STRATEC BIOMEDICA...
- Markus Horntrich - Chefredakteur

STRATEC Biomedical: „Der nächste Wachstumsschub steht bevor“

Mit einer EBIT-Marge von 17,1 Prozent im ersten Halbjahr zählt STRATEC Biomedical zu den profitabelsten TecDAX-Konzernen. Im Interview mit dem AKTIONÄR verrät STRATEC-CEO Marcus Wolfinger, dass er eine stärkere zweite Jahreshälfte erwartet und noch weiteres Margenpotenzial sieht, u. a. durch einen höheren Umsatzanteil des margenstarken Serviceteilegeschäfts. Auch mögliche Akquisitionen rücken wieder in den Fokus – so könnte STRATEC auch eine Transaktion in der Größenordnung im mittleren bis oberen zweistelligen Euro-Millionen-Bereich stemmen.

DER AKTIONÄR: Herr Wolfinger, STRATEC-Aktionäre sind angesichts des dynamischen Wachstums der vergangenen Jahre sehr verwöhnt. So haben Sie im Vorjahr noch ein Umsatzplus von 13,2 Prozent erzielt. Nach sechs Monaten 2015 steht nun jedoch „nur“ eine Umsatzsteigerung von 1,4 Prozent zu Buche. Müssen sich Ihre Aktionäre jetzt auf eine anhaltende Phase langsameren Wachstums einstellen?

Marcus Wolfinger: Nein. Aus unserer Sicht haben wir ein sehr gutes erstes Halbjahr gezeigt. Umsatzseitig lagen wir in den ersten sechs Monaten 2015 im Rahmen unserer Planung, ergebnisseitig sogar über unseren Erwartungen. Zudem sind wir in einigen Entwicklungsprojekten sehr gut vorangekommen. Für das laufende zweite Halbjahr 2015 rechnen wir mit einem Umsatzwachstum, das über dem der ersten Jahreshälfte liegen wird. Dass wir auch in den nächsten Jahren ein dynamisches Wachstum erwarten, sehen Sie an der Bestätigung unserer mittelfristigen Finanzprognose, die eine durchschnittliche jährliche Steigerung der Umsatzerlöse von acht bis zwölf Prozent bis ins Jahr 2017 bei zunehmender Profitabilität vorsieht.

Was macht Sie so optimistisch für den weiteren Jahresverlauf?

Unser Ziel für das Gesamtjahr 2015 ist unverändert ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Wenn wir uns heute die Vorschaurechnung unserer Kunden sowie die Prognosen für unser Serviceteilegeschäft ansehen, fühlen wir uns mit diesem Ziel aktuell sehr wohl. Nach dem starken zweiten Halbjahr 2014 kam die geringere Dynamik in den ersten Monaten 2015 nicht unerwartet. Der nächste Wachstumsschub mit höheren Abnahmemengen durch unsere Kunden steht nun jedoch bevor.

Die Entwicklung der ausgelieferten Analysensysteme entwickelte sich im ersten Halbjahr 2015 stabil. Wann steht konkret die Markteinführung neuer Systeme an und welche Erwartungen haben Sie an diese?

Bei der Einführung neuer Produkte ist zu berücksichtigen, dass erst anderthalb bis zwei Jahre nach dem Marktstart der eigentliche Umsatzschub einsetzt. Insofern sind die Produkte, von denen wir im zweiten Halbjahr 2015 und im Jahr 2016 dynamische Wachstumsimpulse erwarten, bereits seit der zweiten Jahreshälfte 2013 bzw. seit 2014 auf dem Markt. Aber auch in den nächsten Monaten und Quartalen stehen weitere Markteinführungen, u. a. im Bereich der molekularen Diagnostik, an. Diese legen die Basis für ein anhaltendes Wachstum ab 2017 und erhöhen unsere Prognosesicherheit für die Folgejahre.

Verfügen Sie bereits über ausreichende Produktions- und Entwicklungskapazitäten für das geplante Wachstum?

Marcus Wolfinger: Die Erweiterung unserer Produktions- und Entwicklungskapazitäten spielt bei der Planung des zukünftigen Wachstums eine wichtige Rolle. In beiden Bereichen haben wir in den letzten Quartalen bereits kräftig investiert und noch einiges in der Pipeline. Der Einzug in die neuen Gebäude am Standort Rumänien sowie in der Schweiz ist für das erste Halbjahr 2016 vorgesehen. Mittelfristig werden wir auch unsere Kapazitäten in Deutschland weiter ausbauen. Insofern sind wir für das weitere Wachstum bestens gerüstet.

STRATEC gehört traditionell zu den margenstärksten Werten im TecDAX. Im ersten Halbjahr konnten Sie die EBIT-Marge weiter auf 17,1 Prozent steigern. Sehen Sie hier noch weiteres Renditepotenzial oder sind Sie damit schon „am Anschlag“?

Wenn man unsere beiden großen Renditetreiber isoliert betrachtet, haben wir auf der einen Seite das margenstarke Serviceteilegeschäft. Da dessen Umsatzanteil noch deutlich unter dem historischen Peak liegt, sehen wir hier noch Potenzial für weitere mindestens 100 Basispunkte bei der operativen Marge. Seit 2012 sehen wir in diesem Bereich eine sehr solide, stetige Aufwärtsentwicklung. Der zweite Margentreiber ist unser Produktportfolio. Da wir uns dabei am oberen Ende der Komplexitätsskala bewegen, ist auch hier noch weiteres Margenpotenzial vorhanden. Bereits für das Gesamtjahr 2015 erwarten wir eine weitere Steigerung der EBIT-Marge. Und auch für die Folgejahre sind wir zuversichtlich, die Profitabilität nachhaltig erhöhen zu können, wobei dies nicht zwingend ein linearer Prozess sein muss.

Für die mittel- bis langfristige Entwicklung von STRATEC ist der Abschluss neuer Entwicklungs- und Fertigungsaufträge von entscheidender Bedeutung. Wie weit sind Ihre Verhandlungen in dieser Hinsicht gediehen?

Auch bei den Entwicklungs- und Fertigungsaufträgen sind wir gut vorangekommen. Einiges von dem, was wir zu Jahresanfang in der Pipeline hatten, konnten wir bereits in die sprichwörtlichen trockenen Tücher bringen.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Entwicklung eigener Plattformlösungen, die ab 2017 zum weiteren Wachstum der Gesellschaft beitragen sollen. Können Sie uns bitte kurz erläutern, was sich dahinter verbirgt?

Hier bietet sich ein Vergleich mit der Automobilindustrie an. Auch dort greifen die Hersteller vermehrt auf Plattformstrategien zurück, um durch einen höheren Prozentsatz an Gleichteilen bei verschiedenen Produkten die Kosten für das einzelne Produkt zu senken. Diese Plattformlösungen bieten uns sowohl auf der Entwicklungs- wie auch auf der Zulassungsseite erhebliche Vorteile. Aktuell erwirtschaften wir rund 30 Prozent unseres Umsatzes mit Systemen, die auf solchen Plattformen basieren. Wir sehen jedoch auch für zukünftige Technologie die Möglichkeit, mit neuen Plattformen hohe Margen zu erzielen. Auf diese Entwicklung setzen wir.

Sie evaluieren nach eigener Aussage zunehmend auch anorganische Möglichkeiten. In welcher Größenordnung könnten Sie Zukäufe stemmen oder sehen Sie sich in erster Linie nach kleineren Nischenplayern um?

Auf der M&A-Seite haben wir einen breiten Fokus. Oberste Maßgabe dabei ist, bei unseren Kunden nicht den Eindruck zu erwecken, sie auf der Wertschöpfungskette überspringen zu wollen. Weitere Kriterien sind Ertragsstärke und eine gewisse Mindestgröße des potenziellen Zukaufs. Wir verfolgen dabei zwei Stoßrichtungen: Einerseits eine mögliche Transaktion in der Größenordnung im mittleren bis oberen zweistelligen Euro-Millionen-Bereich, andererseits schauen wir uns aber auch nach kleineren Technologiezukäufen um. Im Augenblick gehen wir hier mehrgleisig vor und haben einige interessante Dinge im Auge, wenngleich sich keine dieser Optionen bereits in einem konkreten Verhandlungsstadium befindet. Dass wir Zukäufe erfolgreich integrieren können, haben wir in den vergangenen zehn Jahren bereits nachhaltig bewiesen.

Lassen Sie uns abschließend etwas weiter in die Zukunft blicken: Wo sehen Sie STRATEC im Jahr 2020? Welche Rahmenbedingungen werden die Entwicklung des Konzerns in den kommenden fünf Jahren maßgeblich mitbestimmen?

Bis 2020 werden wir einige vielversprechende Großprojekte auf den Markt bringen. Bereits 2016 und 2017 wird die Basis dafür gelegt, mit welchen Produkten STRATEC im Jahr 2020 am Markt agieren wird. Unsere Pläne dafür sind schon sehr konkret. Neben den Plattformen, die ich bereits erwähnt habe, spielen für die mittelfristige Entwicklung auch diejenigen Akquisitionen auf Produktseite eine große Rolle, über die wir heute schon mit unseren Kunden und potenziellen Kunden sprechen. Neben einer Verbreiterung der Wertschöpfungskette werden aber auch neue Technologien und neue Angebote für unsere Kunden zu unserem Wachstum in den kommenden fünf Jahren beitragen. Insgesamt verfolgen wir ein ganzes Bündel an Maßnahmen, um STRATEC im Jahr 2020 noch breiter und erfolgreicher aufzustellen.

Herr Wolfinger, vielen Dank für das Interview.

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