- DER AKTIONÄR

Steht der Ölpreis bald bei 100 Dollar?

Der Ölpreis scheint derzeit kein Halten mehr zu kennen - mit 65 Dollar je Barrel (159 Liter) hat das "schwarze Gold" historische Rekordmarken erreicht. Auf den Börsenparketts in Frankfurt und New York sollen Händler bereits Wetten laufen haben, wann der Ölpreis die 100-Dollar-Marke knacken wird.

Der Ölpreis scheint derzeit kein Halten mehr zu kennen - mit 65 Dollar je Barrel (159 Liter) hat das "schwarze Gold" historische Rekordmarken erreicht. Auf den Börsenparketts in Frankfurt und New York sollen Händler bereits Wetten laufen haben, wann der Ölpreis die 100-Dollar-Marke knacken wird.

Von Olaf Hordenbach

Von einem "super-spike" ist die Rede, also von einer rasanten und durch nichts zu bremsenden Aufwärtsbewegung. Robert MacKenzie, Analyst von Friedman, Billings, Ramsey & Co hält ein solches Szenario zumindest für wahrscheinlicher, als dass der Ölpreis wieder auf 20 Dollar je Barrel zurückfallen wird. Als Motor für eine schnelle Aufwärtsbewegung macht MacKenzie eine steigende Ölnachfrage aus China und Indien verantwortlich. "Die Nachfrage steigt schneller als das Angebot", so seine einfache Überlegung.

Alles eine Frage der Spekulation

Dass die Nachfrage derzeit schneller steigt als das Angebot, ist unumstritten. In den nächsten fünf Jahren, so Ronald Ganz, Präsident der Schweizerischen Erdölvereinigung, wird die Weltnachfrage nach Öl um rund 1,5 Millionen Barrel pro Tag zunehmen. Zugleich wird die Förderung aus alten Ölfeldern aber um 1,2 Millionen Barrel pro Tag zurückgehen. Dass aus dieser Konstellation eines Tages auch mal eine echte Ölkrise entstehen kann - also tatsächlich mehr Öl nachgefragt als angeboten wird - liegt auf der Hand. Doch aktuell kann von einer Ölkrise im klassischen Sinne keine Rede sein. Tatsache ist, dass die derzeitige Ölnachfrage am Markt immer noch befriedigt werden kann. Und so ist es denn wohl eher schon ein Mix aus Angst und Spekulation - Stichwort: Iran/Irak, rückläufige Benzinreserven, Produktionsausfälle in mehreren amerikanischen Raffinerien -, die die Rekordfahrt des Ölpreises anheizt.

Alternativ ist besser

Stellt sich nun die Frage, ob man als Anleger noch auf einen "super-spike" wetten sollte. Im Gegensatz zu den meisten Marktteilnehmern sieht DER AKTIONÄR derzeit mehr Chancen auf der Shortseite. Denn letztendlich dürfte es eine Frage der Wahrnehmung sein, wie die Börse die Zukunft des Öls einstuft. Natürlich kann man vom Ende des Ölzeitalters, das ohne Zweifel gekommen ist, reden und den Zusammenbruch aller Industrienationen, die sicherlich vom Öl abhängig sind, heraufbeschwören.

Doch die Knappheit des Öls kann auch ganz anders wahrgenommen werden, nämlich als Chance. Je länger der Ölpreis haussiert, desto lukrativer werden alternative Energieträger. Diese können zwar kurzfristig kaum das Öl als Hauptenergieträger ersetzen, doch langfristig beschleunigt ein hoher Ölpreis die Energiewende. Man könnte auch sagen: Je höher der Ölpreis, desto schneller wird das Ende des Ölzeitalters kommen. Sollte sich diese Ansicht an der Börse einmal durchsetzen, ist mit einem deutlichen Rücksetzer beim Ölpreis zu rechnen.

Auf Öl setzen ohne Ölaktien

Als Anleger sollte man daher auf Unternehmen setzen, die sich auf alternative Energien spezialisiert haben. Am bekanntesten dürften hier wohl die Solarfirmen wie Solarworld und Solar-Fabrik sein. Aber auch Brennstoffzellenhersteller wie die amerikanische Fuelcell Energy bieten Chancen. Ebenfalls auf der Watchliste sollten Autokonzerne stehen, die schon früh die Zeichen der Zeit erkannt und auf Hybridfahrzeuge gesetzt haben, wie zum Beispiel Toyota.

 

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV