- DER AKTIONÄR

Spielend reich?

Der Markt für Unterhaltungssoftware boomt. CDV Software Entertainment und Jowood gehen allerdings mit unterschiedlichen Voraussetzungen ins Rennen um Marktanteile.

Von Thomas Bergmann

Computer- und Videospiele erfreuen sich nach wie vor größter Beliebtheit. Allein der US-Markt verbuchte im letzten Jahr Softwareverkäufe in Höhe von 7,3 Milliarden Dollar - neuer Rekord! Ein weiterer Beleg ist die diesjährige Spielemesse "E3" in Los Angeles, auf der über 400 Aussteller aus 80 Ländern mehr als 1.000 Games präsentieren. In Los Angeles sind auch die deutsche CDV Software Entertainment und die österreichische Jowood dabei, die im Konzert der Großen "mitspielen" wollen.

Wie die Vergangenheit gezeigt hat, ist es aber nicht einfach, sich im Wettbewerb mit den Branchengrößen wie Electronic Arts, Take Two Interactive oder Microsoft zu behaupten. Während CDV den Gang zum Konkursrichter gerade noch verhindern konnte, kämpft Jowood ums Überleben.

CDV: Starke Marken

Beim Spielepublisher CDV hat sich die finanzielle Lage mittlerweile wieder entspannt. Im ersten Quartal 2005 erzielte das Unternehmen das fünfte Quartal in Folge ein positives Ergebnis. Die Nettoliquidität betrug per 31. März rund 1,6 Millionen Euro. Obwohl mit "Cossacks II: Napoleonic Wars" nur ein Titel veröffentlicht wurde, konnte der Umsatz im traditionell schwachen Auftaktquartal sogar leicht um 1,4 Prozent auf 3,67 Millionen Euro gesteigert werden. Dies ist für Finanzvorstand Christoph Syring, der am 1. Juli Unternehmensgründer Wolfgang Gäbler als Vorstandsvorsitzenden ablösen wird, ein Beleg dafür, dass CDV "über eine ausreichend große Anzahl von starken Marken verfügt und erhebliche Fortschritte in der effizienten Vermarktung dieser Marken über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg gemacht hat". Neben "Cossacks" ist CDV vor allem bekannt durch "Codename: Panzers", "Blitzkrieg" und "Sudden-Strike".

Ein Schnäppchen

Im Gesamtjahr 2005 rechnet Syring mit einem Umsatzwachstum von etwa zehn Prozent auf rund 19 Millionen Euro. Das EBIT soll sich um gut 14 Prozent auf 2,5 Millionen Euro erhöhen. Da CDV noch Verlustvorträge geltend machen kann, dürfte das Nettoergebnis im Bereich von 2,9 Millionen Euro beziehungsweise 1,80 Euro je Aktie liegen. Für das Jahr 2006 ist angesichts der gut gefüllten Spielepipeline ebenfalls mit einem Umsatz- und Gewinnwachstum zu rechnen.

CDV Software

 

ISIN DE0005488126
Kurs am 27.05.2005 9,98€
Empfehlungskurs 9,73€
Ziel 16,00€
Stopp 7,80€
KGV 06e 6
Chance/Risiko 4/3

 

Jowood: Am seidenen Faden

Während CDV den Turnaround bereits geschafft hat, steckt die österreichische Jowood mitten im Überlebenskampf. Das Unternehmen war 2004 nach eklatanten Managementfehlern tief in die roten Zahlen gerutscht, demzufolge Unternehmensgründer Andreas Tobler durch Dr. Albert Seidl als Vorstandschef ersetzt wurde. Um das Unternehmen zu retten, hat Seidl die Strategie neu ausgerichtet: Künftig werde sich Jowood auf wenige Spiele mit Hit-Potenzial konzentrieren und nicht wie früher reihenweise mittelmäßige Ladenhüter produzieren. Ähnlich wie CDV verfügt Jowood über attraktive Marken, wie "Gothic", "Spellforce", "Stargate" und die "Giganten"- Reihe, die ein hohes Umsatzpotenzial bergen.

Licht am Ende des Tunnels

Immerhin hat es Seidl geschafft, dass sich Jowood mittlerweile aus der eigenen Substanz heraus finanzieren kann, ohne dass Kapitalmaßnahmen nötig sind. Insbesondere durch die zuletzt erfolgreich getätigten Abschlüsse mit ausländischen Distributionspartnern flossen der Gesellschaft überlebenswichtige Mittel zu. Laut Unternehmenssprecher Matthias Rathammer muss Jowood angesichts der angespannten Liquiditätssituation aber noch einige Herausforderungen bestehen. Im Bereich der Schuldentilgung sehe man auch nach wie vor ein "Gefährdungspotenzial". Eine konkrete Prognose für das laufende Geschäftsjahr wird Vorstand Seidl in gut sechs Wochen präsentieren.

Jowood

 

ISIN AT0000747357
Kurs am 27.05.2005 1,18€
Empfehlungskurs 1,23€
Ziel 2,20€
Stopp 1,00€
KGV 06e -
Chance/Risiko 5/5

Grundverschieden

Im Vergleich der beiden Spielepublisher ist CDV Software die wesentlich risikoärmere Alternative. Die Gesellschaft ist derzeit eine der günstigsten Titel auf dem deutschen Kurszettel. Aufgrund der angespannten Liquiditätssituation ist bei Jowood ein Totalverlust nicht ausgeschlossen. Gelingt der Turnaround, ist auch eine Kursverdopplung durchaus möglich.

 

Artikel aus DER AKTIONÄR (22/05).

 

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