Solarworld
- Martin Weiß - stellv. Chefredakteur

Solarworld: "Müssen an Strafzöllen festhalten"

Solarworld-Chef Frank Asbeck hat sich vehement dafür ausgesprochen, an Strafzöllen auf chinesische Solarprodukte festzuhalten. "Sonst rollt Peking eine Industrie nach der anderen auf. Zuerst Solar, dann Maschinenbau, Telekommunikation und die Autobranche", sagte Asbeck der "Süddeutschen Zeitung".

In der Solarbranche werde es ohne die Zölle zu weiteren Pleiten in Europa kommen, und auch Solarworld müsste "sicher neue Einschnitte vornehmen", sagte der Chef des angeschlagenen Bonner Solarmodulherstellers. Wenn China sein Ziel eines von ihm dominierten Monopolmarktes erreiche, würden die Verbraucher dafür mit höheren Solarstrompreisen zahlen.

Vorwurf des Preisdumpings

Die EU wirft chinesischen Solar-Herstellern vor, ihre Produkte unter Marktwert zu verkaufen. Anfang Juni verhängte die EU-Kommission temporäre Strafzölle. Darauf antwortete China mit Ermittlungen wegen Dumpings von europäischen Stahlrohren, speziellen Chemieprodukten und sogar Wein, was Sorgen über eine Eskalation zu einem Handelskrieg auslöste. Zuletzt hatten sich beide Seiten aber optimistisch mit Blick auf eine Lösung des Solarstreits gezeigt.

Unternehmen gerettet - vorerst

Asbeck hatte Anfang der Woche einen Rettungsplan für das einstige Vorzeigeunternehmen präsentiert. Danach steigt der Investor Qatar Solar mit 35 Millionen Euro ein. Er gibt außerdem ein Darlehen von 50 Millionen Euro, Firmengründer Frank Asbeck schießt aus seinem Privatvermögen weitere zehn Millionen Euro zu.

55 Prozent der Schulden werden nicht zurückgezahlt, sondern in neue Aktien umgewandelt. Altaktien werden auf nur noch fünf Prozent des Unternehmenswertes abgewertet. Solarworld beschäftigt noch 2600 Mitarbeiter, davon rund 1700 in Deutschland. In Spitzenzeiten waren es insgesamt 3500.

Kursziel 0,10 Euro!

DER AKTIONÄR hat den vorgelegten Rettungsplan genauer unter die Lupe genommen und festgestellt: Anleger verlieren 95 Prozent ihrer Aktien!

Auch wenn der Solarworld-Kurs optisch günstig erscheint und das Unternehmen tatsächlich gerettet werden kann, verfügt die Aktie noch über Abwärtspotenzial von rund 80 Prozent (Stand: 20.6.). Für Solarworld-Aktionäre kann es daher nur heißen: Rette sich wer kann!

(mit Material von dpa-AFX)

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| Thorsten Küfner | 0 Kommentare

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