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Die Wellen nach den erneuten Viren- und Wurmattacken im Internet schlagen hoch. Anbieter von Sicherheits-Software haben Hochkonjunktur. Doch welche Unternehmen profitieren von der Invasion?

Die Wellen nach den erneuten Viren- und Wurmattacken im Internet schlagen hoch. Anbieter von Sicherheits-Software haben Hochkonjunktur. Doch welche Unternehmen profitieren von der Invasion?

Von Ingo Hübner

Verschwörungstheoretiker mochten dereinst glauben, dass die Anbieter von Sicherheitssoftware ihr eigenes Geschäft mit selbstgebastelten Viren, Trojanern und Würmern in Schwung brachten. Doch dieses Bild ist längst von der Realität überholt. Wer erinnert sich nicht an den Jugendlichen aus Niedersachsen, der im vergangenen Jahr mit seiner Kreation des "Sasser"-Virus für einige Tage beinahe die ganze Welt in Atem hielt? Aktuell zieht eine Variante des - nicht minder gefährlichen - "Sober"-Virus ihre Kreise, die wieder einmal dazu benutzt wird Nazi-Parolen im Netz zu verbreiten. Keine Frage, die Flut von Viren- und Spam-Mails hat ungekannte Ausmaße erreicht, ganz zu schweigen von der zunehmenden Internet-Kriminalität.

Virenprogramme und Firewalls sind wichtiger denn je, will man die Freiheit, die das Internet ja eigentlich bietet, noch einigermaßen ungestört genießen. Die Probleme sind hinlänglich bekannt und Experten rechnen damit, dass das Thema Sicherheit zukünftig an Bedeutung gewinnt - die Internet-Kriminalität steckt ja noch immer sozusagen in ihren Kinderschuhen. Für die Anbieter entsprechender Software, beispielsweise McAfee und Symantec, verspräche dieser Umstand eigentlich goldene Zeiten - vor allem wenn man bedenkt, wie sorglos sich viele Computerbesitzer noch immer im Internet bewegen. Laut einer Studie des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik ist in Deutschland immerhin noch jeder Vierte ganz ohne Virenschutzprogramm im Netz unterwegs. Nur die Hälfte der Internetnutzer verwendet eine Firewall zur Kontrolle des ein- und ausgehenden Datenverkehrs. Dementsprechend rechnet das Markforschungsinstitut IDC für 2007 mit einem weltweiten Marktvolumen für Sicherheits- und Datenschutzsoftware von 56 Milliarden Dollar. Das ist etwa 50 Prozent mehr als heute.

Schöne Gewinne, schwache Kurse

Zurück zu den eigentlich goldenen Zeiten. Branchenprimus Symantec hat gerade sein Jahresergebnis (bis März) veröffentlicht. Der Konzern erwirtschaftete Umsätze in Höhe von 2,6 Milliarden Dollar, was gegenüber dem vorangegangenen Geschäftsjahr einem Plus von 38 Prozent entspricht. Der Gewinn belief sich auf 536 Millionen Dollar, nach 371 Millionen Dollar im Jahr zuvor. Ähnlich beeindruckende Wachstumsraten verzeichnet Mitbewerber McAfee - Mitte Mai hat das Management zudem die Prognose für das Jahr 2005 angehoben - und auch die bedeutend kleinere Internet Security Systems. Die Aktienkurse von McAfee und Internet Security Systems hinken der wirtschaftlichen Entwicklung der Unternehmen allerdings deutlich hinterher. Und der Symantec-Aktie hat die im Dezember bekannt gegebene Fusion mit Veritas das Genick gebrochen. Symantec war der Deal 13,5 Milliarden Dollar wert und das war den Aktionären offensichtlich zu viel. Auf der Suche nach Gründen für die schwache Kursentwicklung in der Branche lassen sich mehrere Erklärungsansätze finden. So war die Branche schon in der Vergangenheit recht stattlich bewertet. Hinzu kam, dass die hohen Wachstumsraten, die sich viele Investoren aufgrund der zunehmenden Virenbedrohungen von den Unternehmen erhofften, nicht eintraten. Schließlich werden auch immer wieder Befürchtungen laut, wonach kostenlose Shareware den teuren Programmen von Symantec und Co. den Rang ablaufen könnte. Vor kurzem erst hat Microsoft angekündigt, ein eigenes, kostenloses Sicherheitstool für Windows zu entwickeln. Doch diese Gefahren sollten nicht überbewertet werden. Die Software der Sicherheitsspezialisten ist wesentlich ausgeklügelter, nicht umsonst greifen Firmen und öffentliche Einrichtungen im Zweifelsfall auf deren Expertise zurück.

Mit Sicherheit spekulieren

Mit Blick auf die Zukunft der Sicherheitsspezialisten ergibt sich ein eher positives Bild: Viren- und Spam-Attacken wird es immer wieder geben, genauso wie unvorsichtige Internetuser. Vor diesem Hintergrund wartet auf Symantec und Co. auch zukünftig genug Arbeit. der aktionär favorisiert McAfee, die nach zweimaligen Anheben der Prognose nun ein Gewinnwachstum von rund 100 Prozent für dieses Jahr in Aussicht gestellt haben. Auf Symantec lastet noch immer der Zusammenschluss mit Veritas, der bis Mitte des Jahres aber über die Bühne gebracht sein soll - mittelfristig hat dann auch dieses Papier Potenzial. Ebenso wie die Aktie von Internet Security Systems, die in den letzten Monaten stark unter die Räder gekommen ist. Das in Aussicht gestellte Gewinnwachstum von knapp 40 Prozent im aktuellen Geschäftsjahr schafft Kursfantasie.

Artikel aus DER AKTIONÄR (22/05)

 

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