S.A.G. Solarstrom
- Alfred Maydorn - Redakteur

Solar-Desaster als Chance - die drei besten Aktien!

Mit Solaraktien haben Anleger in den vergangenen Jahren viel Geld verloren. Die Branche befindet sich inmitten einer großen Konsolidierung. Wer sie überlebt, könnte sich als echter Krisengewinner entpuppen. DER AKTIONÄR hat drei Aktien entdeckt, die hierzu in der Lage sind.

Als Kanzlerin Angela Merkel nach der Katastrophe in Fukushima im März 2011 die Energiewende proklamierte, griffen viele Anleger bei Aktien der Solarindustrie beherzt zu. Schließlich war anzunehmen, dass die Förderungen regenerativer Energien ausgebaut würden. Wie wir heute wissen, ist exakt das Gegenteil passiert. Die Minister der Schwarz-gelben Koalition veran­stal­ten seit Monaten geradezu einen Wettbewerb, wer den härtesten Kurs fährt.

Die radikalen Kürzungen der Förderungen haben viele Solarfirmen an den Rand des Ruins getrieben - einige, wie etwa Q-Cells, sogar ein Stück darüber hinaus. 

SMA Solar im Sinkflug

Fast alle deutschen Solarfirmen sind mittlerweile mehr oder weniger tief in die roten Zahlen gerutscht. Zuletzt musste auch der bisher hochprofitable Wechselrichter-Hersteller SMA Solar be­kanntgeben, dass die Zeit der Gewinne zunächst vorbei sei. SMA-Chef Pierre-Pascal Urbon machte den Aktionären wenig Hoffnung: „Im besten Fall rechnen wir 2013 mit einem ausgeglichenen operativen Ergebnis. Einen Verlust können wir zum aktuellen Zeitpunkt nicht ausschließen." Die Reaktion an der Börse war dramatisch. Der Kurs von SMA stürzte um rund 30 Prozent ab und damit auf ein neues Rekordtief.

Noch 180 Solar-Pleiten

Anleger, die nach der Fukushima-Katastrophe in Solaraktien investiert haben, sitzen mittlerweile auf Kursverlusten von bis zu 90 Prozent. So notierte Solarworld im März 2011 noch bei über zehn Euro, heute ist die Aktie für 1,40 Euro zu haben. Bleibt die Frage, ob es überhaupt noch sinnvoll ist, in eine Branche zu investieren, die geprägt ist von Pleiten, Pech und Überkapazitäten.

Die lange angekündigte Branchenkonsolidierung nimmt langsam Fahrt auf. Eine neue Studie von GTM Research kommt zu dem Ergebnis, dass es bis 2015 noch 180 Pleiten in der Solarbranche geben wird, darunter auch viele namhafte Hersteller. Einige Unternehmen dürften indes auch von größeren Mit­be­wer­bern geschluckt werden.

Rapider Preisverfall bei Modulen

Dieser Bereinigungsprozess wird mittelfristig dafür sorgen, dass sich die massiven Überkapazitäten der Branche reduzieren. Denn hier liegt das größte Problem der Solarindustrie. Vor allem durch den massiven Markteintritt der chinesischen Solarfirmen liegt die Produktionskapazität derzeit mehr als das Doppelte über der Nachfrage. Es wird einige Jahre dauern, bis sich dieses Missverhältnis abbaut.

Nicht zuletzt die drastischen Über­kapazitäten haben die Preise für Solarmodule kräftig unter Druck gebracht. 2008  mussten noch über drei Dollar pro Watt gezahlt werden. Mittlerweile liegen die Verkaufspreise bei den meisten Herstellern bei weit unter einem Dollar. Diesen rapiden Preisverfall konnte kein Her­steller mit der Absenkung der Produktionskosten ausgleichen, was zur Folge hatte, dass derzeit kaum ein Hersteller mehr kostendeckend produzieren kann. Aber zuletzt hat sich der Preisverfall zumindest verlangsamt.

Solarstrom komplett ohne Förderung

Eine positive Folge der drastisch gefallenen Preise ist allerdings, dass in vielen Regionen mit Solaranlagen erzeugter Strom mittlerweile konkurrenzfähig ist - und zwar ohne jegliche Förderung. So will etwa der deutsche Projektierer S.A.G. Solarstrom in Südspanien insgesamt vier Photovoltaik-Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von rund 440 MWp entwickeln und bauen. Der Strom wird ohne jegliche Subventionen von lokalen Energieversorgern abgenommen.

Die Produktionskosten des Sonnenstroms dürften aufgrund der neuen effektiven Module und der hohen Sonnenscheindauer bei unter 0,10 Euro pro Kilowattstunde liegen und damit deutlich unterhalb des  durchschnittlichen spanischen Haushalts-Strompreises von rund 0,21 Euro pro Kilowattstunde.

Aber selbst im sonnenarmen Norddeutschland lässt sich mit neuen Solaranlagen schon Strom für deutlich unter 0,20 Euro pro Kilowattstunde produzieren, also günstiger als die 0,25 Euro, die eine Kilowattstunde aus der Steckdose kostet. Immer mehr Kunden verbrauchen ihren Strom selbst, statt ihn ins Netz zu speisen. Der deutsche Solarmodulbauer Centrosolar bietet mittlerweile intelligente Strom-Managementsysteme an, die den Eigenstromverbrauch auf über 30 Prozent erhöhen können.

Die neuen Solar-Märkte

Solarenergie ist in vielen Teilen der Welt bereits ohne Förderung ökonomisch, insbesondere in den neuen, großen Wachstumsmärkten China, den USA oder Indien. In diesen Nationen liegt der Photovoltaik-Anteil an der Strom­produktion bei unter 0,1 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland sind es  be­reits deutlich über drei Prozent. Jedes dritte weltweit produzierte Solarmodul ist auf deutschen Dächern oder Äckern installiert. Aber das Potenzial in den neuen Solarmärkten ist um ein Vielfaches größer als im flächenmäßig kleinen und  verregneten Deutschland.

Groß, größer, First Solar

Zuletzt ließ insbesondere der US-Konzern First Solar mit zahlreichen neuen Großprojekten aufhorchen. Nicht nur auf dem heimischen US-Markt, sondern auch in Indien, Indonesien, Australien und vielleicht bald so­gar in China entwickelt und bestückt First Solar große Projekte mit einer Leistung von bis zu 1.000 Megawatt. Kaum ein anderer Solarkonzern ist in der Lage, gleichzeitig das Know-how der Erstellung als auch die große Menge an Solarmodulen zu liefern.

Die Aktie von First Solar notiert trotz der jüngsten Kursrallye noch immer 90 Prozent unter dem im Jahr 2008 erreichten Rekordhoch von über 300 Dollar. First Solar ist derzeit der einzige Modul­pro­­duzent, der schwarze Zahlen schreibt - und darüber hinaus mit einem 2013er-KGV von 6 attraktiv bewertet ist.

Vorteile Centrosolar, S.A.G. Solarstrom

Unter den deutschen Solarunternehmen sind weiterhin der Modulbauer Centrosolar und S.A.G. Solarstrom interessant. Beide Unternehmen erzielen rund 70 Prozent ihrer Umsätze im Ausland, sind also relativ unabhängig vom zu­künftig eher schwierigen deutschen So­larmarkt. Centrosolar ist durch eine eigene Solartochter zudem auf dem besonders interessanten US-Markt vertreten. Die Aktie ist weiterhin ausgesprochen attraktiv bewertet.

Das neue Großprojekt von S.A.G. Solarstrom in Spanien zeigt, dass Solarstrom mittlerweile auch ohne jegliche Förderung wirtschaftlich ist. Hier könnte es demnächst zu Folgeaufträgen kommen.

Mutige greifen zu

Die Konsolidierung in der Solarbranche wird noch länger andauern. Aber einige Firmen dürften das Schlimmste bereits hinter sich haben und könnten sich als die großen Gewinner der Krise entpuppen. Denn der gesamte Markt wird in den kommenden Jahren weiter dynamisch wachsen. Mutige Anleger greifen jetzt bei ausgewählten Aktien zu.


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