LANDEC CORP. DL-,01
- DER AKTIONÄR

Schlacht um die Bananen

Der Bananengigant Chiquita war tief in die roten Zahlen gerutscht. Im vergangenen Jahr türmte sich der Verlust auf 96 Millionen US-Dollar. Gegenüber dem aktionär sagte Vorstandschef Fernando Aguirre: „Dieses Jahr möchten wir profitabel abschließen.“ Eine konkrete Prognose lehnte er zwar aufgrund des volatilen Geschäfts ab, unterstrich aber, bis zum Jahr 2010 Umsatz und Profit gegenüber dem Jahr 2005 verdoppeln zu wollen.

Stürme in Lateinamerika, gestiegene Importzölle in Europa, hohe Schulden: Chiquita steckt in seiner schwersten Krise. Jetzt bereitet das Management die Wende vor. Einer der Profiteure ist der Frischespezialist Landec.

Der Bananengigant Chiquita war tief in die roten Zahlen gerutscht. Im vergangenen Jahr türmte sich der Verlust auf 96 Millionen US-Dollar. Gegenüber dem aktionär sagte Vorstandschef Fernando Aguirre: „Dieses Jahr möchten wir profitabel abschließen.“ Eine konkrete Prognose lehnte er zwar aufgrund des volatilen Geschäfts ab, unterstrich aber, bis zum Jahr 2010 Umsatz und Profit gegenüber dem Jahr 2005 verdoppeln zu wollen. Insofern peilt er in drei Jahren 7,8 Milliarden Dollar Erlös (2005: 3,9 Milliarden) und 262 Millionen Dollar Überschuss (2005: 131 Millionen) an. Dagegen ist die aktuelle Börsenbewertung mit 700 Millionen Dollar geradezu lächerlich; allein das ausgewiesene Eigenkapital in Höhe von 863 Millionen Dollar liegt deutlich darüber.

Krisenjahr 2006

Der weltweit führende Bananenproduzent aus Cincinnati/Ohio musste wegen der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung in Kolumbien 25 Millionen Dollar an das US-Justizministerium zahlen. Die Terrorgruppe hatte Plantagenbeschäftigte bedroht und Chiquita erpresst. Hinzu kamen außerordentliche Goodwill-Abschreibungen in Höhe von 43 Millionen Dollar. Ebenfalls hinterließen die höheren Importzölle der Europäischen Union tiefe Druckstellen in der Erfolgsrechnung. Ferner schlugen Hurrikans mit 25 Millionen Dollar zu Buche. Schließlich brach das Salatgeschäft im vergangenen September ein, nachdem die US-Gesundheitsbehörde vor Ecoli-Bakterien im Spinat warnte. Obwohl Chiquita-Produkte gar nicht von einem Befall betroffen waren, litt dennoch der Salat-Absatz dramatisch unter der Angst der Verbraucher. Den Schaden beziffert die Führungsspitze auf 21 Millionen Dollar. Alles in allem war das vorige Jahr für das 1899 gegründete Unternehmen eines der schlimmsten überhaupt.

Mit dem gerade gemeldeten Verkauf von zwölf Kühlschiffen für 227 Millionen Dollar beginnt Chiquita-Chef Aguirre nun die Schuldenlast von derzeit einer Milliarde Dollar abzutragen. Darüber hinaus stieß er verlustreiche Plantagen in Chile ab und zieht weitere Veräußerungen in Betracht. Seine Strategie wendet sich immer mehr von der Produktion ab – hin zu hochqualitativem Service, einem weniger schwankungsanfälligen Geschäft. Chiquita möchte sich auf verarbeitete Früchte und Gemüse konzentrieren. Mit knackigen Wachstumsraten schneidet hier vor allem die Chiquita-Tochter Fresh Express ab, die unter anderem gewaschene Fertigsalate oder geschnittene Früchte in Plastikbeuteln an Supermarktketten liefert. Mit Milliardenkonzernen wie McDonald’s oder Starbucks schloss der Früchtemulti Verträge für geschnittenes Obst beziehungsweise Bananen ab. Zahlreiche neue Produkte sollen auf den Markt kommen, darunter Fruchtsäfte oder drei in einer Frischebox eingeschweißte Bananen.

Knackige Bananen dank Landec

Der kalifornische Lebensmittelanbieter Landec wäscht, schneidet und verpackt Gemüse für den Einzelhandel. Das Besondere daran sind die Spezialverpackungen mit Etiketten, die über eine Membran den Sauerstoffgehalt im Innern steuern. Dadurch bleibt das Grünzeug bis zu 17 Tage frisch, während Gemüse in herkömmlichen Verpackungen laut Vorstandschef Gary T. Steele nur halb so lange hält. Der kleine Spezialist Landec hat mit Chiquita einen großen Verbündeten. Chiquita-Chef Aguirre ist von Landecs Technologie hellauf begeistert, beispielsweise weil er so seine Bananenkisten viel länger frisch halten kann. Landec spielt auch für die Kaffeehauskette Starbucks eine entscheidende Rolle: Starbucks möchte einzelne Chiquita-Bananen für einen Dollar verkaufen, kann die gelben Früchte nun länger lagern und hat viel weniger Ausschuss. Landec setzt in seinem Kerngeschäft rund 200 Millionen Dollar um. Das Wachstum bewegt sich in einer Bandbreite zwischen 15 und 20 Prozent. Zweites Standbein mit einem Umsatz in Höhe von 34 Millionen Dollar sind Getreidesamen, die mit einem intelligenten Schutzfilm versehen sind, so dass die Aussaat zum optimalen Zeitpunkt zu keimen beginnt. Die Samensparte verkaufte Landec gerade für 50 Millionen Dollar in Cash. In der Kasse liegen aktuell über 70 Millionen Dollar – Tendenz steigend. Die Bilanz ist frei von Schulden.

Chiquita und Landec ein Kauf

Mitte März markierte die Chiquita-Aktie ein Mehrjahrestief. Mittlerweile erholt sich der Kurs jedoch. Chiquita ist noch immer äußerst günstig taxiert und liegt mit einer Bewertung unterhalb des Eigenkapitals wie auf dem Präsentierteller für Hedgefonds. Wir sehen Verdopplungspotenzial. Stramm nach oben läuft bereits der Landec-Kurs. Seit Anfang 2003 hat sich der Wert versechsfacht. Mit einem 2008er-KGV von 26 ist die Aktie aber noch nicht zu teuer angesichts des hohen Barmittelbestands und der Zukunftstechnologie.

Kursziel bei Landec: 13,50 Euro. Stopp: 8,10 Euro.

Kursziel bei Chiquita: 22,00 Euro. Stopp: 9,35 Euro.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 22/2007.

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