- DER AKTIONÄR

Spannung pur!

Von Olaf Hordenbach

Seit Jahren wird darüber spekuliert, welche deutsche Bank wohl zuerst von einem ausländischen Konkurrenten übernommen werden könnte. Doch die "Ausländer" zeigen überhaupt kein Interesse an den deutschen Geldhäusern; zu groß und zu schwerfällig, zu teuer und zu unprofitabel, so lautet ihre Diagnose.

US-Banken machen es vor

Im Glauben, zu Höherem berufen zu sein, reduzierten die deutschen Banken in den 1990er-Jahren das Geschäft mit Privatkunden und widmeten sich lieber internationalen Investmentstrategien. Beteiligungen an Enron, Worldcom & Co schienen höhere Gewinne zu versprechen als das mühsame Geschäft mit Otto Normalverdiener. Die Kehrseite dieser Strategie kam mit dem Niedergang der New Economy: Ihrer einstigen sicheren Einnahmequelle beraubt - eben dem Geschäft mit dem Kleinsparer - mussten Deutschlands Banken in den zurückliegenden Jahren kräftige Einbußen hinnehmen.

The American Way of Banking

Ganz anders die Finanzhäuser in den USA. Die Citigroup zum Beispiel erwirtschaftet einen Großteil ihrer Gewinne mit Konsumkrediten, Baudarlehen und Versicherungsprodukten. Und während in Deutschland eine Bankfiliale nach der anderen dicht gemacht wird, hat die Citigroup durch die Übernahme der Golden State Bancorp vor zwei Jahren die Anzahl ihrer US-Filialen über Nacht mehr als verdoppelt.

Jeder Kunde zählt

Jetzt soll das Geschäft mit Privatkunden ausgebaut werden, so lautet die Botschaft des neuen Commerzbank-Vorstands Achim Kassow. Und auf einer Pressekonferenz am 10. Dezember in Frankfurt führte er aus, dass das Privatkundengeschäft stabil sei und Wert schaffen würde. Zudem denke man über eine Verbreiterung des Filialnetzes nach, die auch über eine Akquisition erfolgen könnte. Rückendeckung bekommt Kassow vom Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller, der einen Zusammenschluss mit der Postbank für sinnvoll hält.

Fazit: Spannung pur. Die Commerzbank gehört in Deutschland zu den heißesten Übernahmestorys. Ob sie nun mit der Postbank fusionieren oder, wie in Frankfurt auch zu hören ist, von der HypoVereinsbank geschluckt wird, für Spannung ist auf alle Fälle gesorgt. Die Papiere sind auf dem aktuellen Niveau ein Kauf.

ISIN DE0008032004
Kurs am 22.12.2004 15,07 €
Empfehlungskurs 15,15 €
Ziel 25,00 €
Stopp 12,50 €
KGV 2005e 11
Chance/Risiko 4/2

 

Hinweis: Der Artikel ist in Ausgabe #01/05 von DER AKTIONÄR erschienen.

 

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