GRASIM INDUSTRIE GDR IR10
- DER AKTIONÄR

Starkes Fundament

Schön findet ihn keiner, doch notwendig ist er: Zement. Ohne diesen Baustoff wäre etwa eine leistungsfähige Infrastruktur heute kaum denkbar. So hat die Nachfrage nach dem Wunderpulver besonders in aufstrebenden Schwellenländern zugelegt und zum Beispiel in Indien für einen deutlichen Preisanstieg gesorgt.

Egal ob in Russland, Indien oder einem anderen Teil der Welt: Überall wird Zement als Baustoff gebraucht. DER AKTIONÄR nimmt erfolgreiche Anbieter unter die Lupe.

Schön findet ihn keiner, doch notwendig ist er: Zement. Ohne diesen Baustoff wäre etwa eine leistungsfähige Infrastruktur heute kaum denkbar. So hat die Nachfrage nach dem Wunderpulver besonders in aufstrebenden Schwellenländern zugelegt und zum Beispiel in Indien für einen deutlichen Preisanstieg gesorgt. Haben die örtlichen Zementanbieter im letzten Quartal 2005 einen Preis von umgerechnet rund 30 bis 40 Euro pro Tonne im Durchschnitt erzielt, waren es ein Jahr später 46 bis 53 Euro. Und der Bedarf dürfte anhalten. So sieht etwa die indische Regierung in ihrem neuen 5-Jahres-Plan massive Investitionen in die marode Infrastruktur vor. 273 Milliarden Euro sollen in den Bau von Straßen, Schienen, Häfen, Flughäfen und Wohnhäusern gesteckt werden. Projekte, die das Riesenland braucht, wenn es in den nächsten Jahren das angepeilte Wirtschaftswachstum von jährlich neun Prozent erreichen will.

Stabiles Kerngeschäft

Zu den erfolgreichsten indischen Zementanbietern zählt Grasim Industries aus der Aditya Birla Gruppe. Neben dem Baustoff liefert der Konzern Chemiefasern, Eisenprodukte, Chemikalien und Textilien – wobei der Umsatzanteil des Baupulvers im abgelaufenen Quartal bei 58 Prozent lag. Höhere Nachfrage und gestiegene Preise haben in diesem Zeitraum allein die Umsatzerlöse bei grauem Zement um 55 Prozent ansteigen lassen und bei weißem Zement um 28 Prozent. In den kommenden Jahren will Grasim vor allem in den Kernbereichen Baustoffe und Chemiefasern deutlich zulegen. Ausschlaggebend sind dabei die weiterhin steigende Nachfrage nach Wohnraum und einer Verbesserung der Infrastruktur.

Goldgrube Modernisierung

Auch Russland und dessen Nachbarstaaten wie Kasachstan haben großen Bedarf an moderner Infrastruktur. Ein ehrgeiziges Projekt ist etwa der Bau einer Straße von Finnland bis China. Aussichtsreicher Mitspieler auf dem russischen und kasachischen Baumarkt ist Steppe Cement. So abenteuerlich der Name klingt, so interessant ist der Firmenhintergrund: Das Unternehmen ist eine in Malaysia eingetragene Holding und seit September 2005 am Londoner Alternative Investment Market, kurz AIM, gelistetet. Das operative Geschäft läuft in den beiden Firmen Karcement und Central Asia Cement in Kasachstan. Wie bei der indischen Grasim Industries haben bei Steppe Cement im vergangenen Jahr eine steigende Nachfrage und anziehende Zementpreise für kräftige Wachstumsraten bei Umsatz und Gewinn gesorgt. Auch in den nächsten Jahren dürfte insbesondere der Infrastrukturbedarf die Kasse klingeln lassen. Bis 2011 erwarten Analysten ein jährliches Nettogewinnplus von durchschnittlich 37 Prozent.

Einer der bekanntesten Anbieter der Branche ist Cemex, der weltweit drittgrößte Zementhersteller, aus Mexiko. Zu dessen Hauptabsatzmärkten zählt der große Nachbar USA – was der Konzern zurzeit negativ zu spüren bekommt. Im Schlussquartal 2006 hat der Nettogewinn zwar um 55 Prozent zugelegt. Analysten hatten allerdings deutlich mehr erwartet. Eine der Ursachen für die schwächelnden Zahlen sind rückläufige Umsätze aus den USA, die einen stärker als erwarteten Rückgang beim Wohnungsbau verzeichnet haben. Die Auswirkungen des unsicheren US-Wohnungssektors setzen sich auch in diesem Jahr fort. Für 2007 erwartet Mexikos Zementbranche insgesamt zwar einen Umsatzanstieg von drei Prozent. Doch das ist weniger als die Hälfte gegenüber dem Vorjahr. Cemex will 2007 vor allem im heimischen Markt und in Spanien investieren, um der gesunkenen US-Nachfrage entgegenzutreten. Auch in Australien wollen sich die Mexikaner vergrößern. Ein Übernahmeangebot für die dortige Rinker Group läuft noch bis zum Ende des Monats.

Drei Aktien, zwei Chancen

Zement ist als Baustoff vielerorts begehrt, vor allem dort, wo Infrastruktur modernisiert und aufgebaut wird. Steppe Cement eröffnet sich auf dem russischen und kasachischen Markt großes Wachstumspotenzial und notiert deutlich unter dem fairen Wert. Das Papier eignet sich als hochspekulative Beimischung, verzeichnet allerdings nur geringe Handelsumsätze. Große Marktchancen hat auch Grasim Industries in Indien, wenn auch das Kurspotenzial und damit die Risiken geringer sein dürften als bei Steppe. Der Großanbieter Cemex muss noch den Nachfragerückgang der USA verdauen und ist eine Halteposition.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 13/2007.

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