- DER AKTIONÄR

Stada - Nicht nachahmenswert

Lange Zeit kannte die Aktie von Stada nur eine Richtung: Bergauf. Nach der gestrigen Gewinnwarnung könnte es sich damit erst einmal erledigt haben. Die Experten sind unterschiedlicher Meinung.

Lange Zeit kannte die Aktie von Stada nur eine Richtung: Bergauf. Nach der gestrigen Gewinnwarnung könnte es sich damit erst einmal erledigt haben. Die Experten sind unterschiedlicher Meinung.

Von Steffen Eidam

Die Anteilseigner von Stada konnten sich seit Jahresbeginn über einen Gewinn von rund 50 Prozent freuen. Nach der gestrigen Gewinnwarnung dürften sich die Mienen der Aktionäre allerdings sichtlich eingetrübt haben. Der Generikahersteller rechnet aufgrund einer Sonderabschreibung im laufenden Jahr mit zehn Millionen Euro weniger Gewinn. Bekanntlich reagiert die Börse auf solche Nachrichten verschnupft. Und so verliert die Aktie bis 12 Uhr mehr als vier Prozent.

Zulassungsbehörde fordert Nachbesserung

Entgegen der bisherigen Annahme macht die Europäische Arzneimittelagentur EMEA die Zulassung des Krebsmittels Reniale voraussichtlich von zusätzlichen klinischen Studien abhängig. Damit verschiebe sich der Vermarktungsbeginn für das Mittel auf unbestimmte Zeit. Das Medikament wurde vom deutschen Biotech-Unternehmen LipoNova entwickelt und sollte über Stadas Spezialpharmabereich vertrieben werden. LipoNova ist allein aber kaum in der Lage weitere Tests zu stemmen, Stada scheint ebenso wenig gewillt zu sein. Deshalb schreibt die Gesellschaft aus Bad Vilbel jetzt 15 Millionen Euro nach Steuern ab. Die eigene Gewinnprognose wurde jedoch lediglich um 10 Millionen Euro auf jetzt 50 Millionen Euro reduziert. Die Differenz soll durch die anderen Geschäftsbereiche ausgeglichen werden.

Neubewertung erforderlich

Aufgrund der Wertberichtigung wird der Jahresgewinn von Stada voraussichtlich nur geringügig über dem Vorjahreswert von 48,5 Millionen Euro liegen. Zwar empfiehlt der Vorstand weiterhin eine Dividende mindestens auf dem Vorjahresniveau (Marktkonsens: 0,39 bis 0,46 Euro je Aktie) und stellt zudem für 2006 ein robustes Wachstum im operativen Geschäft in Aussicht. Die Prognosen der meisten Analysten sind aber kaum mehr zu erreichen. Im Durchschnitt erwarten diese einen Gewinn von 1,20 Euro je Aktie, der tatsächliche Gewinn dürfte sich hingegen zwischen 91 und 93 Cent einpendeln. Auch das KGV wird sich von nunmehr 24,5 auf 31,6 verteuern und somit deutlich über dem der weitaus größeren Konkurrenten Teva (KGV 22) und Novartis (KGV 15) liegen.

Analysten uneins

Auch wenn man bei der japanischen Nomura einen kurzfristigen Kursrücksetzer erwartet, bleibt man der Aktie von Stada positiv gesinnt. Das Geschäft mit Generika entwickle sich weiterhin gut, zudem sei Stada ein beliebter Übernahmekandidat. Das Urteil lautet weiterhin auf "Kaufen". Die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) bestätigt ihr "Outperformer"-Urteil (Kursziel: 35 Euro) mit der Begründung eines "einmaligen Ausrutschers". Auf der reduzierten Basis sieht man eine günstige Einstiegsgelegenheit. Auch Merck Finck & Co. rät weiterhin zum Kauf: "Die operative Entwicklung im Generika-Geschäft boomt weiter", sind sich die Experten sicher. Die Schätzung für den Gewinn je Aktie wurden aber von 1,22 auf 1,05 Euro gesenkt. Während auch das Bankhaus Metzler die Abschreibung nicht überbewertet, weisen Händler in Frankfurt auf die gefährliche charttechnische Situation der Titel hin. Fällt der Kurs unter die wichtige Unterstützung bei etwa 27,30 Euro, so könnte es schnell bis auf 25,50 Euro abwärts gehen. Gewinnmitnahmen seien daher ratsam, denn der Negativtrend könnte über Wochen anhalten.

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