Siemens
- Maximilian Völkl

Siemens: Der Abspaltungskönig

Joe Kaeser hat seinen Vertrag als Vorstandschef von Siemens vorzeitig bis 2021 verlängert. Damit kann er seine „Vision 2020“ selbst vollenden. Kaeser strebt – auch gegen den Widerstand des Aufsichtsrats – einen Umbau des Indus­trieriesen an. Das Ziel: Die einzelnen Sparten sollen eigenständig arbeiten und die Mutter zu einer Art Finanzholding mit zahlreichen Beteiligungen werden.

Viel Erfahrung bei Siemens

Siemens hat viel Erfahrung mit Abspaltungen. Sei es Infineon per IPO, Osram als Geschenk an die Aktionäre oder die Fusion der Windkraftsparte mit dem spanischen Wettbewerber Gamesa: Immer wieder hat sich der Industriekonzern in der Vergangenheit von einzelnen Bereichen getrennt, um sein Portfolio zu schärfen oder neu auszurichten.

Die Windtochter Gamesa, an der Siemens noch 59 Prozent hält, hat zwar einen Fehlstart an der Börse hingelegt. Langfristig verspricht Kaesers Strategie aber Erfolg. So liegen die nächsten Pläne bereits in der Schublade. Die Mobilitätssparte könnte mit dem kanadischen Wettbewerber Bombardier fusionieren und für den Börsengang der Medizintechniktochter Healthineers wurden erstmals konkrete Pläne genannt.

Margenstarke Tochter

Healthineers-Vorstand Michael Sen hat bestätigt, dass im ersten Halbjahr 2018 ein IPO geplant ist. Das bedeutet: Die Altaktionäre bekommen keine Anteile, vielmehr werden Papiere bei neuen Anlegern platziert. Siemens will einen signifikanten Anteil an die Börse bringen, um finanzkräftige Investoren anzulocken, die Kontrolle soll aber beim DAX-Konzern verbleiben. Offen ist noch, ob die Notierung in Frankfurt oder New York erfolgt. Da viele Peergroup-Unternehmen aber in den USA gelistet sind und dort hohe Bewertungen erreichen, scheint das Management die Wall Street zu bevorzugen.

Bei einer Notierung in Deutschland wäre Healthineers sogar auf Anhieb ein DAX-Kandidat. Laut Morgan Stanley kommt die Sparte auf einen Enterprise Value von 34,8 Milliarden Euro – die Medizintechnik wäre damit der wertvollste Bereich von Siemens. Bei einem Umsatz von 3,4 Milliarden Euro und einer EBIT-Marge von 17,2 Prozent im dritten Quartal dürfte Healthineers sehr begehrt sein. Zum Vergleich: Der Wettbewerber Medtronic kommt auf eine Bewertung von 97,1 Milliarden Euro – bei Erlösen von 25,2 Milliarden Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr und einer operativen Marge von 17,9 Prozent. Für Healthineers wäre demnach sogar eine Bewertung von etwa 45 Milliarden Euro gerechtfertigt.

Bombardier-Fusion rückt näher

Der zweite Abspaltungskandidat ist die Mobilitätssparte. Nachdem in China mit CRRC ein starker Weltmarktführer geformt wurde, müsse „man eine starke Nummer 2 bauen“, so Kaeser. Gemeinsam mit Bombardier könnte der Bereich in zwei Teile aufgespalten werden – das Zuggeschäft unter Kontrolle von Bombardier und die Signaltechnik mit einer deutlichen Mehrheit bei Siemens. Hohe kartellrechtliche Hürden müssen zwar noch geklärt werden, aus Sicht der Aktionäre wäre eine Fusion langfristig aber in jedem Fall wünschenswert.

Die richtige Strategie

Langfristig sind die Aussichten für die aktionär-Altempfehlung Siemens glänzend. Die Abspaltungen und die starke Digital Factory verleihen Fantasie. Aktuell ist das Chartbild aber angeschlagen. Neueinsteiger können deshalb die Trendwende abwarten. Healthineers selbst sollten Anleger beim Börsengang ebenfalls weit oben auf dem Kurszettel haben.

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