- DER AKTIONÄR

Schweigen ist Gold

Für ihre Diskretion werden Schweizer Banken weltweit geschätzt. Sind eidgenössische Online-Broker auch eine Alternative für deutsche Anleger? DER AKTIONÄR hat nachgeforscht.

Für ihre Diskretion werden Schweizer Banken weltweit geschätzt. Sind eidgenössische Online-Broker auch eine Alternative für deutsche Anleger? DER AKTIONÄR hat nachgeforscht.

Von Markus Horntrich

Seit dem 1. April 2005 gibt es in Deutschland praktisch kein Bankgeheimnis mehr. Mit dem "Gesetz zur Förderung der Steuerehrlichkeit" hat die rot-grüne Bundesregierung das Bankgeheimnis faktisch abgeschafft. Finanzbeamten und Beschäftigten der Sozialbehörden ist es nun möglich, bei jeder Bank in Deutschland Girokonten, Sparbücher, Festgeldkonten und Aktiendepots deutscher Bankkunden abzurufen.

So mancher Anleger liebäugelt vor diesem Hintergrund mit einem Wechsel zu einem Schweizer Discountbroker. Das Schweizer Nummernkonto gilt als Synonym für Diskretion im Bankgeschäft und ist der Hauptgrund für ein Konto in der Schweiz.

Schweizer Diskretion

Grundsätzlich ist eine Kontoeröffnung bei einer Schweizer Direktbank für deutsche Kunden kein Problem. Sie erfolgt prinzipiell ähnlich wie in Deutschland durch Kontakt über das Internet oder Telefon, gefolgt von einem Identifikationsverfahren. Während hierzulande die Feststellung der Identität der Kunden per Post-Ident-Verfahren über die Filialen der Deutschen Post AG üblich ist, weicht die Praxis bei den Eidgenossen je nach Anbieter ab. Mitunter ist dann eine Beglaubigung des Personalausweises durch einen Notar, eine Bank oder ein Amt notwendig. Sind die bürokratischen Hürden aber erst einmal genommen, steht dem "diskreten" Handel mit Aktien in der Schweiz nichts mehr im Wege.

Teuer mit viel Aufwand

Wer sich die Schweizer Verschwiegenheit sichern will, muss jedoch im Vergleich zu deutschen Onlinebrokern deutlich tiefer in die Tasche greifen. der aktionär hat die Konditionen der zwei größten Schweizer Direktbanken, Swissquote und trade-net.ch, verglichen: Mit rund 43.000 Kunden ist Swissquote der unangefochtene Marktführer in der Alpenrepublik, gefolgt von trade-net.ch mit knapp 17.000 Kunden. Daher kann Swissquote auch etwas günstigere Preise bieten. Eine Order auf Xetra über 5.000 Euro etwa kostet 35,85 Euro. Bei trade-net.ch müssen 5,17 Euro mehr berappt werden. Hinzu kommt bei beiden noch die Stempelgebühr für ausländische Aktien von 0,15 Prozent. Zum Vergleich: CortalConsors verlangt für eine entsprechende Xetra-Order lediglich 18,40 Euro, also rund die Hälfte. Wer sein Konto zudem als Nummernkonto führen will, muss bei Swissquote eine zusätzliche Jahresgebühr von 180 Euro entrichten.

Die Gebühren sind allerdings nicht die einzigen Unannehmlichkeiten, die ein Konto in der Schweiz bereitet. Im Gegensatz zu deutschen Banken stellen die Schweizer keine Jahressteuerbescheinigung aus. Wer also einbehaltene Kapitalertragssteuern angerechnet bekommen will, muss bei der Steuererklärung selbst den Taschenrechner bemühen. Es ist allerdings fraglich, ob deutsche Kunden bei Schweizer Banken überhaupt daran interessiert sind, dem hiesigen Fiskus einen Einblick in die "stillen Reserven" zu gewähren.

Nur bedingt lohnenswert

Unter dem Strich lässt sich festhalten, dass ein Konto in der Schweiz zwar aus Diskretionsgründen einen großen Vorteil hat, dieser Vorteil jedoch auch teuer bezahlt werden muss. Für Anleger, die brav ihre Gewinne versteuern, lohnt sich ein Depot in der Schweiz kaum.

 

Artikel aus DER AKTIONÄR (32/05).

 

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