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- DER AKTIONÄR

Sturz ins Bodenlose!

Tysabri entwickelt sich für die Biotechnologiefirmen Biogen Idec und Elan zu einem Desaster. Am Vorabend meldeten die Unternehmen einen weiteren Todesfall im Zusammenhang mit dem Multiple-Sklerose-Mittel. Wie Sie sich jetzt als Anleger verhalten sollten.

Tysabri entwickelt sich für die Biotechnologiefirmen Biogen Idec und Elan zu einem Desaster. Am Vorabend meldeten die Unternehmen einen weiteren Todesfall im Zusammenhang mit dem Multiple-Sklerose-Mittel. Wie Sie sich jetzt als Anleger verhalten sollten.

Von Martin Weiß

Vermutlich dachten viele Investoren, dass es nach den ersten Zwischenfällen mit Tysabri für die Entwickler Biogen Idec und Elan nicht mehr schlimmer kommen könnte. Sie irrten. Am späten Mittwochabend bestätigten die Unternehmen einen weiteren Todesfall im Zusammenhang mit dem Multiple-Sklerose-Medikament. Die Anleger reagierten geschockt, warfen ihre Papiere in den Markt. Die Aktien von Elan implodierten am Donnerstag auf 3,07 Dollar - ein Minus von 56 Prozent. Biogen fielen um 11 Prozent auf 34,15 Dollar.

Tysabri-Rückkehr zweifelhaft

"Die Anleger reagieren so heftig, weil der Vorfall eine Rückkehr von Tysabri in den Markt unwahrscheinlich macht", sagte Analyst David Webber, der Managing Director von First Albany. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor seien mögliche Schadenersatzleistungen an die Opfer und die Hinterbliebenen der Verstorbenen, deren Höhe bislang nicht abgeschätzt werden könne. Beim zweiten Todesfall im Zusammenhang mit der Verabreichung von Tysabri erhielt der Patient zuvor kein Avonex, ein älteres MS-Medikament von Biogen Idec. Bislang waren die Mediziner davon ausgegangen, dass erst eine Kombination von Tysabri und Avonex zu den tödlichen Nebenwirkungen geführt habe. Die Unternehmen hatten Tysabri erstmals am 28.Febraur vom Markt genommen, nachdem ein Patient infolge einer seltenen Gehirninfektion (PML) gestorben war und ein weiterer Patient daran erkrankte.

Milliarden an Börsenwert verloren

"Ohne Tysabri besitzt Biogen praktisch keine Möglichkeit mehr, die Umsätze in den kommenden Jahren zu steigern", sagte Branchenexperte Les Funtleyfer. Analysten hatten Tysabri ein jährliches Umsatzpotenzial von mehr als vier Milliarden Dollar zugebilligt. Für Elan steht nichts weniger als die Existenz auf dem Spiel und das spiegelt sich im Kursverlust der Aktien wider. Die Papiere haben seit Ende Februar 85 Prozent an Wert verloren. Elan selbst wird von der Börse mit rund einer Milliarde Euro bewertet, nach zuvor acht Milliarden Euro. Der Verlust bei Biogen beträgt rund 50 Prozent oder 11,5 Milliarden Euro.

Nur was für Männer ohne Nerven

Fazit: Während für Elan aufgrund der fehlenden Produkttiefe und der hohen Verschuldung die Luft dünn wird, sollte Biogen das Tysabri-Debakel mit einigen Blessuren überstehen. Nach den schweren Kursverlusten dürften die mögliche Folgen mittlerweile komplett eingepreist sein, weshalb mutige Anleger jetzt einen Kauf der Papiere in Erwägung ziehen sollten. Die Analysten von First Albany sehen unter den gegebenen Umständen ein Kursziel von 44 Dollar als gerechtfertigt an.

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