Schlott Gruppe
- Werner Sperber - Redakteur

Schlott: "Positive Signale"

Die Schlott Gruppe wird nicht mehr sein – zumindest nicht mehr das, was sie bislang war: Ein international agierender Druckereikonzern. Die Insolvenz ist nun angemeldet und der Insolvenzverwalter muss prüfen, ob ein schuldenfrei betriebenes operatives Geschäft ganz oder wohl viel eher in Teilen rentabel ist. Dann könnte sich auch der jetzt überraschend abgesprungene Investor wieder melden.

Am Mittwoch, 26. Januar 2011, will die Schlott Gruppe in Stuttgart die Bilanz für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr 2009/10 sowie die Zahlen für das erste Quartal 2010/11 vorstellen. Das ist üblicherweise Sache von Bernd Rose, dem Vorstandsvorsitzenden des im baden-württembergischen Freudenstadt ansässigen Druckereikonzerns (Schlott druckt unter anderem den "Kicker", die "Wirtschaftswoche" und "TV-Movie"). Bei Schlott hat nun  allerdings der Insolvenzverwalter das Sagen. Wie in dem Artikel vom 3. Januar angedeutet, ist Schlott das Geld ausgegangen, da die Banken mittlerweile Kredite fällig gestellt haben und ein "ernsthaft interessierter Eigenkapitalgeber" Ende vergangener Woche abgesprungen ist. Nun hat der Vorstand beim Amtsgericht in Nürnberg den Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen Zahlungsunfähigkeit und

Überschuldung gestellt. Das betrifft die deutschen Konzernteile. Außgenommen von diesem Antrag sind - bisher - die Biegelaar B.V. und die media2print B.V. (beide Niederlande). Die Reus S.R.O. (Tschechische Republik) und die Hollmann S.A. (Frankreich) könnten von dem Verfahren unberührt bleiben.

Bei Schlott sind nicht unbedingt die Kosten oder die Auslastung das Problem, schließlich arbeitet der Konzern an und teilweise über den Kapazitätsgrenzen. Nicht einmal die Finanz-Schulden von rund 184 Millionen Euro sind tatsächlich das Problem. Das Kernproblem von Schlott ist das Problem der Druckbranche schlechthin: Es gibt zu viele Druckereien und deshalb zwingen die Kunden den Preis nach unten. Nur die Druckereien mit dem längsten finanziellen Atem überstehen diesen ruinösen Preiskampf. Marco Walz, Investor Relations und Pressesprecher, gibt im Gespräch mit dem AKTIONÄR Auskunft über den möglichen weiteren Weg von Schlott.

Der Insolvenzverwalter kommt

Die Kernaussage des Investor-Relations-Leiter lautet: Der Insolvenzverwalter muss erst bestellt werden und dann ist er für die strategischen Überlegungen verantwortlich. Das Insolvenzgericht dürfte heute oder morgen einen vorläufigen Insolvenzverwalter benennen. Schlott selbst hat seit dem Wirtschaftsjahr 2006/07 externe Berater benannt, welche sich erfolgreich um Verbesserungen im Einkauf und bei den Produktionsprozessen bemüht haben. Andere Berater waren für "bankenbegleitende Maßnahmen" zuständig, wie Walz formuliert, welche auf Wunsch der Banken eingesetzt worden sind, um die Kreditinstitute auf dem Laufenden zu halten, schnell reagieren zu können und zu dokumentieren.

Die Tiefdruck-Standorte in Landau und Nürnberg sind diejenigen mit den im Schnitt modernsten Maschinen, während in Freudenstandt, Hamburg und vor allem in Maarssen mit älterem Gerät gearbeitet wird. Der Insolvenzverwalter wird nun entscheiden müssen, ob ein oder mehrere Standorte komplett geschlossen werden können oder müssen. Zudem wird er die Verantwortung dafür tragen, ob die zu vier Fünfteln tiefdrucklastige Schlott-Gruppe eine kleine aber feine Tiefdruckerei werden wird oder ob dem Rollenoffset die Zukunft gehört. Schlott bietet diesen nicht-tarifgebundenen Flachdruck in Lübeck an. Aus vielfältigen Gründen nimmt der Rollenoffset dem Tiefdruck immer mehr Aufträge ab beziehungsweise wird der Rollenoffset im Vergleich zum Tiefdruck immer wettbewerbsfähiger.

Die Insolvenz-Zocker kommen

Die Hauptfrage ist jedoch, ob Schlott weiter arbeitet. Marco Walz erklärt: "Wir bekommen sehr positive Signale von den Kunden und auch den Lieferanten, was eine Fortführung betrifft, welche auch von der Geschäftsführung angestrebt wird." Dafür sind Finanzmittel nötig. Etwas Geld ist neben den zum 30. Juni 2010 ausgewiesenen 1,95 Millionen Euro noch da, etwa die 3,2 Millionen Euro an "sonstigen Ausleihungen" oder die 4,4 Millionen Euro an "zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte". Allerdings wird es wohl schwierig sein aus diesen Bilanzposten auch tatsächlich Bargeld zu machen. Bleibt ein oder vielleicht sogar der "ernsthaft interessierte Eigenkapitalgeber". Walz könnte sich durchaus vorstellen, dass jemand nun - unter Insolvenzbedingungen - Geld in den kompletten Konzern oder in Teile davon steckt. Für Börsen-Investoren ist die Schlott-Aktie derzeit allerdings tabu: Hier tummeln sich nun die Insolvenz-Zocker.

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