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SHL Telemedicine - Trendwende!

Der Sparzwang im Gesundheitswesen spielt der Telemedizin in die Karten. Einer der Profiteure ist die israelische Firma SHL. Anleger sollten mit einigen Stücken als Depotbeimischung dabei sein.

Der Sparzwang im Gesundheitswesen spielt der Telemedizin in die Karten. Einer der Profiteure ist die israelische Firma SHL. Anleger sollten mit einigen Stücken als Depotbeimischung dabei sein.

Von Frank Phillipps

Im November 2000 ging das israelische Unternehmen SHL Telemedicine an die Schweizer Börse. Fast 55 Schweizer Franken war das Papier damals wert. Doch dieses Niveau hat der Kurs danach nie wieder gesehen. Im Gegenteil, die Baisse an den Aktienmärkten zwischen 2000 und 2003 führte den Kurs im Tief auf vier Schweizer Franken zurück - ein Verlust von fast 93 Prozent. Seit Herbst 2004 allerdings stehen die Zeichen auf Trendwende.

In den USA auf dem Vormarsch

Bei SHL Telemedicine ist der Name Programm: Das Unternehmen aus Tel Aviv bietet Geräte zur Fernüberwachung von Herz- und Lungenfunktion an. Zudem betreibt SHL Telemedicine medizinische Call-Center, die die Daten aus der Herz- und Lungenüberwachung sammeln und auswerten. Vor allem in den USA erfreuen sich die Geräte wachsender Beliebtheit. Nicht von ungefähr konnte SHL Telemedicine zu Beginn des Jahres einen spektakulären Deal mit der Firma St. Jude Medical einfädeln: Gemeinsam mit Amerikas führendem Hersteller von mechanischen Herzklappen (Marktanteil: 80 Prozent) wird SHL ein System zur Überwachung und Kontrolle von Blutwerten bei Herzpatienten vermarkten. Da zu dünnes oder zu dickes Blut die Funktionalität der Herzklappen beeinträchtigt, muss das Blut regelmäßig kontrolliert werden. Die Patienten müssen dafür nun nicht mehr eine Klinik oder eine Arztpraxis aufsuchen. Sie können die Tests zu Hause durchführen. Die US-Krankenversicherer Medicaid und Medicare haben das System bereits in ihren Leistungskatalog aufgenommen.

Neue Perspektiven

Die Zusammenarbeit mit St. Jude Medical eröffnet SHL Telemedicine neue Wachstumsperspektiven, die auch dringend benötigt werden. Denn das Unternehmen steckt immer noch in einer Phase des Umbaus. Sinkende Margen aus dem Produktverkauf und der Ausstieg des Partners Philips Medical Systems aus einem Gemeinschaftsprojekt im Jahr 2003, mit dem der europäische Markt erschlossen werden sollte, zwingen SHL Telemedicine zur Neuorientierung. Der Konzern verstärkt nun seine Anstrengungen beim Ausbau von Call-Centern. Diese Dienstleistung verspricht höhere Margen als der reine Verkauf medizinischer Geräte.

Einstieg in Deutschland

Auch in Europa will sich SHL nun endlich durchsetzen - und setzt auf den Sparzwang in den Gesundheitssystemen. Die EU schätzt, dass sich durch mobiles Patientenmanagement zwischen zehn und 30 Prozent der jährlichen Krankheitskosten bei chronisch kranken Patienten einsparen lassen. Bei über 20 Millionen chronisch Kranken alleine in Deutschland würde dies Einsparungen in Milliardenhöhe bedeuten. Einer der attraktivsten Märkte für Telemedizin ist Deutschland. Hier hat SHL Telemedicine in der jüngeren Vergangenheit deutliche Fortschritte gemacht: Im Frühjahr 2005 vereinbarten die Israelis eine Kooperation mit der Betriebskasse Taunus, im Juni kam eine Exklusivvereinbarung mit der Deutschen BKK hinzu. Deren Versicherte, die an chronischen Herzerkrankungen leiden, wird SHL mit Überwachungsgeräten ausstatten. Der Erlös dieser Zusammenarbeit soll sich bereits im vierten Quartal im Ergebnis niederschlagen.

Spekulativ kaufen

Für das laufende Jahr peilen die Verantwortlichen ein Wachstum im zweistelligen Bereich an. Nach einem Verlust von 1,4 Millionen Euro im Vorjahr wird für 2005 das Erreichen der Gewinnschwelle erwartet. Die Aktien sind als spekulative Depotbeimischung in kleineren Stückzahlen auch in Deutschland handelbar.

Exkurs: Telemedizin - ein Markt mit Zukunft

Unter Telemedizin versteht man die elektronische Übertragung medizinischer Daten (Befunde, Röntgenbilder etc.) über große Entfernungen. Sie erlaubt die ständige Überwachung von Risikopatienten. Kontrollgeräte für Herzpatienten und Diabetiker messen zu Hause oder unterwegs lebenswichtige Körperfunktionen wie Blutdruck, Herzfrequenz und Blutzucker. Die Daten gehen direkt an ein medizinisches Call-Center. Geben sie Grund zur Besorgnis, wird unverzüglich Hilfe eingeleitet. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Daten werden schnell und kostengünstig übermittelt - ein Umstand, der in Zeiten klammer Krankenkassen eine rasante Entwicklung in diesem Markt verspricht.

 

SHL Telemedicine

 

ISIN IL0010855885
Kurs am 08.08.2005 5,05€
Empfehlungskurs 5,00€
Ziel 7,50€
Stopp 3,80€
KGV 06e -
Chance/Risiko 4/3

Artikel aus DER AKTIONÄR (32/05).

 

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