Siemens
- Werner Sperber - Redakteur

Siemens’ Osram geht kein Börsenlicht auf

Im Herbst sollte Osram, die Lichttechnik-Tochterfirma von Siemens, an die Börse gehen. Dieses Vorhaben scheint der Vorstand von Siemens nun auf unbestimmte Zeit verschoben zu haben. Osram braucht allerdings Geld, um zu investieren. Siemens steht vor einem Dilemma.

Das Wort "Dilemma" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "zweigliedrige Annahme" oder auf deutsch "Zwickmühle". Gemeint ist eine Situation, die zwei Wahlmöglichkeiten bietet, wobei beide zu einem unerwünschten Resultat führen. Peter Löscher, Vorstandsvorsitzender von Siemens, befindet sich in einer solchen Zwickmühle. Er möchte die Lichttechnik-Tochterfirma Osram in diesem Herbst an die Börse bringen und dabei den Anteil von Siemens auf weniger als 50 Prozent senken. Doch der Erlös aus diesem Initial Public Offering (IPO) dürfte aufgrund der Marktsituation niedriger sein, als die von Löscher gewünschten bis zu drei Milliarden Euro. Der Technologiekonzern aus München könnte Osram auch im Firmenverbund behalten. Doch dann müsste Siemens eine Menge frisches Geld ausgeben, denn Osram möchte in den kommenden Jahren in den Ausbau des Geschäfts mit LEDs (light emitting diods, Leuchtdioden) investieren. 

Entscheidung noch in dieser Woche

Wenn Osram jetzt an die Börse gebracht würde, hieße das Geld zu vernichten, verlautet aus dem Siemens-Konzern. Die Süddeutsche Zeitung beruft sich auf informierte Finanzkreise, wonach das IPO von Osram deswegen auf unbestimmte Zeit verschoben würde. Noch in dieser Woche könnte der Vorstand entscheiden. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert ebenfalls Kreise, und berichtet, Siemens würde im Frühjahr einen neuen Anlauf nehmen. Siemens selbst hält offiziell an den IPO-Plänen fest. Finanzvorstand Joe Kaeser hatte auch die Möglichkeit einer Abspaltung von Osram und die Ausgabe von Osram-Aktien an die Siemens-Aktionäre ins Gespräch gebracht. Nach Ansicht der Kreise stehe das derzeit nicht im Vordergrund.

Günstig, aber abwarten

Insgesamt haben die Analysten ihre Schätzungen für den Gewinn je Aktie für die Ende September ablaufenden Geschäftsjahre 2010/11 bis 2012/13 erneut deutlich gesenkt. Nun erwarten sie Beträge von 7,74 Euro, von 7,46 Euro und von 8,03 Euro. Das entspräche Kurs-Gewinn-Vielfachen von 8, von 9 und von erneut 8. Trotz dieser günstigen Bewertung sollten Anleger vor einem Neueinstieg eine Bodenbildung im Chart der Siemens-Aktie abwarten.

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