- Thomas Bergmann - Redakteur

Schnelle Performance an der Börse (Teil 2)

Das Börsenjahr 2018 ist eines zum Vergessen. Nach sechs Jahren mit steigenden Kursen – der längsten Gewinnserie seit den 1980er-Jahren – macht der DAX in diesem Jahr ein kräftiges Minus. Während die Aktien nur fielen, konnten Trader mit Hebelprodukten an den fallenden Kursen mitverdienen.

DER AKTIONÄR stellt vor diesem Hintergrund noch einmal die wichtigsten Gattungen an Hebelprodukten vor. Ferner gibt es einen Leitfaden für ein sinnvolles Risikomanagement bei Turbo-Optionsscheinen. Zum Abschluss erfahren Sie, in welchen Phasen welches Hebelprodukt am besten geeignet ist. Heute geht es um das Thema Risiko- und Money-Management bei Turbo-Optionsscheinen.

Viele Trader kennen die Situation: Man hat einen Lauf, mehrere Trades hintereinander gehen auf – die Gewinne sprudeln. Im Gefühl der Unbesiegbarkeit werden die Positionen größer, der Hebel auch. Es kommt, wie es kommen muss. Einmal auf das falsche Pferd gesetzt, sind die Gewinne wieder weg. Meist hat man unter dem Strich sogar noch Geld verloren.

Nie ohne Stopp!

Wer mit Hebelprodukten hantiert, sollte sich daher an ein paar grundlegende Risiko- und Money-Management-Regeln halten. Beim Risikomanagement geht es darum, etwaige Verluste von vornherein zu begrenzen, indem die Positionen mit einem entsprechenden Stoppkurs abgesichert werden. Nur wer seine Werte ständig im Blick hat, kann es sich vielleicht erlauben, keine zu setzen. Wer das nicht kann, muss mit Stoppkursen arbeiten, denn wegen der Hebelwirkung können die Verluste sehr schnell sehr hoch ausfallen. Bricht eine Position zum Beispiel um 50 Prozent ein, müsste sie sich im Anschluss verdoppeln, um wieder den Einstands­kurs zu erreichen. Das Money-Management befasst sich hingegen mit der Positionsgröße. Wie viele Scheine darf ich kaufen, wenn ich mein vorher definiertes Risiko kenne.

Die 1-Prozent-Regel

Doch wie viel Risiko ist gesund? Viele Trader handeln nach der 1-Prozent-Regel, das heißt, sie riskieren mit einem Trade maximal ein Prozent ihres Depots. Die einfache Überlegung: So lässt sich auch einmal eine lange Verlustserie gut überstehen. Bei einem 10.000-Euro-Depot dürfte der Trader nach dieser Regel pro Position 100 Euro verlieren.

Flexible Positionsgrößen

Viele Trader neigen aber noch dazu, einen gewissen Festbetrag pro Position einzusetzen. der aktionär rät davon ab, weil das spezifische Verlustrisiko des jeweiligen Basiswerts hierbei unberücksichtigt bleibt. So ist eine Aktie aus dem DAX oder dem Dow Jones in der Regel weniger volatil als Papiere aus dem MDAX oder dem Technologiesektor. Das sollte man bei der Bestimmung der Positionsgröße berücksichtigen.

DER AKTIONÄR empfiehlt Tradern eine andere Vorgehensweise, bei der die Positionsgröße flexibel gehalten wird. Hierbei ermittelt man im Vorfeld eines Kaufs ein Stopplevel und berechnet aus dem maximal zulässigen Verlust pro Optionsschein im Anschluss die Stückzahl und somit auch die Positionsgröße.

Der Vorteil liegt auf der Hand. Der Trader passt sich den Marktgegebenheiten an. Bei einem volatilen Basiswert wird ein weiterer Stopp gesetzt, dafür fällt die Position relativ klein aus. Sind enge Stopps möglich, kann pro Position mehr Geld eingesetzt werden. In beiden Fällen verliert der Anleger aber nie mehr als das eine Prozent des Depots.

Ein weiterer Vorteil dieser Vorgehensweise: Aufgrund des Zinseszinseffekts passt sich der riskierte Betrag dynamisch an. Wächst das Depot, kann der Trader nach der 1-Prozent-Regel mehr Kapital pro einzelnem Trade riskieren. Bei einer Verlustserie hingegen wird mit weniger Risiko gehandelt.

Die Vorgehensweise, die der aktionär vorstellt, ist aber nur auf Knock-out-Zertifikate (Turbo-Optionsscheine, Mini-Futures) anwendbar. Wegen der transparenten Preisgestaltung lassen sich Ein- und Ausstiegskurse relativ einfach (auch für Laien) vorab bestimmen. Bei Optionsscheinen und Faktor-Zertifikaten funktioniert dies mangels Preistransparenz nicht.

Produkt auswählen

Im vorliegenden Beispiel will der Trader mit einem endlos laufenden Turbo-Optionsschein auf steigende Kurse der Allianz-Aktie setzen. Die erste Aufgabe besteht nun da­rin, ein Produkt auszuwählen, das einen Hebel um 3 hat. Damit lässt sich sicherstellen, dass die Knock-out-Schwelle ausreichend weit weg liegt. Zudem sollten der Spread zwischen An- und Verkaufskurs sowie das Aufgeld gering sein. Diese Kriterien erfüllt beispielsweise der Turbo-Bull mit der WKN HU7XVE. Das Produkt weist einen Spread von einem Cent auf und wird erst bei 117,96 Euro ausgeknockt. Der Hebel liegt bei 3,1.

Risiko festlegen

Als Nächstes wird der maximale Verlust für den Trade berechnet: Unser Trader hat ein Depot mit 20.000 Euro und darf folglich laut 1-Prozent-Regel maximal 200 Euro pro Trade riskieren.

Stopplevel bestimmen

Im Anschluss wird das Niveau bestimmt, bei dem ein Ausstieg aus der Position angeraten scheint. In der Regel bedienen sich Trader charttechnischer Hilfsmittel wie Trendlinien, Unterstützungen oder gleitenden Durchschnitten.

Die Allianz zum Beispiel hat eine massive Unterstützung bei 170 Euro – die Position sollte daher bei einem Kurs von 169 Euro geschlossen werden.

Risiko pro Optionsschein berechnen

Aus dem aktuellen Kurs der Allianz-Aktie (175,50 Euro), dem Stopplevel (169 Euro) und dem Bezugsverhältnis des Hebelprodukts (0,1) lässt sich nun das Risiko für das einzelne Wertpapier berechnen. Dazu subtrahiert man das Stopplevel vom aktuellen Kurs und multipliziert das Ergebnis mit dem Bezugsverhältnis. In diesem Fall ergibt sich ein Wert von 65 Cent, das heißt, der Stoppkurs wird dementsprechend 65 Cent unter dem Kaufkurs des Turbo-Optionsscheins (5,75 Euro), also bei 5,10 Euro, platziert.

Positionsgröße bestimmen

Das Risiko pro Position wird nun durch den maximal zulässigen Verlust je Turbo-Optionsschein geteilt. Das Ergebnis ist die Stückzahl, die gekauft werden darf. In unserem Fall sind es 300 (200/0,65 abgerundet) Optionsscheine, die Positionsgröße liegt entsprechend bei 300 x 5,75 oder 1.725 Euro. Das sind 8,63 Prozent des Gesamtdepots.

Anweisungen per System

Wer nicht selbst rechnen will, nutzt das "KO Trading Tool" unter tradingdesk.onemarkets.de. Dort legt der Trader einige Kriterien fest und die Maschine spuckt das passende Produkt aus dem Angebot der Hypo­Vereinsbank und die dem Risiko entsprechende Anzahl der Hebelpapiere aus.

Angenommen, unser Trader will bei 11.020 mit Kursziel 11.580 in den DAX einsteigen; der Stopp soll bei 11.260 liegen. Neben dem Depotwert von 20.000 Euro und dem Risiko von einem Prozent gibt er als Positionsgröße 2.000 Euro ein.

Das Ergebnis ist der DAX Mini-Bull mit der WKN HU680J, der aktuell bei 11,93 Euro notiert. Bei 2.000 Euro, die dem Trader zur Verfügung stehen, kann er entsprechend 167 Stücke kaufen. Als Stoppkurs gibt das System 10,73 Euro an, als Zielkurs 17,50 Euro. Zusätzlich wird ein CRV von 4,67 ausgespuckt. Das Chance-Risiko-Verhältnis sollte bei mindestens 2, eher bei 3 oder mehr liegen.

Die Vorgehensweise ähnelt Methode 1 mit dem Unterschied, dass am Trading-Desk die Positionsgröße vorgegeben ist. Es spielt aber letztendlich keine Rolle, für welche Vorgehensweise sich der Anleger entscheidet. Wichtig ist, dass er sein Risiko kennt und minimiert. Das Kapital ist das Lebenselixier eines jeden Investors und es zu schützen, muss die oberste Devise sein. Wer die genannten Tipps beherzigt, ist auf dem richtigen Weg.

Auszug aus Ausgabe 52/2018

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