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Sommerrallye oder Korrektur?

Dank eines starken Dollars und US-Konjunkturdaten sprang der DAX gestern mühelos über die 4.500er-Marke und markierte ein neues 3-Jahreshoch. Technische Analysten rechnen nun jedoch mit einer Konsolidierung.

Dank eines starken Dollars und US-Konjunkturdaten sprang der DAX gestern mühelos über die 4.500er-Marke und markierte ein neues 3-Jahreshoch. Technische Analysten rechnen nun jedoch mit einer Konsolidierung.

Von Stefan Eichner

Partylaune am Frankfurter Parkett - kein Wunder, konnte der DAX doch gestern auf den höchsten Stand seit drei Jahren klettern. Zur Schlussglocke stand das Börsenbarometer bei 4.527 Punkten. Die Händler sehen insbesondere im schwachen Euro den Grund für die "Mini-Rallye" am gestrigen Mittwoch. Aber auch schwache Konjunkturdaten aus den USA - der vielbeachtete ISM-Index blieb hinter den Erwartungen zurück - kommen der Börse laut Marktbeobachtern zu Gute. Die Hoffnung sei nun gestiegen, dass die US-Notenbank die bislang erwartete Zinserhöhung abblasen könnte.

Euro weiter auf Tauchstation

Das gestrige Referendum zur EU-Verfassung in den Niederlanden war für die europäische Einheitswährung ein weiterer, kräftiger Schlag ins Gesicht. Mit 61,6 Prozent der Stimmen votierten noch weitaus mehr Wähler gegen das geplante europäische Grundgesetz als vor wenigen Tagen in Frankreich. Lediglich 38,4 Prozent der Wähler stimmten dafür. Der angeschlagene Euro gab nach der Entscheidung noch einmal deutlich nach und notiert gegen 10.45 Uhr bei 1,2276 US-Dollar.

Hoffung im Automobilsektor

Die Autobauer reiben sich angesichts der Euro-Schwäche beziehungsweise der Dollar-Stärke natürlich die Hände. Schließlich fördert diese den in den vergangenen Monaten ins Stocken geratenen Export. Auch heute stehen diese Titel im Mittelpunkt des Anlegerinteresses, nachdem gestern Abend die US-Absatzzahlen vorgelegt wurden. Diese sind höchst unterschiedlich ausgefallen: VW musste im Mai erneut einen herben Einbruch von satten 41 Prozent auf nur noch 16.300 verkaufte Einheiten in den USA verkraften. Dennoch legen die VW-Aktien um 0,35 Prozent auf 36,78 Euro zu.

Auch bei Mercedes-Benz (-2%) und BMW (-3,1 %) war der Absatz im Jahresvergleich leicht rückläufig. Allerdings profitiert der Münchener Autobauer von positiven Analystenstimmen: Die Citigroup hatte die BMW-Aktie wegen sich bessernder Margen von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 36 auf 44 Euro erhöht. Die BMW-Aktie liegt derzeit mit knapp 1,7 Prozent Plus (36,61 Euro) an der Spitze im DAX. Bei Porsche knallen unterdessen die Korken: Die Stuttgarter konnten sich der Absatzflaute nicht nur entziehen, sondern im abgelaufenen Monat sogar einen Rekordabsatz einfahren: Demnach seien im Mai 3.291 Fahrzeuge abgesetzt worden - ein Anstieg im Jahresvergleich von 25 Prozent. Knapp ein Drittel der verkauften Fahrzeuge entfiel dabei auf das Modell "Boxter". Der wohlverdiente Lohn: Die Porsche-Aktie knackte heute zwichenzeitlich die 600-Euro-Marke und markierte bei exakt 603,98 Euro ein neues All-Time-High.

Marktbeobacher treten auf die Euphorie-Bremse

Angesichts des fulminanten Anstiegs des DAX' melden sich nun die technischen Analysten zu Wort und dämpfen die Partylaune. Der Markt sei nun überkauft, eine Konsolidierung sehr wahrscheinlich, so die Experten. Konkretes Korrekturpotenzial wurde jedoch nicht genannt. Zunächst sei es wichtig, die 4.500er-Marke nachhaltig zu verteidigen.

Dem DAX ist dies ziemlich egal - zumindest heute vormittag. Er startete behauptet in den Handel und notiert zur Stunde mit 0,1 Prozent im Plus bei 4.529,85 Zählern. Hinter vorgehaltener Hand sprechen optimistische Börsianer bereits von 5.000 Punkten im deutschen Leitindex. Rallye oder Korrektur? Dies wird einmal mehr der Markt entscheiden, denn der hat ja bekanntlich immer Recht.

 

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