Siemens
- DER AKTIONÄR

Siemens beschädigt

Das einstige deutsche Vorzeigeunternehmen Siemens ist in einer schweren Krise. Während die Korruptionsaffäre immer größere Ausmaße annimmt, schockt der Konzern nun mit einer Gewinnwarnung für das laufende Geschäftsjahr.

Gescheiterte Projekte im Kraftwerksbau und der Zugsparte, die hohen Sanierungskosten für das zum Verkauf stehende Telefonanlagengeschäft SEN, Probleme in der IT-Sparte – die Liste der Verfehlungen ist länger als viele Analysten im Vorfeld der Bilanzpressekonferenz befürchteten. Letztlich brach der Gewinn im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2007/08 um zwei Drittel auf 412 Millionen Euro ein. Analysten hatten im Schnitt mit 451 Millionen Euro gerechnet. Vorstandschef Peter Löscher hat darüber hinaus die Ziele für das Gesamtjahr nach unten korrigiert.

Desaströses zweites Quartal

Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres brach neben dem Gewinn auch das operative Ergebnis deutlich auf 1,2 Milliarden Euro (-32 Prozent ) ein. Der Umsatz ist hingegen um zwei Prozent auf 18,1 Milliarden Euro gewachsen. Trotz eines hohen Auftragseingangs auf 23,4 Milliarden Euro (+15 Prozent) rechnet Siemens-Chef Peter Löscher lediglich mit einem operativen Ergebnis auf Vorjahresniveau. Der Umsatz soll im Gesamtjahr doppelt so stark wachsen wie die Weltwirtschaft. Aufgrund neuer Pannen bei den Comino-Straßenbahnen und ausufernder Kosten beim Transrapid-Projekt in Schanghai rutschte die Bahnsparte ebenso in die roten Zahlen wie die Kraftwerkssparte, die unter Verzögerungen bei der Projektabwicklung litt. In der Sparte IT-Dienstleistung stiegen zudem die Verluste auf 857 Millionen Euro. Die Belastungen aus dem Konzernumbau und den Folgen der Korruptionsaffäre beziffert das Unternehmen auf 506 Millionen Euro. Trotz der schwachen Daten kann die Aktie aktuell leicht zulegen. Bei der Gewinnwarnung im März hatten die Münchner noch schärfere Einschnitte in Aussicht gestellt.

Kein genauer Ausblick möglich

Die großen Unbekannten - wie die Kosten aus der Korruptionsaffäre, dem Stellenabbau und der laufenden Umbauprogramme - liegen wie ein Damoklesschwert über dem Siemens-Konzern. Erst wenn im Bestechungsskandal Ross und Reiter genannt werden, sind die finanziellen Auswirkungen auf Deutschlands größten Industriekonzern absehbar. Da die negativen Meldungen aber größtenteils im Kurs eingepreist sein sollten, können risikobereite Anleger auf ein Comeback der Siemens-Aktie in den nächsten Monaten wetten.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema: