- DER AKTIONÄR

Smarte Typen

Smartphones sind in Mode. Vor allem die von Research in Motion. Im dritten Quartal konnte der Smartphone-Hersteller gegenüber dem Vorjahr sowohl den Umsatz als auch den Gewinn verdoppeln. Ist die Aktie der Kanadier daher eher ein Investment wert als die von Branchenpionier Palm?

Smartphones sind in Mode. Vor allem die von Research in Motion. Ist die Aktie der Kanadier daher eher ein Investment wert als die von Branchenpionier Palm?

Die vergangenen Monate dürfte man beim kanadischen Unternehmen Research in Motion (RIM) mit viel Wohlwollen zur Kenntnis genommen haben: Im dritten Quartal konnte der Smartphone-Hersteller gegenüber dem Vorjahr sowohl den Umsatz als auch den Gewinn verdoppeln. Die Erwartungen schlug der Konzern aus Ontario damit deutlich. Zudem gab Co-Chef Jim Balsillie bekannt, dass sein Unternehmen für das laufende Schlussquartal 2008 mit einem Umsatz zwischen 1,8 bis 1,87 Milliarden Dollar sowie einem Nettogewinn zwischen 66 bis 70 Cent pro Aktie rechne – was ebenfalls wieder über den Erwartungen der Analysten der Wall Street liegen würde.

Balsillies Optimismus kommt nicht von ungefähr. Immerhin war in den Zahlen des dritten Jahresviertels, das am 30. November endete, ein Großteil des Ergebnisses aus dem starken Weihnachtsgeschäfts 2007 noch gar nicht inbegriffen. Und in diesem waren nach Angaben von Einzelhändlern wie Amazon.com vor allem elektronische Geräte der Renner. So zum Beispiel die kultigen Smartphones aus der Blackberry-Reihe von Research in Motion.

Kleine Alleskönner

Mit Smartphones bezeichnet man Mobiltelefone, welche die Funktionen eines Handys mit denen eines Personal Digital Assistant, kurz PDA vereinen. Mit einem Smartphone kann sein Nutzer nicht einfach nur telefonieren, sondern auch Termine, Adressen und Aufgaben verwalten.
Das New Yorker Marktforschungsunternehmen ABI Research sieht Research in Motion mit einem geschätzten Marktanteil von rund zehn Prozent bereits jetzt als zweitgrößten Smartphone-Produzenten weltweit an, der damit unter anderem Namen wie Motorola hinter sich lässt. Lediglich der unangefochtene finnische Branchenprimus Nokia liegt nach Angaben von ABI vor den Kanadiern.
Die wachsende Nachfrage nach den Geräten von Research in Motion macht sich denn auch am Kursverlauf der Aktie bemerkbar: Mit einem Kursplus von mehr als 160 Prozent war die Notierung der Kanadier einer der größten Gewinner im vergangenen Börsenjahr.

Palm enttäuscht Aktionäre

So gut es bei Research in Motion in den vergangenen Monaten lief, so schlecht war die Entwicklung bei dessen US-amerikanischem Wettbewerber Palm. Auch hier genügt ein Blick auf den Aktienchart: Das Palm-Papier verlor im Jahresverlauf 2007 rund 55 Prozent an Wert. Dass Palm die Börse im Dezember mit schlechten Quartalszahlen negativ überraschte, ist dabei nur die jüngste von vielen Enttäuschungen, die man als Aktionär des Unternehmens aus dem kalifornischen Sunnyvale in den letzten Jahren verkraften musste. Das Verschlafen von Innovationen, eine wenig zufriedenstellende Produktpolitik – so wurde etwa der Verkaufsstart eines Linux-Geräts im vergangenen Juli auf dieses Jahr verschoben – und kostenintensive Umstrukturierungen führten dazu, dass Palm kontinuierlich Marktanteile abgab. Der Rutsch in die Verlustzone war die Folge. Abhilfe sollte zwar eine Finanzspritze in Höhe von 325 Millionen Dollar schaffen, die im Juni von der Investmentgesellschaft Elevation Partners kam. Doch auch sie ließ bislang keine Besserung erkennen. Mittlerweile haben sogar einige Schwarzseher über ein mögliches Ende von Palm spekuliert.

Dabei galt Palm zu Zeiten des IT-Hypes um die Jahrtausendwende als Vorreiter bei Handheld-Geräten und wurde dementsprechend hoch an der Börse gehandelt. Heute ist der Konzern weit davon entfernt. Mit einer Marktkapitalisierung von gerade einmal 660 Millionen Dollar ist er nur etwa ein Hundertstel von dem wert, was Research in Motion auf die Börsenwaage bringt.

Fazit

Bei einem Duell zwischen Research in Motion und Palm sprechen zurzeit nicht nur Größe und Momentum für die Kanadier. Deren Aktie bietet nämlich auch Wachstumsfantasie: Die Absatzmärkte in China, Russland und Indien erschließt Research in Motion gerade erst. Aus diesem Grund muss man auch bei einem Investment in die Aktie ein vergleichsweise üppiges 2008er-KGV von 33 in Kauf nehmen. Wer sehr mutig ist, kann zwar auch auf einen Turnaround bei Palm spekulieren. Derzeit überwiegen bei einem Engagement in die Aktie der Kalifornier jedoch ganz klar die Risiken. Damit die Aktie wieder bessere Zeiten sieht, müssten erstmal die angestrebten Umstrukturierungen greifen und die Firma auch einmal für positive Überraschungen sorgen.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 03/2008.

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