Zuckermarktreform, so wie sie jetzt anscheinend durchgezogen werden soll, überhaupt Sinn? Oder hat Brüssel mal wieder vollkommen daneben geschossen?

Zunächst einmal enthält der Vorschlag einige Aspekte, die wir begrüßen. Hier ist an erster Stelle die lange Laufzeit von gut neun Jahren bis zum 30. September 2015 zu nennen, die uns die dingend benötigte langfristige Planungssicherheit gibt. Positiv ist auch die Tatsache, dass auf die effizienten Erzeuger wie Südzucker aufgrund der Einführung des Restrukturierungsfonds keine bzw. nur geringe Quotenkürzungen zukommen dürften. Auch die Chance, durch Umwandlung von C-Zucker die eigene Quote zu erhöhen, ist aus unserer Sicht zu begrüßen. Letztlich ergibt sich für effiziente Erzeuger wie Südzucker zukünftig die Möglichkeit, bisherige Quo-tenzuckerexporte in Drittländer zumindest teilweise in EU-Absatz umzuwandeln und so vom höheren Preisniveau im Binnenmarkt zu profitieren. Insgesamt ist der Wille der Kommission zu erkennen, den wettbewerbsfähigsten Anbietern und Regionen eine langfristige Perspektive zu bieten. Diesen Vorteilen stehen aber erhebliche Belas-tungen gegenüber. Der schwerwiegendste Punkt ist hier zweifelsohne die drastische Preiskürzung um 39 % in nur zwei Jahren, die einen schweren Einschnitt in unsere Erlös- und Deckungsbeitragssituation mit sich brächte.

Noch ein Blick nach vorne - wo steht die Südzucker AG im Jahr 2010?

Mit unseren interessanten und zukunftsfähigen Geschäftsfeldern haben wir eine große Zahl von Wachstumspotenzialen angelegt, die in den fünf Jahren reife Früchte tragen werden. Zucker wird weiterhin das Rückgrad der Gruppe bilden, doch werden Umsatz und Ergebnisbeitrag des Spezialitätensegments deutlich steigen.

Das Interview führte Olaf Hordenbach.

Artikel aus DER AKTIONÄR (33/05).

 

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